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Angeblich soll es dort spuken

Dänemarks märchenhaftes Wasserschloss Egeskov hat eine fast 500-jährige Geschichte

Schloss Egeskov
Schloss Egeskov auf der dänischen Insel Fünen blickt zurück auf eine fast 500-jährige Geschichte. Das Gebäude und sein Park sind, obwohl dauerhaft bewohnt, für die Öffentlichkeit zugänglich Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

26. Juli 2025, 7:45 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Auf der dänischen Insel Fünen befindet sich eines der prachtvollsten Schlösser unseres Nachbarlandes. Schloss Egeskov, so sein Name, ist das ganze Jahr über bewohnt, und dennoch für Besucher zugänglich.

Auf Dänemarks drittgrößter Insel Fünen befindet sich, erbaut vor beinahe 500 Jahren, eines der schönsten Schlösser des skandinavischen Staates. Von einem breiten Wassergraben und weitläufigen Parkanlagen umgeben, ist Schloss Egeskov eines der prachtvollsten Gebäude seiner Art unseres Nachbarlandes. Und obwohl es bereits in der 9. Generation von einer adligen Familie das ganze Jahr über bewohnt wird, kann man sowohl das Gebäude als auch seine zahlreichen Sehenswürdigkeiten besuchen. Das dürfte nicht nur für Freunde der Architektur und Geschichte spannend sein, sondern auch für Grusel-Fans. Denn tatsächlich gibt es dort auch Unheimliches zu entdecken.

Lene Pedersen, Pressesprecherin von Schloss Egeskov, erklärt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Der Adlige Frans Brockenhuus, einer der gebildetsten Männer seiner Epoche, ließ das Schloss bis 1554 erbauen. Gedacht war es als Trutzburg, da zu dieser Zeit in Dänemark ein Bürgerkrieg herrschte.“ Das gewaltige Gebäude wurde daher mitten in einem See auf hölzernen Stützpfeilern errichtet. Daher hat es auch seinen Namen, denn „Egeskov“ bedeutet aus dem Dänischen übersetzt „Eichenwald“. Und der Legende nach soll ein gesamter solcher Eichenwald abgeholzt worden sein, um das Schloss erbauen zu können.

Der Geist der „Weißen Frau“

1569 übernahm Brockenhuus‘ Sohn Laurids das Schloss Egeskov von seinem verstorbenen Vater. Mit ihm ist auch eine der düstersten Geschichten verbunden, die sich um den Ort ranken. Denn er selbst sperrte Rigborg, seine eigene Tochter, für mehrere Jahre auf ihrem Zimmer ein, nachdem sie bei einer vorehelichen Liaison mit einem jungen Soldaten vor Schließung der Ehe schwanger geworden war. Heute berichten zahlreiche Medien immer wieder darüber, dass der Geist der jungen Dame angeblich als „Weiße Frau“ auf dem Schloss umgehen soll. Pedersen sagt dazu nur geheimnisvoll: „Was man nicht weiß, kann einem auch nicht schaden. Aber wenn es hier wirklich Geister geben sollte, bleiben die definitiv unter sich.“

In den folgenden Jahrhunderten wechselte Schloss Egeskov mehrfach den Besitzer, bis es 1784 der Landvogt und Geheimrat Henrik Bille erwarb. Dessen Nachfolgen, Graf Michael Ahlefeldt-Laurvig-Bille und Prinzessin Alexandra zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, bewohnen aktuell in der 9. Generation das Schloss. Und bereits in den 1960er Jahren erlebte das Gemäuer seinen wohl größten Wandel. Denn in dieser Zeit machten seine Besitzer es von einer reinen Privatresidenz zu einer frei zugänglichen Attraktion. Seit 1961 kann jedermann die weitläufigen Parkanlagen mit ihren 17 verschiedenen Themengärten besuchen. Seit 1982 ist auch das Schloss selbst für die Öffentlichkeit zugänglich.

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Ein Palast für die Elfen

Schloss Egeskov
Ein Blick aus der Vogelperspektive offenbart erst die Dimensionen des Anwesens rund um Schloss Egeskov Foto: De Agostini via Getty Images

Zu sehen gibt es hier definitiv einiges, weswegen Pedersen Besuchern empfiehlt, mindestens fünf Stunden Zeit mitzubringen. Da wäre zunächst mal Schloss Egeskov an sich, dessen Räume heute zahlreiche Ausstellungen beherbergen. Dort gibt es unter anderem Gegenstände aus dem Schloss-Haushalt, alte Kleider der Burgdamen, eine Jagdtrophäen- und Waffensammlung. Besucher können mittels ihres Smartphones einen digitalen Schlossführer starten, der auf der offiziellen Seite des Ortes abrufbar ist. Und dann ist da noch ein ganz besonders prachtvoller Palast mitten im Schloss.

