9. Februar 2026, 14:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Angesichts des zunehmenden Fehlverhaltens von Touristen und Bedenken der Anwohner, findet das alljährliche Kirschblütenfest im Arakurayama-Sengen-Park in Japan in diesem Jahr nicht statt. Die Infos.
Das malerische Bild der zuckerwattenrosa Kirschblüten vor dem schneebedeckten Mount Fuji haben Sie sicherlich selbst bereits etliche Male gesehen. Soziale Medien verbreiten es zuhauf. Entsprechend viele Reiselisten führen einen Eintrag zur Kirschblüte oder dem Kirschblütenfest im Arakurayama-Sengen-Park. Gekoppelt mit dem schwachen Yen dürften sich entsprechend viele Touristen in der Frühlingszeit in der Stadt Fujiyoshida der Präfektur Yamanashi und ihrer Umgebung tummeln. Zu viele, wie die Behörden der rund 50.000-Einwohner-Stadt befürchten, die Anfang Februar eine drastische Entscheidung trafen: Das traditionelle Kirschblütenfest fällt in diesem Jahr trotz der Besuchermassen aus. Oder auch deswegen.
Übersicht
3 Stunden Wartezeit für ein Foto
Das Kirschblütenfest im Arakurayama-Sengen-Park nahe des weltberühmten Mount Fuji findet seit zehn Jahren regelmäßig statt und wird von der Stadtverwaltung Fujiyoshidas veranstaltet. 200.000 Besucher nehmen im Schnitt jährlich an dieser japanischen Frühlingstradition im zentralen Osten des Landes teil.
Besonders die Aussichtsplattform des Parks ist zur Zeit der Kirschblüte ein vielfach angesteuertes Ziel. Von dort kann man das ersehnte Foto des Mount Fuji im Hintergrund der zartrosa Blüten und der Chureito-Pagode schießen. Sie haben das mit Sicherheit schon einmal gesehen, kursieren unzählige dieser Bilder in den sozialen Medien. In diesem Jahr müssen Besucher, die zur Blütezeit nach Fujiyoshida reisen, dort mit einer Wartezeit von drei Stunden rechnen, schreibt „Euronews“.
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Kot, Müll und geschubste Kinder
Angesichts zunehmender Touristenzahlen in Japan ist die schiere Masse an Besuchern eine große Sorge der Stadtverwaltung von Fujiyoshida, ist die Stadt damit schlicht überfordert. Das Benehmen jener, die kommen, scheint jedoch eine noch größere zu sein. So schreibt etwa die Tageszeitung „The Straits Times“ aus Singapur, die große Beliebtheit habe zu unerwünschten Verhaltensweisen geführt, „die mit den Schattenseiten des Übertourismus zusammenhängen“ und die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtigen.
So seien in der Vergangenheit Touristen in Häuser von Anwohnern eingedrungen, um deren Toiletten zu nutzen. Andere hätten sich sogar direkt in den privaten Gärten erleichtert – und wir sprechen hier nicht vom kleinen Geschäft. Hinzu kämen Verschmutzung durch weggeworfene Zigarettenkippen auf Privatgrundstücken und anderer Müll. Auch besorgte Eltern hätten sich beschwert, weil ihre Kinder in den unkontrollierten Menschenmassen von den Gehwegen nahe der Schulen geschubst worden seien, berichtet die Zeitung und beruft sich dabei auf Aussagen der Stadtverwaltung.
„Für die Stadt Fujiyoshida ist der Berg Fuji nicht nur eine Touristenattraktion; er ist unsere Lebensgrundlage. Ich verspüre jedoch eine tiefe Besorgnis angesichts der Realität, dass hinter der wunderschönen Landschaft das ruhige Leben und die Würde unserer Einwohner bedroht sind“, zitiert „The Straits Times“ den Bürgermeister Fujiyoshidas, Shigeru Horiuchi. Gleichzeitig sei sein langfristiges Ziel, „Fujiyoshida in eine nachhaltige Tourismusstadt zu verwandeln, auf die die Einwohner stolz sein und in der sie mit den Touristen zusammenleben können“, schreibt die Zeitung.
Besucher um angemessenes Verhalten gebeten
Mit der Absage des Kirschblütenfests will man die Touristenzahlen eindämmen und die Bewohner schützen. Mit einem großen Andrang rechnen die Behörden jedoch trotz der Absage. Deshalb sind zur Blütezeit zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen sowie mobile Toiletten geplant. Außerdem bittet die Stadtverwaltung Besucher, öffentliche Verkehrsmittel statt eigener Fahrzeuge zu nutzen und sich von den Wohngebieten fernzuhalten. Außerdem sollten Besucher nicht unbefugt Fotos machen. Dass sie für ihre Notdurft Toiletten nutzen und nicht private Gärten, sollte eigentlich selbstverständlich sein.