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Rundgang durch Museen

Kultur-Tipps für Paris – die Stadt erwacht wieder langsam

Blick vom Terrass-Hotel Paris
Wunderschöner Blick vom Terrass-Hotel über ParisFoto: Marén Berg

Langsam erwacht in Paris auch das kulturelle Leben wieder. Autorin Marén Berg beschreibt für TRAVELBOOK, wie es langsam wieder losgeht. Welchen Esprit versprüht die Metropole wieder und welche Museen verzaubern wieder ihre Besucher? Berg macht einen Rundgang durch ihre Stadt und nimmt uns alle mit auf ihre Tour.

Hurra, es wird wieder gestreikt! Das soll heiβen, dass wir in Paris fast wieder im Normalzustand angekommen sind. Ein Teil des Personals vom Historischen Museum Carnavalet (siehe unten unter 1), im schönen Marais-Viertel gelegen, will mehr Geld. Nach fünf Jahre dauernder Renovierung – für 58 Millionen Euro – wurde dieses Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert neu eröffnet. Und ich möchte es sofort sehen. Also radle ich trotz der SMS-Warnung der Direktion („Wir verhandeln, aber…“) bei schönstem Sommersonnenwetter hinunter nach Paris. Hä? Ja, denn die Eingeborenen vom „Dorf Montmartre“ haben ihre eigene Zeitung und ihren eigenen Wein und sind überhaupt sehr eigen… Als Zugereiste bin ich nun seit fast fünf Jahren hier oben und freue mich, schon ein bisschen dazu zu gehören.

Eine fast leere Eingangshalle erwartet mich in diesem Museum, das man auch das ‚Theater der Geschichte von Paris‘ nennen könnte. Mit seiner fantastischen, modernen, skandinavischen Treppe, zu der die schmiedeeisernen alten Zunftschilder einen reizvollen Gegensatz bilden.

Das „Theater der Geschichte von Paris“
Das „Theater der Geschichte von Paris“Foto: Marén Berg

Ich lasse das Untergeschoss – von den Ursprüngen der Stadt bis Ende des Mittelalters – aus und begebe mich sofort in den ersten Stock (16. – 18. Jhdt.). Ein Zimmer nach dem anderen versetzt mich in Erstaunen und Entzücken, egal ob es Voltaires Bureau mit seinem Sessel ist oder das Musikzimmer der Madame de Sévigné, die hier jahrelang wohnte.

Paris
Herrlich!Foto: Marén Berg

Jeder Raum ist wie eine Theaterkulisse gestaltet. Die Adligen der Stadt zeigten ihren Reichtum und ihren Geschmack, den man auch in dem formalen Barock-Garten wiederfindet. Hier kann man sich ausruhen und stärken. Und das Beste: Der Eintritt in die ständige Sammlung des Museums ist frei, wenn man auch hier wie überall wegen der Pandemie reservieren muss.

Nach diesem Besuch erhole ich mich einen Moment in einem der vielen Straßencafés am Jardin du Luxembourg. Sie haben uns allen so schrecklich gefehlt, denn sie machen einen großen Teil des Charmes der Stadt aus, noch dazu bei diesen knuddeligen Besuchern.

Das größte Bild der Welt

Weiter geht es zum Grand Palais Ephemere (2) auf der linken Seite der Seine gegenüber der Ecole Militaire gelegen. Das ist ein funkelnagelneues, formschönes, „vergängliches“ Gebäude aus Glas und Holz von 10.000 Quadratmetern mit Platz für 9000 Zuschauer. Es ersetzt bis zu den Olympischen Spielen 2024 das alte „Grand Palais“. Dieses wird seit Kurzem restauriert. Hier werden sowohl die Chanel-Modeschauen als auch das Reiterturnier von Hermès und die olympischen Judokämpfe stattfinden. Es ist ein kreuzförmiger, in nur acht Monaten errichteter formschöner UND ökologischer Palast. Er wird nach Benutzung in seine Einzelteile zerlegt und entweder woanders wiederaufgebaut oder verkauft werden.

