15. November 2025, 14:08 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Gewaltsame Proteste und Verhaftungen erschüttern Tansania, seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende Oktober. Angesichts der ungewissen Lage vor Ort, fragen sich Urlauber, die eine Reise nach Tansania geplant haben, ob es aktuell überhaupt sicher ist, diese anzutreten. Das Auswärtige Amt hat darauf eine klare Antwort. TRAVELBOOK gibt einen aktuellen Überblick.
Tansania ist ein beliebtes Reiseziel im Osten Afrikas. Hier befindet sich der berühmte Serengeti-Nationalpark, der jedes Jahr Safari-Urlauber anzieht. Tansania ist zudem die Heimat des Kilimandscharo, der malerischen Sansibar-Inselgruppe sowie etlicher weiterer spannender Reiseziele. Aktuell sind es jedoch nicht die natürlichen Schönheiten des ostafrikanischen Landes, die Reisende beschäftigen dürften. Vielmehr sind es die Unruhen, die besonders die Städte im Griff hatten und viele Reisende fragen lässt, wie sicher eine Reise nach Tansania aktuell ist.
Übersicht
Aktuelle Lage
Am 29. Oktober 2025 siegte die amtierende Präsidentin Samia Suluhu Hassan in einer umstrittenen Präsidentschaftswahl mit fast 98 Prozent der Stimmen. Potenzielle Gegenkandidaten wurden im Vorhinein von der Wahl ausgeschlossen. Kritiker zweifeln das Ergebnis an. In der Folge gab es massive, teils gewaltsame Proteste und zahlreiche Verhaftungen. Etliche junge Tansanier lehnten sich gegen die Wahl der zunehmend autoritäreren Präsidentin auf und demonstrierten zu Tausenden. Die Polizei ging laut verschiedenen Medienberichten hart mit den Demonstrierenden ins Gericht. Bei den Protesten verloren etliche Menschen ihr Leben. Die tatsächlichen Opferzahlen sind unklar, die Angaben reichen von zehn bis tausend, je nach Quelle. Mehrere Tage blieb zudem das Internet vollständig ausgeschaltet und es gab starke Beeinträchtigungen in der Versorgung etwa mit Lebensmitteln und Treibstoff. Auch der Flugverkehr war erheblich beeinträchtigt. Seitdem hat sich die Lage stabilisiert, wie das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen zu Tansania schreibt. Sie bleibe jedoch volatil.
Die Stimmung bleibt auch deshalb weiterhin angespannt, weil es weiterhin zu Verhaftungen von Oppositionspolitikern und Sympathisanten kommt, die laut der Regierung die Proteste und Boykotte angezettelt haben sollen. Laut des Auswärtigen Amts können erneute Demonstrationen und Ausschreitungen nicht ausgeschlossen werden. „In diesem Fall kann es erneut zu Einschränkungen der Versorgung, inklusive der Kommunikationswege, kommen“, warnt es. An anderer Stelle erklärt es, dass die politische Lage auf Sansibar hingegen „derzeit stabil“ sei. Auch dort hatte es Proteste gegeben.
Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Tansania ab
Wie sicher ist Tansania angesichts der unsicheren politischen Lage also aktuell? Das Auswärtige Amt gibt eine klare Antwort: „Von Reisen in den südlichen Teil der Region Mtwara (unmittelbare Grenzregion zu Mosambik) sowie zu den Inseln und der Küstenregion südlich von Kisiju wird abgeraten.“ Und nicht nur das. Auch „von nicht notwendigen Reisen in andere Regionen Tansanias“ rät das Auswärtige Amt klar ab. Reisenden in Tansania wird geraten: „Nehmen Sie vor Reiseantritt Kontakt mit Ihrer Fluglinie bzw. Ihrem Reiseveranstalter auf. Begeben Sie sich erst zum Flughafen, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Flug planmäßig stattfindet und Ihr Flug bestätigt ist.“ Neben Deutschland haben auch andere Staaten ihre Reisehinweise angepasst.
