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Unberührte Natur und leere Strände

Der „Gardasee des Balkan“ ist noch ein echter Geheimtipp

Prespasee Balkan Albanien Nordmazedonien Griechenland
Im Balkan liegt der große Prespasee zwischen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland – diese Region ist noch ein echter Uralubs-Geheimtipp Foto: Getty Images
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Lena Braun
Redaktion TRAVELBOOK

3. August 2026, 10:34 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Das Motiv wirkt ganz vertraut: tiefblaues Wasser, umgeben von weißen Kiesstränden, grün bewachsenen Hügeln und hohen Bergen. Hier und da liegt eine Insel mitten im See, dazwischen verstecken sich kleine Buchten und abgeschiedene Strandabschnitte. Diese idyllische Kopie des Gardasees liegt jedoch nicht in Italien: Rund 950 Kilometer Luftlinie südöstlich befindet sich sein See-Zwilling, eingebettet zwischen drei Ländern. Und bisher besitzt er noch echte Geheimtipp-Qualitäten.

Die Rede ist vom Prespasee, der sich über rund 270 Quadratkilometer am Dreiländereck zwischen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland erstreckt. Die Region ist touristisch noch vergleichsweise wenig erschlossen. Hier sind vor allem Individualreisende, Wanderer und Vogelbeobachter unterwegs. Alle Uferbereiche stehen unter Schutz und bilden einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten.

Wer dieselbe Schönheit wie am beliebtesten Badesee deutscher Urlauber sucht, findet sie hier ganz ohne die rund 18 Millionen Besucher, die jedes Jahr an den Gardasee reisen. Der Prespasee zählt zu den ältesten Seen der Welt und begeistert vor allem durch seine Ursprünglichkeit. Die Natur im Dreiländereck ist vielerorts noch unberührt, die Atmosphäre an Stränden, in Unterkünften und traditionellen Restaurants angenehm entspannt. Von allen drei Anliegerstaaten aus ist der See zugänglich und jede Region hat ihren ganz eigenen Charakter.

Der Prespasee in Nordmazedonien

Etwa zwei Drittel des Prespasees liegen in Nordmazedonien. Hier befindet sich auch der etwas bekanntere Ohridsee an der Grenze zu Albanien. Wer auf dem Weg nach Griechenland, Serbien oder Bulgarien unterwegs ist, kommt dort oft automatisch vorbei. Der Prespasee liegt dagegen deutlich abgelegener und ist gerade deshalb noch ein echter Geheimtipp. Von den nordmazedonischen Städten Ohrid oder Resen gelangt man über kurvige Straßen direkt an den See und in die kleinen Orte am Ufer. Dort warten einige besonders ursprüngliche Naturerlebnisse.

Auch interessant: Der Ohridsee in Nordmazedonien ist noch ein echter Geheimtipp

Insel Golem Grad – die Schlangeninsel

Prespasee Nordmazedonien Golem Grad Schlangeninsel
Die größte Insel im Prespasee ist etwa 18 Hektar groß und von steilen Felsklippen umgeben. Hier sieht man sie aus der Ferne mitten im Prespasee von Nordmazedonien aus. Foto: Getty Images/redstallion

Die nahezu komplett mit weißen Steinen bedeckte Insel ist ein wichtiger Brutplatz für zahlreiche Vogelarten, darunter auch Pelikane. Außerdem leben hier Landschildkröten in freier Wildbahn. Wer eine entdecken möchte, braucht allerdings etwas Glück. Im dichten Wald leben zudem verschiedene, für Menschen ungefährliche Schlangenarten. Daher trägt Golem Grad auch den Beinamen „Schlangeninsel“. Trotz ihrer Unberührtheit ist die Insel für Besucher zugänglich. Drei Bootsanleger wurden dafür bereits im Jahr 2008 errichtet.

Gleitschirmfliegen im Galičica-Gebirge

Zwischen dem Prespa- und dem Ohridsee erstreckt sich das Galičica-Gebirge. Sein höchster Gipfel, der Magaro, erreicht 2255 Meter und lässt sich auf einer anspruchsvollen Wanderung erklimmen. An vielen Stellen eröffnet sich ein beeindruckender Ausblick auf beide Seen. Die Wanderwege sind gut ausgeschildert und eignen sich teilweise auch für Mountainbike-Touren. Wer noch mehr Abenteuer sucht, kann mit geführten Touren klettern oder oberhalb der Ortschaft Trpejca am Ohridsee beim Gleitschirmfliegen die Region aus der Vogelperspektive erleben.

Wildpferde im Pelister-Nationalpark

Pelister Nationalpark Nordmazedonien Prespasee
Das Pelister ist seit 1948 geschützt und damit eines der ersten Nationalparks auf dem Balkan Foto: Getty Images

Zwischen markanten Felsformationen und dichten Wäldern liegen zwei Gletscherseen, die auch als „Augen des Pelister“ bekannt sind. Der höchste Gipfel des Gebirges erreicht mehr als 2600 Meter. Eine vielfältige Tierwelt macht die Region zusätzlich interessant. Zu den ungewöhnlichsten Bewohnern zählen Wildpferde, Braunbären, Wölfe und verschiedene Adlerarten.

