Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Deutschland Alle Themen
Um ihre Entstehung rankt sich eine Legende

Die einzigartige Felsenkirche von Idar-Oberstein

Felsenkirche
Über der Stadt Idar-Oberstein thront seit fast 600 Jahren eine mächtige Felsenkirche. Um deren Bau rankt ich eine düstere Legende Foto: picture alliance / Zoonar
Artikel teilen
Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

4. September 2025, 11:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Hoch über den Häusern der rheinland-pfälzischen Stadt Idar-Oberstein thront seit dem 15. Jahrhundert ein ganz besonderes Gotteshaus. Eine Felsenkirche, direkt in die steile steinerne Wand einer Erhebung geschlagen. Um die Entstehung dieses besonderen Baus rankt sich eine Legende um Liebe, Eifersucht und Mord. TRAVELBOOK stellt Deutschlands vielleicht ungewöhnlichsten Glaubensort vor.

Hoch über den Dächern des rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein wachen seit Jahrhunderten zwei mächtige Bauwerke über die Stadt. Zum einen ist da die Ruine der Burg Bosselstein, einst Sitz eines mächtigen Adelsgeschlechtes. Noch beeindruckender aber ist eine direkt in die steinerne Steilwand einer 70 Meter hohen Erhebung gehauene Felsenkirche. Sie gilt heute als ein Wahrzeichen des Ortes am Nahe-Fluss. Um ihre Entstehung rankt sich eine Legende, die eines Dramas von Shakespeare würdig wäre.

Dietmar Emanuel Brunk, Leiter der Tourist „Edelsteinland“, einem Zusammenschluss aus der Stadt Idar-Oberstein und der Nationalparkverbandsgemeinde Herrstein/Rhaunen, kennt die Geschichte genau. „Die Felsenkirche wurde in den Jahren 1482 bis 1484 erbaut“, sagt er auf TRAVELBOOK-Anfrage. Auftraggeber war Wyrich zu Daun-Oberstein, welcher damals gemeinsam mit seinem Bruder Emich auf der Burg Bosselstein als Machthaber residierte. „Diese beiden waren tragischerweise in dieselbe Frau verliebt, nämlich Bertha von Lichtenburg. Als Wyrich nun eines Tages aus dem Krieg heimkehrte, fand er heraus, dass sich sein Bruder Emich in der Zwischenzeit mit der schönen Maid verlobt hatte.“ Das löste eine Tragödie aus, die schließlich zum Bau der Felsenkirche führte.

Stilvolle Basics für jede Destination

Herbstmode die in jeden Koffer passt

Die Kirche als Sühne für einen Mord

Felsenkirche
Fast 600 Jahre alt: Die erste Version der Felsenkirche entstand bis 1484 Foto: picture alliance / imageBROKER

Denn Wyrich, rasend vor Eifersucht auf das Glück seines Bruders, stieß diesen in der Folge über den Bergfried der Burg in den Tod. „An der Stelle, wo der Körper aufschlug, ließ er anschließend als Sühne für seine schreckliche Tat eine Kapelle in den Fels bauen.“ Die offizielle Seite der Felsenkirche erzählt eine leicht abgewandelte Variante. Demnach haute der ruhelose Sünder selbst die erste Version des Gotteshauses per Hammer und Meißel in den Stein. Doch seiner göttlichen Strafe entging er damit natürlich trotzdem nicht. So soll er nach Vollendung seines Werkes tot zusammengebrochen sein. Täter und Opfer liegen heute angeblich beide in der Kapelle bestattet. „Der Legende nach wurde Wyrich nach der Fertigstellung von einem Blitz erschlagen“, so Brunk.

Auch interessant: Las Lajas: Die spektakulärste Kirche der Welt in Kolumbien

Den Ort für die Felsenkirche habe Wyrich übrigens auch gewählt, weil dort direkt aus dem Fels eine Quelle sprudelte. Diese ist bis heute in dem Gotteshaus zu sehen und führt noch immer Wasser. Geschichtlich gibt es für die Legende um den Brudermord allerdings keine offiziellen Belege. Allein ist überliefert, dass es innerhalb des Geschlechts von Wyrich und Emich im 14. Jahrhundert einmal zu einer familieninternen Bluttat gekommen ist. Die Schauermär gibt es in mindestens drei Varianten, die zum Teil ähnlichen Geschichten aus dem Umland gleichen. So soll in einer Version der Mord stattgefunden haben, weil der eine Bruder dem anderen als Scherz eine Katze in den Stiefel gesteckt habe.

Sehenswertes und Skurriles

Mapcreator Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Geschichtlich lässt sich ebenfalls belegen, dass die Felsenkirche die Erweiterung zu ihrer heutigen Form wohl um das Jahr 1555 erhalten haben muss. „Sie wurde damals anlässlich des Augsburger Religionsfriedens ausgebaut. Von 1546 bis 1554 war sie sogar für eine kurze Zeit lang katholisch gewesen. Seitdem und bis heute ist die Ausrichtung aber protestantisch.“ Heute ist das Gotteshaus nicht mehr als Kirche an sich in Benutzung, nur ab und zu finden hier noch Trauungen oder Taufen statt. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Aufstieg durchaus schweißtreibend sein kann. 234 Stufen muss man überwinden, wenn man sich das einzigartige Gebäude mit eigenen Augen ansehen möchte. Ein barrierefreies Angebot gibt es nicht.

Zudem kann die Felsenkirche nur bei einer Führung besichtigt werden. „Diese finden im Zeitraum vom 15.03. bis 15.11. täglich mehrmals statt, nämlich um 11 Uhr, 13.30 Uhr und 15 Uhr.“ Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 25 Personen begrenzt, der Eintritt kostet für Erwachsene aktuell fünf Euro. Auf Anfrage sind zudem außerhalb dieser Öffnungszeiten Führungen für fremdsprachige Personen möglich. Diese erfolgt über die offizielle Seite der Touristeninformation. Der ungewöhnliche Name „Edelsteinland“ kommt übrigens daher, dass in der Gegend rund um Idar-Oberstein bereits seit 600 Jahren Steine wie Achat, Amethyst, Jaspis und Bergkristall abgebaut werden.

Auch interessant: Diese Kirche schwebt in fast 800 Metern Höhe über dem Abgrund

In der Felsenkirche selbst gibt es unter anderem ein dreiteiliges Altarbild der sogenannten „Mainzer Schule“ aus dem 14. Jahrhundert zu besichtigen. Auch die Quelle, die in der Sage um den Brudermord eine Rolle spielt, kann man hier sehen. „Es gibt die Idee, das Wasser der Öffentlichkeit als Heilwasser zugänglich zu machen. Aber darüber muss letztlich die Kirchenverwaltung entscheiden.“ Bedeutend ist auch eine Orgel der im Mittelalter in ganz Europa berühmten Familie Stumm. Skurril ist ein in dieser Form natürlich gewachsenes Kreuz aus Achat-Stein. Und schließlich gibt es hoch über den Dächern der Stadt eine kircheneigene Aussichtsplattform, die man nur durch das Gebäude erreicht. „Von hier aus hat man eine einmalige Perspektive auf die Stadt. Das ist schon sehr beeindruckend.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.