22. August 2025, 13:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Den Einwohnern von Ošljak, der kleinsten dauerhaft bewohnten Insel Kroatiens, reicht es. Sie ärgern sich Medienberichten zufolge über das Ausmaß und die schlechte Organisation des Besucheransturms auf ihre gerade einmal 0,39 Quadratkilometer kleine Heimat. Täglich strömt ein Vielfaches der Einwohnerzahl an Touristen auf die Insel – und sie benehmen sich demnach unmöglich. Wie die Ošljaker sich nun wehren, erfahren Sie bei TRAVELBOOK.
Einwohner von Ošljak verweigern Touristen den Zutritt
Die Einwohner von Ošljak redeten nicht lange um den heißen Brei herum – sie stellten sich den störenden Touristen einfach in den Weg. Davon berichtete kürzlich die kroatische Tageszeitung „24 Sata“. Das Ganze ereignete sich im Rahmen einer Protestkundgebung am Wochenende. Dabei skandierten sie: „Ihr werdet nicht auf unsere Insel kommen, sie ist unser Wohnzimmer.“
Ein treffender Vergleich, möchte man sagen. Immerhin ist Ošljak mit ihrer Fläche von nur 39 Hektar durchaus überschaubar. Doch mit „Wohnzimmer“ ist noch mehr gemeint, erklärt Prekos Gemeindeleiter Mihovil Valčić dem Blatt: „Ošljak ist kein Touristenziel, und niemand hat uns jemals gefragt.“ Ein ungestörtes Leben werde den Einwohnern unmöglich gemacht. Deshalb hat Valčić den Protest organisiert.
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Hintergrund der Proteste
Die Insel liegt nahe der kroatischen Siedlung Preko und zählt laut deren Tourismusverband gerade einmal 29 Einwohner; verschiedene Medien berichten über ein paar mehr, andere über noch weniger Einwohner. Ošljak sei „ein Beispiel traditioneller mediterraner Architektur mit einem kleinen, alten Fischerhafen und der Kirche St. Maria aus dem 6. Jahrhundert“, heißt es beim Touristenverband weiter. Aufgrund der üppigen Vegetation wurde Ošljak 1985 zum Waldpark erklärt. „Heute ist die Insel über die Fähre mit Zadar (Gaženica) und Preko verbunden.“ Daneben legen, und hier liegt der Stein des Anstoßes, auch regelmäßig Ausflugsboote an – mit Hunderten Passagieren.
Jetzt stellen Sie sich vor: Auf die rund 30 Einwohner kommen in den Sommermonaten an manchen Tagen bis zu 1000 Touristen. Die Ošljaker empfinden das als Invasion. Hinzu kommt, erklärt Valčić, dass sich die Besucher von außerhalb nicht benehmen. Sie stapften durch private Gärten, bedienten sich an dort Angepflanztem und ließen ihren Müll einfach liegen. Eine Frau berichtet im Rahmen der Proteste, dass jemand in ihr Haus gekommen sei, um die Toilette zu benutzen.
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Keine einheitliche Regelung in Sicht
Die Einheimischen sprechen von illegalen Anlandungen in einem geschützten Gebiet. Die Boote haben demnach keine Genehmigung, auf der Insel anzulegen. Ošljak verfügt weder über einen offiziellen Hafen mit ordentlichen Anlegeplätzen für größere Besuchermengen noch über touristische Infrastruktur. Deshalb kann die Insel von diesem ungewünschten Fremdenverkehr nicht profitieren: Es gibt keine Geschäfte und lediglich ein privat geführtes Restaurant. Öffentliche Toiletten? Fehlanzeige. Ein Erklärungsansatz für den oben beschriebenen unliebsamen Besuch bei einer Ortsansässigen.
Und noch etwas. Ošljak liegt direkt neben sensiblen Naturflächen wie Küstenabschnitten oder kleinen Inseln, die ökologisch besonders wertvoll sind. Flora, Fauna und das maritime Umfeld werden hier streng überwacht. Die Insulaner kritisieren, dass jede Anlandung von Schiffen mit Touristen potenziell die Umwelt belasten kann.
Die Gemeinde Preko hat bereits in der Vergangenheit versucht, die Lage auf Ošljak zu entschärfen. Wie „24 Sata“ berichtet, fanden Gespräche mit der zuständigen Hafenbehörde statt, um die Anzahl der Touristenschiffe zu regulieren oder zu begrenzen. Darüber hinaus wurde mit der für die geschützten Gebiete in der Region zuständigen Naturschutzorganisation über mögliche Maßnahmen beraten. Noch wurde keine Einigung gefunden.
Spannungen zwischen Einwohnern und Bootsbetreibern
Indes verschärfen sich die Spannungen zwischen den Inselbewohnern und den Betreibern der Boote. Letzteren ist natürlich daran gelegen, möglichst viele Touristen zu befördern: Jeder Passagier bringt immerhin Geld ein. Je öfter am Tag sie von Zadar aus nach Ošljak fahren, desto besser für sie – und desto problematischer für die kleine Insel.