Leider kann ich ihn heute nur von außen betrachten, denn ih stehe vor verschlossener Tür. Dieses Gebäude wurde übrigens auf historischem Grund errichtet. Der Architekt Jean-Michel Wilmotte hat es nämlich genau an die Stelle gesetzt, an der der „Palast der Elektrizität und des Lichts“ für die Weltausstellung 1937 stand. Damals gaben die französischen E-Werke dem Maler Raoul Dufy den Auftrag für das Monumentalbild „Die Fee Elektrizität“, auf welchem der Künstler seine Liebe zur Farbigkeit zu einem noch nie dagewesenen Gipfel geführt hat. Zusammen mit seinem Bruder Jean und beidhändig (!) malte er in nur zehn Monaten das größte Bild der Welt von 600 Quadratmetern, zehn Meter hoch.

Heute steht es, ebenfalls restauriert, im MAM, dem Museum der Modernen Kunst (3). Der Eintritt ist auch für dieses Kunstwerk frei. Ich finde es wundervoll und kaufe mir ein Buch über den mir bis dato nicht bekannten Maler. Am Tag darauf sehe ich ein Plakat, welches eine Ausstellung seiner Werke in „meinem“ Musee de Montmartre (4) bis Ende September ankündigt. Das passt gut.

Die weiträumige Terrasse neben dem Museum für Moderne Kunst ist in einen vornehmen Restaurant-Teil und eine „Bambini“- Pizzeria gegliedert. Die Preise sind zivil, an diesem außergewöhnlichen Ort und den Blick auf die Seine und den Eiffelturm gibt es auch noch gratis dazu.

Herrlicher Blick auf die „eiserne Dame“

Eine Straβe weiter oberhalb liegt das Modemuseum Galliera (5), in dem man die Kreationen von Coco Chanel bewundern kann und ebenfalls auf einer schönen Gartenterrasse mit Blick auf die „eiserne Dame“ tafeln darf.

Auch interessant: Hier können Sie in Paris im Bett von Coco Chanel schlafen

Da wir bei den leiblichen Genüssen sind: Kürzlich habe ich in einem der Pariser Spitzenrestaurants die fünfzigjährige Freundschaft mit Freund Jean feiern dürfen. Er hatte mich 1971 im Pub „Ten Gallons“ angefeuert, wo ich dem Besitzer Bruno Coquatrix, dem allgewaltigen Boss vom „Olympia“, vorsingen musste. Ich wurde noch am selben Abend für zwei Monate engagiert. Wir haben uns das Lateinamerikanische Kulturinstitut am Boulevard Saint Germain ausgesucht, dessen Restaurant „Rech“ (6) gerade von Chefkoch Alain Ducasse übernommen wurde. Wir werden geradezu liebevoll vom gesamten Personal empfangen, als ob wir lang vermisste Gäste seien. Der nicht einsehbare, hochelegante Garten ist beeindruckend, das Wetter ist wundervoll. Und das Mittagsmenu, zu einem überaus fairen Preis von nur 44 Euro, ist schlicht göttlich. Wir schwelgen!

Paris
Einfach zum WohlfühlenFoto: Marén Berg

„Rooftops“ schießen augenblicklich in Paris wie die Pilze aus dem Boden. Eins der schönsten ist das des Terrass‘-Hotels (7), von dem man einen berückenden Blick über Paris hat und der ab 15 Uhr leckere Cocktails und Snacks serviert. Momentan ist das Restaurant wegen des Virus‘ noch geschlossen, aber sobald es wieder öffnet, werde ich mich mit Wonne auf den sonntäglichen Brunch stürzen, der für 40 Euro Erkleckliches und Erquickliches bietet!

Bei schlechtem Wetter kann ich unbedingt das Restaurant des Tour Montparnasse (8) empfehlen. Denn auch von dort ist der Blick über die Stadt derart umwerfend, dass man die frische Luft kaum vermisst.

Aber zurück zu den Neuigkeiten von Paris. Der Clou dieser letzten zwei Wochen war ganz gewiss die Wiedereröffnung der Samaritaine (9). Obwohl „la Samar‘“, wie sie liebevoll genannt wird, trotz ihrer vier Gebäude das kleinste aller Pariser Warenhäuser ist, war der Andrang in das älteste und schönste Haus riesig. Es liegt direkt am Ufer der Seine, wurde 16 Jahre lang vom Asbest befreit und restauriert. Sein altes Motto, das hier wirklich jedes Kind kennt – „On trouve tout à la Samaritaine“ („Man findet alles bei Samaritaine“) – kann ich nur bestätigen, sobald es sich um Luxusartikel handelt. Hier findet man wirklich alles, das gesamte Erdgeschoss ist ihnen vorbehalten. ErsterStock: Dior, Lanvin, Armani, Gucci etc. für die Damen, mit schwindelerregenden Preisen. Ebenso wie die „Brillen und Juwelen“ im dritten Stock. Dazwischen die Herrenmode. Dann, im fünften Stock, folgt die wunderbare ‚Wandelhalle‘ unter dem gläsernen Dach, bewacht von einem einmaligen Pfauenfresko.

