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Neu-Seeland

Die größte künstliche Seenlandschaft Europas entsteht in Deutschland

Lausitzer Seen
Wo früher Braunkohle-Tagebauten die Landschaft zerstörten, entsteht nun schon seit einigen Jahrzehnten die größte von Menschenhand geschaffene Seenlandschaft Europas Foto: picture alliance / imageBROKER | Holger Weitzel
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

31. März 2026, 10:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

In der Lausitz zwischen Brandenburg und Sachsen entsteht seit einigen Jahrzehnten mit der Lausitzer Seenlandschaft ein wahres Mega-Projekt: Alte Braunkohle-Tagebauten werden umgewandelt zur größten künstlichen Seenkette Europas. Mitunter wird die Region daher sogar als Neu-Seeland bezeichnet. Im Sommer folgt dafür der nächste Meilenstein.

Nur 140 Kilometer entfernt von der Millionenmetropole Berlin erstreckt sich über die Bundesländer Brandenburg und Sachsen ein einzigartiges, aber kaum bekanntes Naturparadies. Das heißt, ein solches soll es eines Tages werden, denn noch und seit Jahrzehnten bereits ist es in der Entstehung und Werdung begriffen. Die Rede ist von einer riesigen Region namens Lausitzer Seenlandschaft, mitunter auch, in Anlehnung an eine hier verortete Gemeinde, als Neu-Seeland bezeichnet. Es handelt sich dabei um nicht weniger als die größte künstliche Seenlandkette Europas, die hier durch ein erstaunliches Renaturierungsprojekt wächst.

Laut der offiziellen Seite der Lausitzer Seenlandschaft ist diese mehr als 14.800 Hektar groß. Sie erstreckt sich aktuell über 25 Seen, die jeweils größer als 100 Hektar sind. Zehn davon sollen künftig über Kanäle für die Freizeitsschifffahrt miteinander verbunden sein, immerhin eine dann befahrbare Fläche von 7000 Hektar. Schon in diesem Sommer soll ein Teil davo umgesetzt sein. „Am 29. Juni verschmelzen die aus gefluteten Tagebauen entstandenen Seen Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Großräschener See durch schiffbare Kanäle zu einem gemeinsamen Verbund“, teilt der Tourismusverband Lausitzer Seenland mit. Man kann die Seen dann allesamt befahren, ohne sein Boot dafür umsetzen zu müssen. Eine komplette Runde auf dem Wasser ist etwa 50 Kilometer lang. 

Ein erstaunlicher Wandel in einer Landschaft, die über 150 Jahre lang der Tagebau prägte. Mehr als zwei Milliarden Tonnen Braunkohle holte man hier aus Tiefen von 60 Metern und mehr, was gewaltige Krater in der Landschaft hinterließ. Und genau diese Wunden wandelt man nun bereits seit 1967 in Seen um.

Der Tourismus boomt

Boote liegen am Ufer des Geierswalder Sees vor Anker. Der Wassersport soll die Region schon bald so beliebt machen wie den Spreewald
Boote liegen am Ufer des Geierswalder Sees vor Anker. Der Wassersport soll die Region schon bald so beliebt machen wie den Spreewald Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Die Geschichte der Lausitzer Seenlandschaft oder Neu-Seeland beginnt in diesem Jahr. Damals wird der Senftenberger See als der erste in einer Kette geflutet, die heute die größte künstliche Seenlandschaft in ganz Europa bildet. In vielen Orten entstanden in der Folge neue Häfen, Marinas, Campingplätze, Ferienhäuser. Sie bescherten der Region einen Tourismus, der aktuell immer weiter boomt. Die Verantwortung für diese Sanierung und Wiedernutzbarmachung trägt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Neben dem Wassersport sind auch touristische Angebote für Radfahrer mittlerweile gut ausgebaut. So gibt es unter anderem die 191 Kilometer lange Seenland-Route.

