3. August 2026, 15:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
August ist für viele Italiener der wichtigste Urlaubsmonat des Jahres. Doch ausgerechnet jetzt verändert sich das Bild an zahlreichen Küstenabschnitten des Landes. Wo sonst Liegen, Sonnenschirme und Strandbäder dominieren, schaffen Behörden zunehmend wieder freien Zugang zum Meer. Werden die privaten Strandbäder in Italien jetzt abgeschafft?
Abriss statt Badebetrieb in Ostia
Normalerweise herrscht im Sommer dichtes Gedränge in Ostia, dem Stadtstrand von Rom. In diesem Jahr bietet sich an einigen Stellen jedoch ein ungewohntes Bild. Im privaten Strandbad „Shilling“ sind Abrissbagger im Einsatz, Toilettenanlagen werden entfernt, Badegäste sucht man vergeblich.
Das „Shilling“ steht exemplarisch für eine Entwicklung, die derzeit vielerorts an Italiens rund 7500 Kilometer langer Mittelmeerküste zu beobachten ist. Die privaten Strandbäder, die sogenannten Stabilimenti Balneari, prägen seit Jahrzehnten große Teile der Küstenlandschaft. Sie vermieten Sonnenliegen und Schirme und erwirtschaften damit teils erhebliche Einnahmen. Doch immer mehr Kommunen und Behörden stellen infrage, dass der Zugang zum Meer vielerorts faktisch nur gegen Bezahlung möglich ist.
Kritik an hohen Preisen wächst
Offiziell existieren in Italien mehr als 7300 private Strandbäder, tatsächlich dürfte ihre Zahl deutlich höher liegen. Für Urlauber wird der Strandbesuch zunehmend teuer: Für zwei Liegen und einen Sonnenschirm werden in dieser Saison durchschnittlich etwa 40 Euro pro Tag verlangt.
Dabei gehören die Küstenstreifen dem Staat. Nach geltendem Recht muss der Zugang zum Ufer grundsätzlich frei und kostenlos möglich sein. Dennoch ist inzwischen mehr als die Hälfte der Strände privat verpachtet. Der Unmut über diese Entwicklung wächst seit Jahren, nicht nur bei internationalen Gästen. Auch viele Italiener empfinden die Gebühren inzwischen als zu hoch.
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Behörden gehen gegen Absperrungen vor
Zusätzlichen Ärger verursachen Zäune und Mauern, mit denen manche Betreiber den Zugang zum Wasser einschränken. In Ostia geht die Stadtverwaltung von Rom inzwischen konsequent dagegen vor.
Das „Shilling“ wurde wegen Bauvergehen sowie weiterer Vorwürfe gegen den Betreiber beschlagnahmt. Nachdem die Anlage im Winter durch schwere Stürme beschädigt worden war und zu verfallen drohte, läuft nun der Abriss. Auch die benachbarte Anlage „Sporting Beach“ wird entfernt.
Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri plant stattdessen die Einrichtung einer Spiaggia Libera, also eines frei zugänglichen Strandabschnitts. Dem Strandclub „Village“ entzog die Stadt im Zusammenhang mit Mafia-Ermittlungen die Konzession und übergab den Betrieb an eine Genossenschaft.
Kostenloser Zugang soll deutlich ausgeweitet werden
Bislang sind in Ostia lediglich 1,2 Kilometer der insgesamt 11,3 Kilometer langen Küste kostenlos zugänglich. Künftig sollen es 6,5 Kilometer werden. Parallel dazu soll sich die Zahl privater Strandbäder von 70 auf 35 verringern.
Ähnliche Entwicklungen gibt es inzwischen auch in anderen Regionen. Sowohl an der italienischen Riviera in Ligurien als auch in Apulien arbeiten Kommunen daran, weitere Küstenabschnitte wieder kostenlos zugänglich zu machen.
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EU-Vorgaben erhöhen den Druck
Hinter den Veränderungen steckt auch europäisches Recht. Eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2006 schreibt vor, dass staatliche Strandkonzessionen regelmäßig neu ausgeschrieben werden müssen, da es sich um öffentliches Eigentum handelt.
Mehrere italienische Regierungen verschoben die Umsetzung dieser Vorgaben über Jahre hinweg. Ab 2027 sollen die Ausschreibungen nun beginnen. Viele Beobachter erwarten dadurch mehr Wettbewerb und möglicherweise sinkende Preise für Strandurlauber.
Streit um Essen und Getränke am Strand
Für Diskussionen sorgten zuletzt außerdem einige Betreiber in Apulien. Sie wollten Badegästen untersagen, eigene Speisen und Getränke mitzubringen. Als Begründung nannten sie einen möglichen „Imageschaden“.
Der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, reagierte deutlich auf diesen Vorstoß. Angesichts der bereits hohen Kosten für Liegen und Sonnenschirme sei eine solche Forderung nicht nachvollziehbar. Er stellte klar: „Das Meer ist ein Allgemeingut. Es darf nicht zum Luxusgut werden.“
Mit Material von dpa