7. August 2025, 12:32 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Waren Sie schon einmal auf Sizilien? Dann sind Sie vermutlich geflogen oder mit der Fähre vom italienischen Festland aus angereist. Bald soll es deutlich einfacher werden, nach Messina zu gelangen. Denn eine seit Jahren diskutierte längste Hängebrücke der Welt soll nun endlich gebaut werden können. TRAVELBOOK hat alle Informationen zu diesem Megaprojekt und seiner Bedeutung – nicht zuletzt für die italienische Wirtschaft – für Sie zusammengetragen.
Genehmigung für weltlängste Hängebrücke nach Sizilien ist da
Schon im Römischen Reich hat es Überlegungen gegeben, eine Verbindung zwischen dem italienischen Festland und Sizilien zu schaffen. Seit nunmehr fast 60 Jahren ist sie ein konkreteres Thema. Erstmals im Jahr 1969 hat die italienische Regierung Entwürfe für den Bau einer Hängebrücke zwischen Italien und Sizilien in Auftrag gegeben. Dabei wurde das Projekt nicht nur angestoßen, sondern sogar mehrfach genehmigt, jedoch jedes Mal wieder verworfen. Es bedeutet immerhin enorme technische Herausforderungen und immense Kosten; zudem war die Brücke auf politischer Ebene, nicht zuletzt aufgrund von Umweltbedenken, stets umstritten. Doch nun ist die Genehmigung da, maßgeblich vorangetrieben durch Premierministerin Giorgia Meloni und Infrastrukturminister Matteo Salvini.
Eckdaten zur geplanten Hängebrücke
Die Gesamtlänge der Brücke zwischen der sizilianischen Stadt Messina und Villa San Giovanni in Kalabrien soll fast 3,7 Kilometer betragen. Die Hauptspannweite zwischen den beiden Pylonen, also der Bereich der Brücke, der ohne Zwischenstützen hängt, wird den Bauplänen zufolge beachtliche 3,3 Kilometer messen. Das ist deutlich mehr als bei der Çanakkale-Brücke in der Türkei, die mit einer Hauptspannweite von 1277 Metern bislang den Titel der längsten Hängebrücke der Welt getragen hat. Das italienische Bauunternehmen WeBuild war bereits für den Bau der Çanakkale-Brücke verantwortlich und übernimmt nun auch die Leitung des Baus der Messina-Brücke.
Auch interessant: Neue höchste Brücke der Welt eröffnet im Sommer
In beiden Fahrtrichtungen soll die Brücke über drei Fahrspuren für Autos verfügen, wie aus einer Reuters-Meldung hervorgeht. Somit können laut Aussage von Infrastrukturminister Salvini pro Stunde bis zu 6000 Autos die längste Hängebrücke der Welt passieren und wesentlich schneller vom italienischen Festland nach Sizilien (bzw. umgekehrt) gelangen als vorher. Bislang hat die Überquerung per Fähre rund 100 Minuten gedauert. Die neue Hängebrücke soll die Reisezeit auf zehn Minuten verkürzen.
Zudem soll das Bauwerk dank einer zweigleisigen Bahnstrecke täglich 200 Züge befördern können. Vor der geplanten Hängebrücke mussten Züge zwischen Sizilien und dem italienischen Festland ebenfalls eine Fähre nutzen: Sie wurden auf spezielle Fährschiffe verladen und übersetzt. Das war kompliziert und konnte rund 2,5 Stunden in Anspruch nehmen. Die neue Transportlösung könnte die Fahrt auf rund 15 Minuten verkürzen.
China hat jetzt die längste Meeresbrücke der Welt
Unter der Ostsee entsteht der längste Eisenbahn- und Autotunnel der Welt
Bedeutung der Hängebrücke nach Sizilien
Langfristig soll die Hängebrücke nach Sizilien dabei helfen, den CO₂-Ausstoß zu verringern, indem sie einen Teil des Fährverkehrs ersetzt und somit einen umweltfreundlicheren Transportweg bietet. Das Projekt gilt als bedeutsam für die Entwicklung Süditaliens und ist Teil eines größeren Plans zur Förderung der regionalen Wirtschaft. Es soll Arbeitsplätze schaffen und die Infrastruktur verbessern. Die Brücke ist als wichtige Verbindung im EU-weiten Verkehrsnetz gedacht und soll Berlin direkt mit Palermo auf dem Landweg verbinden. Für die Logistik bedeutet dies schnellere und zuverlässigere Transporte.
Darüber hinaus soll die Brücke beispielsweise für militärische Einsätze der NATO genutzt werden. Laut der italienischen Regierung stellt sie eine „sicherheitsrelevante Infrastruktur“ dar – diese Einstufung dient der politischen und finanziellen Absicherung des Projekts. Laut Reuters-Informationen wurden dafür in den kommenden zehn Jahren 13,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Zur Erinnerung: Auf Druck von US-Präsident Donald Trump haben sich die NATO-Staaten dazu verpflichtet, bis 2035 mindestens 3,5 Prozent ihres BIP für Verteidigung und 1,5 Prozent für militärisch nutzbare Infrastruktur auszugeben. Der Bau der Brücke kann somit auf die NATO-Vorgaben angerechnet werden, was der Regierung hilft, diese Auflagen zu erfüllen, ohne ein zusätzliches Militärbudget aufbringen zu müssen.
Bedenken bleiben
Sicherheitsexperten warnen, dass die Region um die Straße von Messina zu den erdbebenaktivsten Zonen Europas gehört. Denn dort treffen die Erdplatten aufeinander – diese Konstellation hat in der Vergangenheit bereits schwere Erdbeben ausgelöst. WeBuild will diese Bedenken jedoch ausräumen können. Auf seiner Website beschreibt das Unternehmen Hängebrücken als aus statischer Sicht wenig anfällig für Erdbebenkräfte. Als Belege dafür werden erfolgreiche Errichtungen dieser Verkehrswege in besonders erdbebengefährdeten Gebieten wie Japan, der Türkei und Kalifornien angeführt.
Wann der Bau beginnen kann, ist noch unklar
Laut der Reuters-Meldung ist der Baubeginn für die zweite Hälfte des laufenden Jahres geplant. Das ist wenig konkret – wir befinden uns längst in diesem Zeitfenster. Zwar hat am 6. August 2025 der Interministerielle Ausschuss für Wirtschaftspolitik (CIPESS) das Projekt genehmigt. Doch nun muss noch die italienische Staatsrechnungskammer (Corte dei Conti) den Plan prüfen, und bis dieser Prozess abgeschlossen ist, können noch einige Wochen vergehen. Es dürfen bereits etwa archäologische und geologische Untersuchungen beginnen, jedoch noch keine Bauarbeiten.

