6. Oktober 2025, 7:05 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Riesige Skulpturen, rostige Stahlkonstruktionen und ein Turm, der bei Wind zu schwanken scheint – in Deutschland gibt es Aussichtstürme, die mehr sind als nur eine Plattform mit Fernsicht. Einige überraschen mit kuriosen Formen, andere mit ihrer Geschichte. Ein Überblick über die wohl außergewöhnlichsten Türme im Land.
Übersicht
Ein Hexenbesen im Harz
Im Harz gehören Hexen zu den bekanntesten Sagengestalten. Passend dazu steht seit Kurzem am südlichen Rand des Mittelgebirges ein Aussichtsturm in Form eines überdimensionalen Hexenbesens. Das Bauwerk in Ellrich in Thüringen ist 70 Meter hoch, bringt 452 Tonnen auf die Waage – und trägt laut den Betreibern den Titel des weltweit größten Hexenbesens.
Besucherinnen und Besucher können den Turm besteigen und bei klarer Sicht bis zum Brocken schauen, der nur rund 25 Kilometer entfernt liegt. Wer den Rückweg nicht über die Treppen antreten möchte, kann über zwei Rutschen ins Tal gleiten.
Ein gigantisches Männlein am Tagebau
Zwischen Köln und Aachen erhebt sich eine riesige Metallfigur, die an ein Männlein erinnert: der Indemann. Benannt ist er nach dem „Indeland“, einer Region, die sich nach dem Ende der Braunkohleförderung zu einer Freizeitlandschaft entwickeln soll.
Noch bietet der Blick von oben freie Sicht auf die Grube des Tagebaus Inden. Ab 2030 soll dort ein großer See entstehen. Schon jetzt ist der Indemann jedoch ein beliebtes Ausflugsziel – besonders nachts, wenn mehr als 40.000 LEDs die Figur erstrahlen lassen.
Der „Rostige Nagel“ im Lausitzer Seenland
Im Süden Brandenburgs, zwischen Sedlitzer und Geierswalder See, ragt ein 30 Meter hoher Turm aus Cortenstahl in die Höhe: der „Rostige Nagel“. Mitten in der ruhigen Seenlandschaft wirkt er zunächst wie ein Fremdkörper, doch seine Form ist bewusst gewählt.
Der Name spielt auf die Vergangenheit der Region an, in der einst Braunkohle abgebaut wurde. Heute stehen die gefluteten Tagebaugruben für den Wandel. Von oben eröffnet sich ein weiter Blick über Wasserflächen und Wälder.
Der Wackelturm in Leipzig
Wer den Aussichtsturm im Leipziger Rosental besucht, sollte schwindelfrei sein. Denn an windigen Tagen beginnt er tatsächlich zu schwanken – weshalb ihn die Einheimischen „liebevoll Wackelturm“ nennen, wie das Tourismusbüro der Stadt erklärt.
Mutige Besucherinnen und Besucher werden mit einem Blick über den Park hinweg bis zur Innenstadt belohnt. Markante Bauwerke wie das City-Hochhaus oder der Rathausturm sind von oben gut zu erkennen.
Umstrittene Pläne – hier soll der zweitgrößte See Deutschlands entstehen
Eröffnung von Deutschlands höchstem Holz-Aussichtsturm verschiebt sich
Deutschlands höchste Aussichtsplattform
Von Nahem wirkt er noch imposanter als aus der Ferne: Im baden-württembergischen Rottweil ragt ein riesiger Turm wie ein Bohrer hoch in den Himmel zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald. In der schlichten Betonröhre befinden sich zwölf Aufzugschächte für Tests neuer Systeme für immer höhere und schnellere Aufzüge. Die allerneuste Innovation funktioniert mit Magnettechnik – ohne Seile also. Noch beeindruckender ist allerdings der Ausblick von der Aussichtsplattform in 232 Metern, es ist die höchste in Deutschland.
Der Sonnenstuhlturm bei Würzburg
Seinen Namen verdankt dieser Aussichtspunkt nicht seiner Form, sondern seiner Lage. Der Sonnenstuhl ist eine bekannte Weinlage in Randersacker südlich von Würzburg, mitten in den Reben steht der Turm. Von der etwa sieben Meter hohen Plattform reicht der Blick über die Weinberge und Teile des Maintals.
Das Bauwerk selbst hat eine wechselvolle Geschichte: Ab 1933 wurde es zu Ehren Adolf Hitlers errichtet und trug zunächst dessen Namen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Umbenennung, seit den 1970er Jahren heißt es offiziell Sonnenstuhlturm.