Terrorgefahr
Doch nicht nur die aktuelle innenpolitische Lage wirft die Frage nach der Sicherheit für Reisende auf. So schreibt das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen, dass sich die Sicherheitslage im Land bereits seit 2023 verschlechtert hat. Es bestehe ein „Risiko für terroristische Anschläge in allen Regionen des Landes, insbesondere auch in der Stadt Daressalam“ sowie in der Region Mtwara nahe der Grenze zur Provinz Cabo Delgado in Mosambik.
Bereits in der Vergangenheit habe es Anschläge auf dem Festland sowie auf Sansibar gegeben. Dabei wurden Gotteshäuser sowie religiöse Führer angegriffen. Aktuell besteht das Risiko terroristischer Anschläge laut des Amts besonders in der Nähe symbolträchtiger Orte wie Sehenswürdigkeiten, religiösen Versammlungsstätten, Regierungs- und Verwaltungsgebäuden und ausländischen Botschaften. Auch Wirtschafts- und Tourismuszentren, Hotels, Märkte und größere Menschenansammlungen könnten zum Ziel von Terrorakten werden.
Kriminalität und Piraten
Neben der Terrorgefahr hat auch die Kriminalität seit 2023 zugenommen, wobei sie generell als recht hoch gilt. So nehmen laut des Auswärtigen Amts im ganzen Land und besonders in den Touristenhochburgen Arusha, Sansibar, Daressalam und Morogoro kriminelle Taten zu, bei denen Geld erpresst wird. Teilweise handelt es sich dabei um Entführungen durch vermeintlich hilfsbereite Passanten oder Taxifahrer, die ihre Opfer ausrauben oder unter Gewaltandrohung dazu zu bringen, Bargeld abzuheben. In anderen Fällen werden Ausländer gezwungen, Geldtransfers durch ihre Familien oder Bekannten zu erwirken.
Reisende sollten entsprechend besonders vorsichtig sein, bei wem sie ins Auto steigen sowie an Plätzen wie Bahnhöfen, Fähranlegestellen und Busstationen. Auch in Wohngebieten kommt es zunehmend zu derartigen Fällen. Besonders gefährlich sind zudem nicht bewachte Strände, die Stadtstrände und einsame Gegenden.
Nicht nur an Land, sondern auch auf dem Wasser ist Vorsicht geboten. Weiterhin gibt es vor den Küsten Somalias, Tansanias, Kenias sowie weiteren benachbarten Staaten etliche Piratenangriffe. Wer mit dem Schiff unterwegs ist, läuft laut des Auswärtigen Amts Gefahr, angegriffen und gekapert zu werden.
LGBTQ+ und rechtliche Besonderheiten
Homosexuelle Handlungen sind in Tansania strafbar und können mit sehr hohen Gefängnisstrafen geahndet werden. Das gilt auch für ausländische Staatsangehörige. Um sicherzugehen, sollten Reisende sich sowohl in der Öffentlichkeit in Tansania als auch in den sozialen Medien zurückhalten, rät das Auswärtige Amt.
Hohe Haftstrafen gibt es außerdem für Prostitution, sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Minderjährigen sowie mit Schülern weiterführender Schulen, unabhängig vom Alter. Ebenfalls verboten ist jeglicher Drogenkonsum-, besitz und -handel.
Darüber hinaus werde auch die Verbreitung von Inhalten bestraft, „die Panik verbreiten könnten“, heißt es in den Reisehinweisen. Diese Vorschrift werde aktuell im Zusammenhang mit den Protesten angewandt. Verboten sind auch Plastiktüten, wobei kleine Plastiktüten mit Zippverschluss wie im Flugzeug üblich davon ausgenommen sind.
Wie sicher sind Reisen nach Kenia aktuell?
Wie sicher sind Reisen nach Tunesien aktuell?
