11. September 2026, 10:40 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Grund für den ungewöhnlichen Beinamen der Stadt liegt nicht in der Übersetzung – „Los Algodones“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „die Baumwollpflanzen“. Der Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Ort war ursprünglich auf Baumwollwirtschaft ausgerichtet. Doch bald erkannten Zahnärzte die geografischen Vorzüge der Grenzstadt… TRAVELBOOK erzählt die interessante Geschichte der sogenannten „Stadt der Backenzähne“.
Es gibt unter anderem Erholungs-, Kultur- und Abenteuertourismus sowie natürlich Aktiv- und Sporttourismus, und nicht zu vergessen Wellness- und Gesundheitstourismus. Letzterer steht für Aufenthalte, die dem Zweck medizinischer Behandlungen dienen. Wer Probleme mit den Zähnen hat, findet in Los Algodones eine unvergleichliche Dichte an entsprechenden Einrichtungen vor.
Los Algodones ist gepflastert von Zahnärzten
Die Angaben zur Zahl der Zahnärzte und Kliniken in Los Algodones schwanken je nach Quelle deutlich. Das liegt unter anderem daran, dass Anbieter aus der Tourismus- und Dentalbranche unterschiedliche Zahlen und Definitionen verwenden. Häufig ist von mehreren hundert Zahnärzten und mehreren hundert Kliniken die Rede.
Entscheidend ist aber ohnehin weniger die genaue Zahl der Praxen als ihre außergewöhnlich hohe Dichte im Verhältnis zur Größe der Stadt. Eine wissenschaftliche Untersuchung zählte im Jahr 2018 rund 500 Zahnärzte bei damals etwa 6000 Einwohnern. Das verdeutlicht, wie stark die Stadt auf den internationalen Dental-Tourismus ausgerichtet ist.
Wie es zu der hohen Zahnarztdichte kam
Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist die besondere geografische Lage von Los Algodones. Die Stadt liegt im mexikanischen Bundesstaat Baja California unmittelbar an der Grenze zu den USA. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Andrade im Bundesstaat Kalifornien, während die Stadt Yuma im Bundesstaat Arizona nur etwa 15 bis 16 Kilometer entfernt liegt.
In den angrenzenden Regionen der USA leben viele ältere Menschen, von denen einige den Winter als sogenannte „Snowbirds“ im Süden verbringen. Für sie ist Los Algodones besonders einfach zu erreichen: Das Auto kann auf amerikanischer Seite abgestellt werden und nach dem Grenzübertritt lässt sich das Zentrum der Stadt innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichen.
So richtig begann es in den 1980er-Jahren, dass Los Algodones zum Zentrum des Dental-Tourismus wurde. Mexikanische Zahnärzte konnten Behandlungen zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten als vergleichbare Praxen in den USA, während Patienten aus den USA und Kanada keine weite Reise auf sich nehmen mussten. Aus diesem Zusammenspiel entwickelte sich nach und nach ein eigener Wirtschaftszweig. Die hohe Zahl an Zahnarztpraxen ist sozusagen das Ergebnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Nachfrage nach vergleichsweise günstiger Zahnmedizin.
Was ist eigentlich Schlaf-Tourismus?
USA – die schönsten Reiseziele und besten Tipps
Wie viel günstiger sind Zahnbehandlungen in Los Algodones?
Einige Nutzer berichten in Online-Portalen von ihren Erfahrungen in Los Algodones. Auf „Reddit“ schilderte etwa eine Patientin, dass sie für 12 Karies-, zwei Wurzelbehandlungen, zwei Kronen, eine Extraktion und eine Zahnreinigung in Los Algodones rund 2100 US-Dollar zahlte. In den USA hätte sie für die gleichen Maßnahmen nach eigenen Angaben 6000 US-Dollar gezahlt.
Doch es sei nicht nur vergleichsweise günstig gewesen. Die Frau lobte auch den einfühlsamen Umgang des Personals mit ihrer Zahnarztangst, aufgrund derer sie notwendige Behandlungen jahrelang aufgeschoben hatte.
Der Tenor der Erfahrungsberichte ist insgesamt überwiegend positiv. Weitere Nutzer schreiben über teilweise erhebliche Einsparungen bei umfangreichen Zahnbehandlungen. Aber: Es gibt auch kritische Stimmen, die dazu raten, die Wahl der Praxis gut zu prüfen und Bewertungen oder persönliche Empfehlungen heranzuziehen.
Die „Stadt der Backenzähne“ ist auf Touristen vorbereitet
Sagen wir es, wie es ist: Los Algodones ist kein Urlaubsort, an den man sich verirren würde, wenn man nicht gerade wegen einer günstigeren Zahnbehandlung dort ist. Der Ortskern erstreckt sich gerade einmal über etwa drei mal vier Häuserblocks.
Wenn man aber schon einmal für eine Zahnbehandlung da ist, gibt es durchaus Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Das kompakte Zentrum bietet neben den zahlreichen medizinischen Einrichtungen auch kleine Geschäfte, Restaurants und Bars. Und wenn man schon in Mexiko ist, sollte man natürlich auch die lokale Küche ausprobieren – allen voran Quesabirria, also Birria-Tacos. Dabei handelt es sich um zartes Schmorfleisch mit geschmolzenem Käse, das traditionell mit einer würzigen Brühe zum Dippen serviert wird. Das Gericht gehört auch bei „Taste Atlas“ regelmäßig zu den am besten bewerteten Speisen der Welt, im letzten Ranking belegte es Platz 9.