Gemeint ist ein unglaublich detailverliebtes Puppenhaus, dass der englische Maler Sir Nevile Wilkinson, damals wohnhaft in Irland, von 1907 bis 1922 selbst erbaute. Seine Tochter Guendolen erzählte ihm nämlich eines Tages, sie habe im Garten Elfen gesehen, und wünschte sich für diese ein schönes Zuhause. Heute ist „Titanias Palast“, so sein Name, im Besitz der Lego-Stiftung, und als Leihgabe auf Schloss Egeskov zu bewundern. Und auch noch ein anderes, bizarres Maskottchen spielt in dem dänischen Märchenbau eine wichtige Rolle. Hierbei handelt es sich um ein Wesen, dass Besucher in einem der Türme des Gebäudes „treffen“ können.

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Ein unheimlicher Schutzpatron

Schloss Egeskov
Diese unheimliche Puppe liegt seit unbekannten Zeiten als eine Art Schutzpatron auf einem Dachboden des Schlosses Foto: Ard Jongsma / Egeskov

Gemeint ist eine hölzerne Puppe, die auf ein Kissen gebettet auf einem Turmdachboden liegt. Sie stellt in Lebensgröße einen kleinen Jungen dar und ist so etwas wie ein unheimlicher Schutzgeist des Schloss Egeskov. „Wir nennen sie auch ‚Den Soldaten‘ oder ‚Den Wachmann‘“, so Pedersen. „Niemand weiß genau, wann er hierherkam. Vermutlich aber während Renovierungsarbeiten im 19. Jahrhundert.“ Und diese Puppe hat eine ganz besondere Schutzfunktion, so der Aberglaube im Schloss. Demnach würde das Gebäude an einem Weihnachtsabend zerstört, wenn man sie einst entfernte. „So bleibt sie ein beliebtes Symbol für Egeskovs Geschichte und seinen Geist.“

Wer weniger gruselige Sehenswürdigkeiten bevorzugt, kommt vor allem in den 20 Hektar großen Parkanlagen um Schloss Egeskov auf seine Kosten. Manche der insgesamt sieben Kilometer langen Hecken hier stammen noch aus dem Jahr 1730. Jährlich braucht ein Team von Gärtnern 800 Stunden, um sie zurückzuschneiden. Jede Generation von Eigentümern fügt den Gärten eine ganz persönliche Note hinzu. Diese haben zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem gibt es den Englischen Garten, den Renaissance-Garten und den Garten der Prinzessin, der wiederum mehrere Themengärten umfasst. Auch PS-Fans werden begeistert sein, denn das Schloss beherbergt die größte private Oldtimer-Sammlung in ganz Dänemark.

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Das Schloss als Festival-Kulisse

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Zudem gibt es einen großen Spielplatz und einen Baumwipfelpfad. Jedes Jahr verwandelt sich Schloss Egeskov außerdem in einen einmaligen Schauplatz für Fans von Musik und Kultur, wenn hier das „Heartland Festival“ stattfindet. Seit 2016 treffen sich dann auf dem Gelände zehntausende Feierwütige vor der unvergleichlichen Kulisse für einige Tage. „Über die Jahre hat es sich zu einem von Dänemarks beliebtesten Festivals entwickelt“, so Pedersen. Wer das Schloss nun einmal selbst besuchen möchte, hat dazu das ganze Jahr über täglich Gelegenheit. Da die Öffnungszeiten aber je nach Saison variieren, empfiehlt sich vor einem Besuch der Blick auf die offizielle Webseite.

Auch ist das Schloss selbst nicht das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit zugänglich. Erwachsene zahlen für ein Ticket, welches den Zugang zum Gebäude, den Parks, Spielplatz und den Ausstellungen beinhaltet, aktuell 265 Dänische Kronen. Das sind umgerechnet stolze 35 Euro. Auch Kinder von 4 bis 12 Jahren müssen schon zahlen, hier ist ein Beitrag von 160 DKK fällig, also gut 21 Euro. Preise für Gruppen und Jahreskarten entnehmen Sie bitte ebenfalls der offiziellen Webseite. Pedersen sagt: „Man betritt in Egeskov nicht nur ein Gebäude, sondern ein lebendiges Zuhause mit einer authentischen Atmosphäre.“

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