Gesundheit
Ganz sicher ist Tansania auch hinsichtlich der verschiedenen Krankheiten nicht, mit denen man sich vor Ort infizieren kann. Dazu gehört unter anderem das Denguefieber, dass durch Mücken übertragen wird. Besonders bei Kindern können hierbei schwere Komplikationen mit Todesfolge auftreten. Bei Reisenden seien Komplikationen jedoch selten, schreibt das Auswärtige Amt. Gegen Denguefieber gibt es eine Impfung. Ebenfalls durch Mücken übertragen wird das Chikungunya-Fieber, das oftmals mit hohem Fieber und zum Teil Gelenk- und Muskelschmerzen einhergeht. Tansania ist zudem Malariagebiet, das ebenfalls durch Mücken übertragen wird. Das Risiko ist landesweit und ganzjährig hoch, auch in den Städten und auf Sansibar.
Weitere gesundheitliche Risiken bestehen unter anderem durch HIV/Aids, Durchfallerkrankungen, afrikanisches Zeckenbissfieber, die Schlafkrankheit, Meningokokken, mitunter Leptospirose, Schistosomiasis sowie bei Bergbesteigungen durch die Höhenkrankheit. Darüber hinaus besteht das Risiko, von einer Giftschlange, giftigen Spinnen- und Skorpionenarten gebissen zu werden.
Auch interessant: Welche Impfungen brauche ich für eine Reise nach Tansania?
Das sollten Sie bei einem Urlaub in Tansania beachten
Wer trotz der aktuellen Geschehnisse nach Tansania reist, sollte sich angesichts der innenpolitischen Lage gut informiert halten, um schnell reagieren zu können. Das bedeutet, die lokalen, sozialen sowie internationalen Medien zu verfolgen, um einschätzen zu können, wie sich die Lage entwickelt, und um zu wissen, was vor Ort passiert.
Das Auswärtige Amt hat darüber hinaus eine ganze Reihe an Ratschlägen für einen sicheren Aufenthalt in Tansania veröffentlicht. TRAVELBOOK fasst die wichtigsten zusammen:
- Seien Sie besonders achtsam und meiden Sie Demonstrationen und Menschenansammlungen und befolgen Sie die Anweisungen der Sicherheitskräfte.
- Seien Sie vorsichtig an belebten Orten sowie solchen mit einem internationalen Publikum wie Hotels, Botschaften und anderen Treffpunkten.
- Registrieren Sie sich in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts (ELEFAND).
- Steigen Sie ausschließlich in registrierte Taxis (weißes Kennzeichen und grüner, gelber oder blauer Längsstreifen auf der weißen Karosserie), deren Fahrer Sie kennen. Selbst bei Taxifahrern, die über ein Hotel gebucht wurden, ist Vorsicht geboten.
- Vermeiden Sie Überlandfahrten, Fahrten mit dem Fahrrad und Spaziergänge nach Einbruch der Dunkelheit.
- Halten Sie bei Fahrten Fenster und Türen geschlossen und verriegelt.
- Leisten Sie bei einem Überfall keinen Widerstand.
- Bewahren Sie Geld, Ausweise, Führerschein und andere wichtige Dokumente sicher auf und speichern Sie elektronische Kopien.
- Nutzen Sie überwiegend bargeldlose Zahlungen und nehmen Sie nur das für den Tag benötigte Bargeld und keine unnötigen Wertsachen mit.
- Seien Sie bei ungewohnten E-Mails, Telefonanrufen, Gewinnmitteilungen, Angeboten und Hilfeersuchen skeptisch und teilen Sie keine Daten mit.
- Informieren Sie sich vor der Reise über Expositionsprophylaxen und Impfungen, schützen Sie sich konsequent vor Mücken- und Fliegenstichen und kontrollieren Sie Ihren Körper regelmäßig auf Zecken.
- Trinken Sie ausschließlich Wasser sicheren Ursprungs, nie Leitungswasser.
- Baden Sie niemals in Süßwassergewässern und vermeiden Sie Kontakt zu feuchten Naturböden.
- Seien Sie stets vorsichtig, wohin Sie greifen, treten oder sich setzen und legen.