24. März 2026, 13:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
An der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt befand sich zur Zeit der deutschen Teilung der geheimste Ort der ehemaligen DDR. Eine mächtige Bunker-Anlage, die im Falle eines atomaren Angriffs als Kommandozentrale und Schutz für hunderte Angehörige der Nationalen Volksarmee (NVA) dienen sollte. Heute können Besucher im Militär-Museum Kossa einen beklemmenden Blick in die Vergangenheit werfen.
In einem eigentlich unscheinbaren Waldstück in der Dübener Heide, an der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt, findet man den einst geheimsten Ort der ehemaligen DDR. Denn zu Zeiten der deutschen Teilung befand sich hier, metertief unter der Erde, ein System aus Bunkern, das die Führung der Nationalen Volksarmee im Falle eines Atomangriffs schützen sollte. Eine für damalige Standards ultramoderne Kommandozentrale, die hunderten Menschen im Ernstfall Schutz bieten konnte. Heute ist die Anlage ein Museum, das aus einem der düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte erzählt.
„Vielleicht können wir das Vergangene akzeptieren und daraus lernen – für eine bessere Zukunft.“ So steht es auf der offiziellen Seite des Militär-Museums Kossa. Denn seit 2002 ist die ehemalige Bunker-Anlage bei Führungen zu besichtigen. An einem Ort, der jahrzehntelang für die Öffentlichkeit gesperrt war. Doch der Reihe nach: Es ist das Jahr 1976, als die Nationale Volksarmee der ehemaligen DDR mit dem Bau der Bunker-Anlage beginnt. Bereits in den 1960er Jahren hatte man das Gebiet mit der Bezeichnung „Buche“ als militärische Sperrzone deklariert. Auf dem Gelände waren eine Pionier- und eine chemische Werkstatt mit Gerätelager und mehrere Verwaltungsgebäude entstanden.
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Telefon nach Moskau
Etwa 400 Menschen waren dort tätig, Angehörige des Militärs wie Zivilisten gleichermaßen. Bis 1979 entstand, acht Meter tief unter der Erde, ein Bunkersystem, in dem bis zu 600 Soldaten im Verteidigungsfall Schutz hätten suchen können. Die Anlage verfügte für diese glücklicherweise niemals eingetretenen Umstände über autarke Möglichkeiten zur Energie- und Trinkwassergewinnung. Sprichwörtlich bombendicht verschließende Stahlschleusen-Tore konnten jeden der einzelnen Bunker von den anderen abriegeln. In den dicht bewaldeten Hängen der Dübener Heide war der Bau zudem gut versteckt.
Im Bunker-Museum Kossa kann man heute noch einen Teil der Anlage besichtigen. Zu sehen sind unter anderem drei Uhren, die neben der lokalen auch noch die Moskauer Zeit zeigen. Auch alte Technik wie Großrechner und NVA-Uniformen kann man hier bestaunen. Dazu drei Telefone, über die der Bunker direkt mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen konnte. Ein rotes Telefon für Anrufe beim Nationalen Verteidigungsrat, ein grünes zur Regierungs-Standleitung und ein weißes für Telefonate direkt nach Moskau. Zwar gab es in der Anlage einige Stabsübungen, bei denen der Ernstfall geprobt wurde. In vollem „Einsatz“ war sie aber bekanntlich nie.
Die Bunker entdecken
Noch bis 1993 nutzte die Bundeswehr nach der Wiedervereinigung die Anlage, die seit 2002 nun ein Museum ist. Wer hier eine der Führungen mitmachen möchte, zahlt als Erwachsener 15 Euro Eintritt. Die sogenannte „Entdeckertour“ auf eigene Faust kostet 12 Euro. Sämtliche Preise sowie die Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte der offiziellen Website. Insgesamt gibt es fünf Bunker zu entdecken, die gesamte Anlage ist aber noch weitläufiger, weshalb sich ein Tagesbesuch empfiehlt. In den Bunkern herrscht eine Temperatur von maximal 12 Grad Celsius, daher ist warme Kleidung für einen Besuch ratsam.
In der Stadtverwaltung von Laußig, auf deren Gebiet das Militär-Museum Kossa liegt (Kossa ist ein Ortsteil von Laußig, die Redaktion), ist man sehr freundlich, aber auch alles andere als begeistert über den TRAVELBOOK-Anruf. „Das Gelände ist immer noch Sperrgebiet und für die Öffentlichkeit außerhalb der Führungen nicht legal zugänglich“, möchte eine Mitarbeiterin klargestellt wissen. Zu oft würde im Internet über die alten DDR-Bunker geschrieben, und die Anlage unter Freunden des Dark Tourism als Lost Place hochstilisiert. „Wir wünschen uns, dass diese Art von Berichterstattung endlich aufhört.“ Daher hier auch noch einmal bei TRAVELBOOK für alle Leser: Betreten Sie das Gelände auf keinen Fall eigenmächtig, sondern nur während der regulären Öffnungszeiten. Sie tragen damit dazu bei, einen geschichtsträchtigen Ort für alle zu erhalten.