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Am Prespasee in Albanien

In nur etwa einer halben Stunde gelangt man von der lebhaften albanischen Stadt Korça über kurvige Straßen hinunter zum Prespasee. Hochhäuser, breite Einkaufsstraßen oder große Strandpromenaden sucht man hier vergeblich. Stattdessen prägen geschützte Naturlandschaften und kleine traditionelle Dörfer aus Backstein das Bild. Viele von ihnen bieten einige wenige Gästezimmer für Reisende an.

Tagestouren durch den Prespa-Nationalpark

Auch auf der albanischen Seite des Prespasees erstreckt sich ein weitläufiges Schutzgebiet. Der Prespa-Nationalpark umfasst mehr als 27.000 Hektar und gehört zu den bedeutendsten Naturreservaten der Region. Hier leben seltene Tierarten wie Braunbären, Wölfe und Wildkatzen sowie zahlreiche Vogelarten, darunter der Krauskopfpelikan.

Auf Tagesausflügen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto stößt man immer wieder auf kulturelle Sehenswürdigkeiten wie historische Kirchen und Klöster. Da touristische Infrastruktur hier kaum vorhanden ist, sollte man Verpflegung mitbringen und sich bereits vor der Anreise um eine Unterkunft kümmern.

Höhlenkirchen auf der Insel Maligrad

Prespasee Albanien Maligrad Insel
Auch die Insel Maligrad ist wie Golem Grad von steilen Felsformationen bedeckt Foto: Getty Images/Axel Krien

Vom Dorf Pustec aus, das ebenfalls im Nationalpark liegt, setzen Besucher mit lokalen Bootsverleihern und einem Guide auf die nur fünf Hektar große Insel über. Aus der Ferne wirkt sie wie ein großer Felsbrocken mitten im See. In ihren Kalksteinfelsen befindet sich eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Region: die Höhlenkirche St. Marien. Sie wurde laut Reiseexperten bereits im Jahr 1369 von einem Adligen errichtet. Im Inneren sind außergewöhnlich gut erhaltene Fresken zu sehen, deren Farben bis heute beeindruckend wirken. Außerdem werden archäologische Funde ausgestellt, die von der langen Geschichte dieses abgelegenen Ortes erzählen.

Kulturelle Vermischung im Dorf Pustec

Am Ufer des Prespasee, als Ausgangspunkt für den Maligrad-Besuch, liegt das traditionelle Dörfchen Pustec. Mit weniger als 2000 Einwohnern gehört die Gemeinde zu den kleinsten Albaniens. Die Menschen hier gehören einer mazedonischen Minderheit an, die das kulturelle Leben des Ortes bis heute prägt. Diese Mischung verschiedener Traditionen zeigt sich besonders in der regionalen Küche und bei lokalen Festen. Wer mehr über die Geschichte der Region erfahren möchte, kann das örtliche Ethno-Museum besuchen.

Der Prespasee von Griechenland aus

Der kleinste Teil des großen Prespasees gehört zu Griechenland. Hier liegt weiter südlich aber auch sein kleiner Namensvetter, der definitiv noch zu den unterschätzten Reisezielen des Landes gehört. Zusammen bilden beide Seen eine weitläufige Naturlandschaft an der Grenze zu Albanien und Nordmazedonien. Zwischen kleinen Dörfern, historischen Bauwerken und verlassenen Siedlungen zeigt sich der Prespasee noch einmal von einer ganz anderen Seite.

Insel Agios Achillios und ihre Basilika

Prespasee Insel Agios Achillios Griechenland
Mitten im Kleinen Prespasee liegt die Insel Agios Achillios. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis. Foto: Getty Images/verve231

Eine lange Fußgängerbrücke führt durch Schilf und Wasser direkt auf die kleine Insel. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Zwischen alten Steinhäusern, grasenden Tieren und schattigen Wegen stößt man auf die Ruinen einer imposanten Basilika aus dem 10. Jahrhundert.

Verlassene Dörfer voller Geschichte

Entlang der griechischen Seite des Prespasees finden sich mehrere aufgegebene Dörfer, die heute als stille Zeitzeugen der bewegten Vergangenheit gelten. Besonders während des griechischen Bürgerkriegs in den 1940er-Jahren wurden zahlreiche Orte verlassen. Zwischen überwucherten Häusern, eingestürzten Mauern und alten Kirchen lässt sich noch erahnen, wie das Leben hier einst aussah. Einige der Siedlungen können auf Wanderungen oder mit lokalen Guides besucht werden. Die Lost Places verleihen der ohnehin abgeschiedenen Region eine fast mystische Atmosphäre.

Jahrhundertealte Fischerei auf dem See

Der Prespasee wird bis heute von einer traditionellen Form der Fischerei geprägt. Entlang des Ufers stehen sogenannte Daljans, große hölzerne Fischfallen, die teilweise seit Generationen genutzt werden.

Vor allem in den Morgenstunden gehören die einfachen Holzkonstruktionen zu den prägendsten Motiven der Region. Viele Familien leben seit Jahrzehnten von der Fischerei und beliefern die Tavernen der umliegenden Dörfer mit frischem Fisch aus dem See. Die Tradition gilt als wichtiger Teil der lokalen Kultur und erinnert daran, dass das Leben am Prespasee noch immer eng mit der Natur verbunden ist. Natürlich sollte man hier in einem traditionellen Lokal den fangfrischen Fisch aus dem See probieren.

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