Paris
Voilá, der PfauenfreskoFoto: Marén Berg

Da das zum Komplex gehörende Hotel nebst Restaurant und Terrasse erst am 13. September eröffnen wird, kann ich leider keine Fotos von dem Blick machen. Aber die reizenden jungen Leute, die mich am Eingang in Empfang nehmen und mir strahlend versichern, wie sehr sie sich über meinen Besuch freuen, trösten mich mit dem Hinweis auf die Fotowand. Das ist nun wirklich etwas besonders Schönes! Von einer Design-Lümmelwiese mit herrlich bequemen Polstern kann man genau verfolgen, welches Schiff gerade unten am Haus vorbeifährt und hat auch hier einen einmaligen Blick über die Stadt.

Endlich wieder Kultur in Paris!

Während ich mich dort ausruhe und mich an dem ständig wechselnden Schauspiel erfreue, überschlage ich kurz, was ich in den nächsten Wochen noch alles sehen möchte: das Schloss mit der ökologischen Stiftung von Yann Arthus Bertrand im Bois de Boulogne; den neuen Löwen Volcan im Zoo vom Bois de Vincennes (der drei Löwen-Haremsdamen um sich hat); die umgebaute Bourse de Commerce, auf Arte mit der Stiftung moderner Kunst von Monsieur François Pinault vorgestellt; die Foto-Ausstellung von Henri Cartier-Bresson in der Bibliothek von François Mitterand; das frisch restaurierte fantastische Hotel de la Marine am Place de la Concorde und… Ach, es ist einfach wunderbar, nach diesen unendlich scheinenden Monaten des Lechzens nach Kultur, diese Stadt wieder genießen zu können.

P.S. Zum Abschluss noch etwas Pikantes: Die Diskotheken sind immer noch geschlossen, aber die „établissements libertins“, in denen sich freizügige Erwachsene unter- und miteinander vergnügen können, sind schon seit Monaten wiedereröffnet, da sie als „essenzielle“ (wie Brot und Wein, nicht aber wie Theater und Konzert) eingestuft wurden… Ach, l‘amour!

Zur Autorin:
Marén Berg – Sängerin und leidenschaftliche Europäerin
Marén Berg wurde in Hannover geboren und blieb nach ihrem Sprachstudium in Paris hängen. Dort startete sie ihre Karriere als Chanson-Sängerin. Ihre Mission: Die Verbindung der deutschen mit der französischen Sprache, sie bezeichnet sich selbst als „musikalischen Bindestrich“ zwischen beiden Ländern. 2002 wurde Marén mit der Ehrenmedaille der Fédération des Associations Franco-Allemandes für ihre „Verdienste an der deutsch-französischen Sache“ ausgezeichnet. Neben dem Singen gilt ihre große Leidenschaft dem Reisen. Um diese Leidenschaft mit möglichst vielen Menschen zu teilen, beschreibt Marén seit 2020 ihre schönsten Urlaubserlebnisse im unterhaltsamen Reiseblog https://reisenmit.marenberg.com/

Autorin Marén Berg
Autorin Marén BergFoto: Marén Berg

Adressen:
1)  Musée Carnavalet, 23 Rue de Sévigné, 75003 Paris
2)  Grand Palais Ephémère, Avenue Pierre Loti, 75007 Paris
3)  Musée d’Art Moderne, 11 Avenue du Président Wilson, 75116 Paris,
4)  Musée de Montmartre, 12 Rue Cortot, 75018 Paris
5)  Musée Galliera, 10 Avenue Pierre 1er de Serbie, 75116 Paris
6)  Restaurant RECH, 217 Boulevard Saint-Germain, 75007 Paris
7)  Rooftop-Bar Terrass’ Hôtel, 12-14 Rue Joseph de Maistre, 75018 Paris
8)  Restaurant Ciel de Paris, Tour Maine Montparnasse, 56ème, Avenue du Maine, 75015
9)  La Samaritaine, 9 Rue de la Monnaie, 75001 Paris