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Neben den Gewässern von Neu-Seeland sind es auch Industriedenkmäler wie der alte Tagebau F60, heute ein Besucherwerk, die Touristen anziehen. Sportveranstaltungen, Events, Hafenfeste und regionale Feierlichkeiten locken mittlerweile Besucher von nah und fern. Und diese Bemühungen machen sich bemerkbar. So verzeichnete die Region 2024 mit insgesamt 931.057 Übernachtungen ein Plus von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und man will weiter wachsen. Vor Ort traut man sich sogar zu, es an touristischem Potenzial in fünf, spätestens aber zehn Jahren, mit dem Spreewald aufnehmen zu können. Seit 2003 setzt man hier voll auf den Ökotourismus rund um das Wasser.

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Bei ihrem Wachstum hilft der größten künstlichen Seenlandschaft Europas auch ihre gute Erreichbarkeit. Mit dem Auto kommt man über die A13 von Dresden, die A13 von Berlin, die A15 von Cottbus und die A4 von Görlitz nach Neu-Seeland. Die Deutsche Bahn steuert zahlreiche Bahnhöfe an, die in dem insgesamt 2300 Quadratkilometer großen Gebiet mit seinen nur 193.000 Einwohnern liegen. Und mit dem Flieger kommt man zumindest in die Nähe. Entweder nach Berlin oder das nur 60 Kilometer entfernte Dresden. Zu den Gewässern zählen unter anderem der Senftenberger See, der Geierswalder See und der Partwitzer See, um nur einige zu nennen. Ersterer hat eine Gesamtfläche von sieben Kilometern Strand.

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Segeln, Windsurfen, Kitesurfen, Stand-up-Paddeln und Foilsurfen, Kanus, Kajaks oder Tretboote: Das alles bietet Neu-Seeland seinen Gästen. Am Halbendorfer See gibt es eine Strecke für Wasserski und Wakeboards. Surf- und Segelschulen sowie Bootsverleihe findet man an mehreren der Gewässer. Senftenberger, Geierswalder und Bärwalder See verfügen über Marinas mit Liegeplätzen. Seit 2012 betreut der Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. die einzigartige Region. Hier sind aktuell mehr als 30 Gemeinden Mitglied. Das Ziel: Langfristig auf bis zu 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr zu kommen.

„Die Nachfrage ist sehr hoch“

Katja Wersch, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. sagt im TRAVELBOOK-Gespräch: „Alles begann ja mit dem Senftenberger See, aber bereits damals gab es Pläne, die entstehenden Gewässer miteinander zu verbinden. Zur Wendezeit stellte sich dann wiederum die Frage, wie es mit den alten Kohlegruben weitergehen sollte.“ Man entschied sich in Zusammenarbeit mit der LMBV, einem Betrieb des Bundes, diese zu fluten und die riesigen Areale dadurch zu sanieren und zu rekultivieren. Neben den 25 Seen über 100 Hektar Größe gebe es in Neu-Seeland auch noch zahlreiche kleinere Gewässer, die nicht für den Tourismus vorgesehen seien.

„Auch einige unserer größeren Seen bleiben dem Naturschutz vorbehalten.“ Für Ende Juli 2026 plant man aktuell einen Meilenstein, die Verbindung von fünf der großen Seen über Kanäle, und damit die Freigabe für touristische Zwecke. „Aktuell müssen wir aber noch in einigen Gewässern Totholz beräumen, die Kanäle müssen für die Schifffahrt entsprechend beschildert werden.“ Ein richtiger Endpunkt sei für das Großprojekt nicht vorgesehen, denn es müsse immer wieder den Gegebenheiten angepasst werden. „Es gibt immer noch einige aktive Tagebauten in der Region, die später vielleicht auch einmal zu Seen werden.“

Aktuell gewinne man aber jedes Jahr weiter Unterkünfte oder Attraktionen in Neu-Seeland hinzu. So sei zum Beispiel am Geierswalder See ein neues Ferien-Resort geplant. Perspektivisch möchte man in den 2030er Jahren dann einmal bis zu zehn der Gewässer über Kanäle miteinander verbunden haben. Den Spreewald sehe man im Übrigen nicht als Konkurrenz, „das übergeordnete Thema ist ja Wasser.“ Touristen von dort kämen häufig auch ins Lausitzer Seenland und umgekehrt. Und überhaupt sei man vor Ort jetzt schon sehr zufrieden: „Im Sommer könnten wir unsere Unterkünfte zum Teil quasi doppelt belegen. Die Nachfrage ist sehr hoch.“

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