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Ungewöhnliche Touristenattraktion

Der bizarre Schiffsfriedhof von Hamburg-Blankenese

Schiffsfriedhof
Der Schiffsfriedhof von Blankenese ist eine skurrile Sehenswürdigkeit in der Hansestadt Hamburg. Im Bild zu sehen ist das Schiffswrack der "Uwe" Foto: Getty Images/Westend61
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

17. September 2025, 10:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Das Falkensteiner Ufer im Hamburger Nobelviertel Blankenese ist ein besonderer Anziehungspunkt für Freunde des Dark Tourism. Denn hier liegen, teils bereits seit fast 100 Jahren, mehrere Wracks von gesunkenen Schiffen. Heute sind sie fast so etwas wie ein inoffizielles Wahrzeichen der Hansestadt. Doch immer wieder bringen sich Menschen bei dem Versuch, den Wracks ganz nah zu kommen, in tödliche Gefahr.

Keine Frage, Hamburg ist eine der bei Touristen aus aller Welt beliebtesten Städte in Deutschland. Sehenswürdigkeiten wie der Michel, der Hafen und natürlich auch die Reeperbahn ziehen jedes Jahr unzählige Gäste in die Hansestadt. Doch auch Freunde des Dark Tourism kommen in der Metropole an der Elbe auf ihre Kosten. Denn im Hamburger Ortsteil Blankenese, einem vornehmen Villen-Viertel, gibt es einen kleinen Schiffsfriedhof. Hier liegen, und das nun teils fast seit hundert Jahren, die Wracks von zwei gesunkenen Kähnen auf Grund. Und von diesen geht nicht nur eine Faszination aus, sondern auch eine potenziell sogar tödliche Gefahr.

Der Schiffsfriedhof von Blankenese entstand bereits im Jahr 1926, wie auf der offiziellen Tourismus-Website der Stadt nachzulesen ist. Demnach befand sich der finnische Schoner „Polstjernan“ (eine Bootsart, die Redaktion) mit einer Ladung Holz an Bord auf dem Weg nach England, als er am 20. Oktober 1926 in Brand geriet. Innerhalb von nur wenigen Minuten stand das gesamte Schiff in Flammen. Das Feuer konnte nicht mehr gelöscht werden, und so brachten es Schlepper einer Blankeneser Bergungsfirma schließlich zunächst zur Elbmündung und dann ans Falkensteiner Ufer. Dort kann man seine Überreste noch heute vom Ufer aus sehen. Das Wrack dient nun, mit Steinen und U-Boot-Schrott beschwert, als Wellenbrecher. Und als ungewöhnliche Touristenattraktion.

Das Wrack als Wahrzeichen

Schiffsfriedhof
Der Schiffsfriedhof am Falkensteiner Ufer zählt zu den ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten in Hamburg Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Fast ein inoffizielles Wahrzeichen von Blankenese und seinem Schiffsfriedhof ist das am 19. Dezember 1975 havarierte Binnenschiff „Uwe“. An diesem Tag wurde es Opfer eines verhängnisvollen Unfalls. Der Frachter „Wiedau“ überholte es auf der Elbe, als das polnische Frachtschiff „Mieczyslaw Kalinowski“ plötzlich aus dem Nebel auftauchte. In der Folge rammte er die „Wiedau“, die sich daraufhin wiederum drehte und in den Kurs der „Uwe“ geriet. Dadurch wurde das Hamburger Schiff in zwei Teile geteilt, wobei zwei Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Der Kapitän der „Uwe“ und 16 Mitglieder konnten sich zum Schiffsanleger Wittenbergen retten.

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Berühmt wurde die „Uwe“ dann aber durch den anschließenden, missglückten Bergungsversuch. Denn bei der Bemühung, das Binnenschiff mit Stahlseilen abzuschleppen, zerbrach dieses dem „NDR“ zufolge in drei Teile. Während man den Bug und das Mittelschiff an Land ziehen konnte, blieb das Heck in den Wassern der Elbe stecken. Und so ist es auch heute noch auf dem Schiffsfriedhof von Blankenese zu sehen. Denn tatsächlich wäre die Entfernung des Hecks viel teurer geworden als die Bergungsaktion insgesamt, bei der auch die „Wiedau“ an Land verbracht werden konnte. Zudem entschieden die Blankeneser Bürger, dass sie das Wrack gerne behalten würden.

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Tödliche Gefahr

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Weder die Stadt Hamburg noch die Versicherungen wollten die Kosten für die Bergung des Hecks tragen, und so entschied man sich, das Wrack der „Uwe“ an Ort und Stelle zu belassen. Somit ist es nun bereits seit 1976 eine kleine, aber sehr ungewöhnliche Touristenattraktion. Und tatsächlich befindet sich an einer anderen Stelle in der Hamburger Elbe noch ein zweiter, kleinerer Schiffsfriedhof. Denn an der Moorburger Schanze kann man heute die 1951 gesunkene „Mountbatten“ sehen. Damals havarierte sie bei der Überführung von England nach Deutschland. Besonders: Auf dem 49 Meter langen und acht Meter breiten Schiff wachsen mittlerweile Pflanzen und sogar kleine Bäumchen.

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Ein Sprecher der Hamburg Tourismus GmbH sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Hamburgs Geschichte ist ja seit jeher mit seinem Hafen verbunden. Und der Schiffsfriedhof ist wiederum ein kleiner Teil dieser Geschichte.“ Großes touristisches Marketing-Potenzial sehe man darin aber nicht: „Ich arbeite jetzt seit 16 Jahren hier, und das ist die allererste Anfrage überhaupt zu dem Thema.“ Die Stadt Hamburg bewirbt zwar den Schiffsfriedhof Blankenese auf ihrer Website, warnt aber auch gleichzeitig eindringlich vor der von ihm ausgehenden Gefahr. Denn in der Vergangenheit kam es bereits mehrfach zu tödlichen Unfällen, weil Menschen die Wracks aus dem Wasser betrachten oder sogar zu diesen schwimmen wollten.

Daher auch bei TRAVELBOOK der eindeutige Hinweis: Die Elbe ist kein ausgewiesenes Badegewässer und ihre Strömung an vielen Stellen sehr stark. Das kann auch für geübte Schwimmer lebensgefährlich sein. In der Vergangenheit gab es deshalb auch bereits Stimmen, die die Entfernung der Wracks forderten, um die potenziell tödliche Gefahr zu bannen. „Diese Debatte gibt es aus Sicherheitsgründen immer wieder.“ Andere wiederum sehen die gesunkenen Schiffe als eine Art skurriles Wahrzeichen der Stadt. Und solange es sie gibt, werden sie wohl auch eine Sehenswürdigkeit bleiben.

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