Ähm, kurze Frage…

Ist es schlimm, in den Badesee zu pinkeln?

An heißen Tagen zieht es Tausende an Deutschlands Seen. Aber längst nicht an allen Badestellen gibt es öffentliche Toiletten. Was also tun, wenn man mal muss? Einfach in den See pinkeln? TRAVELBOOK hat nachgehakt, ob das schlimm ist.

Frau im Badesee
Klammheimlich in den See pullern: Was sonst offiziell nur kleine Kinder dürfen, tun auch genug Erwachsene. Nur spricht keiner drüber.
Foto: Getty Images

Am auffälligsten sind die eigentlich Wasserscheuen. Die, die sich sonst kaum einen Meter vom Ufer wegtrauen. Aber wenn die Blase drückt, werden sie mutig: Dann gehen sie gerade so tief ins Wasser, dass die Badehose bedeckt ist, schauen sich verstohlen nach allen Seiten um – und bekommen schließlich einen Gesichtsausdruck, der sie eindeutig verrät: Sie lächeln erleichtert. Andere wiederum schwimmen möglichst weit raus oder suchen sich ein unbeobachtetes Plätzchen in der nächsten Bucht, um ihr kleines Geschäft zu verrichten.

Nur: Ist es eigentlich schlimm, in den Badesee zu pinkeln? Schadet man damit dem Gewässer oder den anderen Badegästen?

Je größer der See, desto harmloser ist es

„Alles, was dazu beiträgt, in den See Nährstoffe einzutragen, sollte man vermeiden“, sagt Matthias Oloew, Pressesprecher der Berliner Bäder-Betriebe, auf Nachfrage von TRAVELBOOK. Denn durch den Harnstoff, das Hauptabfallprodukt unseres Urins, würden Algen ernährt. „Die sind zwar harmlos, manche Besucher finden das allerdings nicht sonderlich ästhetisch“, sagt Oloew. Generell gilt: je größer der See, desto harmloser der Eintrag von Urin ins Wasser. „Der Wannsee etwa ist groß, wenn da nun ein paar Hundert Menschen reinmachen, ist das nicht so schlimm“, erklärt der Gewässer-Experte.

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Gerade in Jahren mit hohem Badeaufkommen, wie zum Beispiel 2018, sei der Beitrag des Algenwachstums durch Urin aber gerade in kleineren Seen nicht unerheblich, ergänzt Michael Häckl vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie. „Hierbei ist im Wesentlichen das Verhältnis von Gesamteintrag und Gewässergröße entscheidend.“ Einzig Fischer und Angler hätten vereinzelt Interesse an höheren Nährstoff-Gehalten, da damit schneller eine höhere Fischmasse produziert werden könne. „Im Sinne des Naturschutzes und auch der Badegäste ist dies jedoch in keinem Fall von Vorteil“, sagt der Gewässerökologie-Experte.

Darum sollte man unbedingt ins Meer pinkeln

Der Große Wannsee ist zudem eigentlich eine Bucht der Havel und wird von deren Wasser durchströmt. „Hier wird der Urineintrag weiter getragen und verliert sich“, sagt Matthias Rehfeld-Klein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin. Vor allem bei kleineren Seen, die nicht durchströmt würden, sei der Eintrag von Urin durch die Badegäste aber durchaus relevant. „Der See hat keinen Abfluss, es werden die Nährstoffe sukzessive angereichert und es kommt zur Eutrophierung mit gravierenden ökologischen Folgen.“ Neben Phosphor im Urin würden auch Keime ins Wasser gelangen, die Verunreinigungen hervorrufen könnten und je nach Wasseraustausch und Badenutzungsintensität auch hygienisch relevant sein könnten.

Auch in diesem Jahr wurden bereits in zahlreichen stehenden Gewässern Algen nachgewiesen. Sie trüben nicht nur den Badespaß, sondern sind teilweise auch gesundheitsgefährdend. So wuchsen etwa in mehreren Brandenburger und Bremer Seen Blaualgen – sie verursachen Haut- und Schleimhautreizungen. An mehreren Seen wurde zudem vor Zerkarien gewarnt. Die Larven von Saugwürmern können zu juckenden Hautirritationen führen.