27. Juli 2026, 13:15 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der schönste Park im Land? In Italien ist es der mehrfach preisgekrönte Parco Giardino Sigurtà in Valleggio sul Mincio, unweit vom Gardasee gelegen. TRAVELBOOK-Autorin Alexandra Cavelius hat ihn besucht.
In ganz Europa zählt diese kunstvoll angelegte Gartenanlage zu einer der schönsten. Kein Wunder also, dass dieses einzigartige Pflanzen-Paradies bereits Millionen von Besuchern angezogen hat. Wer nicht gut zu Fuß ist oder auf entspannte Weise seinen Spaß haben will, nimmt die Bimmelbahn oder mietet sich neben der Kasse ein Fahrrad, um das 60 Hektar große Gelände zu erkunden. Oder, wie unsere Autorin, ein E-Golfmobil.
Los geht’s in eine blühende Welt, die sich beständig wandelt. Durchs Eingangstor, neben einer privaten Renaissance-Villa, rollt das Golfmobil leise auf breiten Pfaden in einen Park hinein, dessen Geschichte über 600 Jahre zurückreicht. Zuletzt wandelte die Industriellenfamilie Sigurtà die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche ab 1941 in einen öffentlichen Park um, im Stil englischer Landschaftsgärten. Ein Denkmal erinnert an den Grafen – mit angebrachter Sonnenuhr, ausgelegt auf 26.000 Jahre, ein Symbol für Zeit und Vision.
Ein Park mit immer neuen Welten
Ein angenehmer Wind weht einem am Lenkrad um die Nase, während der Golfkarren am Berg schwitzende Fußgänger überholt. Vorbei an plätschernden Fontanellen, Brunnen und monumentalen Baumwänden zeigen sich im Park immer neue Welten. Beschattete Wege öffnen sich zu weiten, lichtdurchfluteten Wiesen, auf denen Kiefern wie Säulen emporragen. Immer wieder wuseln Gärtner, bearbeiten hier und da kunstvoll Buchsbäume mit der Schere in der Hand. „Mit mehr als 40.000 katalogisierten Buchsbaumexemplaren“ eine der „weltweit größten Sammlungen dieser Art“, informiert die elektronische Stimme am Display die Fahrenden automatisch über die Sehenswürdigkeiten.
Wo auch der Blick hinwandert, staunt der Besucher aufs Neue über die zahlreich und fantasievoll angelegten Details. Hier ein kleines Schloss, da verschlungene Geheimpfade im Wald, dort zwischen sanften Hügeln glitzernde Teiche mit Koikarpfen und Teichrosen in allen Farben. Besonders Kinder freuen sich über einen Streichelzoo, grasende Ziegen oder Hirsche.
Ein riesiges Labyrinth
Um die Ecke ein Labyrinth, in dem manch einer verzweifelt um Hilfe bittet: „Wo geht es lang?“ Die Gäste, die oben auf der Plattform den Überblick haben, amüsieren sich darüber. Nicht so einfach auf 2500 Quadratmetern, zwischen hohen Eibenhecken, durch die Irrwege wieder hinauszufinden.
Wer auf seiner Fahrt mal eine Pause einlegen will, findet immer wieder kleine Parkbuchten, Bänke und Cafés. Das unbestrittene Highlight aber ist die berühmte Rosenallee, gesäumt zu beiden Seiten von über 30.000 prächtig blühenden Rosen. Begeisterte Rufe wie „Wow!“ hört man hinter dem nächsten Hügel. So gefangen nimmt die Besucher der Blick auf das mittelalterliche Castello Scaligero, auf das man sich hier fast einen Kilometer lang zubewegt. Die Perspektive ist so raffiniert gewählt, dass die Scaligerburg wie ein Teil des Parks wirkt.
Von hier oben am Berg hat man auch einen weiten Blick auf Borghetto, das malerisch gelegene Tal der Wassermühlen. Unten windet sich der Mincio, über den die imposante und berühmte Visconti-Brücke aus dem 14. Jahrhundert führt.
Mein Fazit: Der Parco Giardino Sigurtà ist ein wunderbarer Park, in dem Natur, Geschichte und Kunst wie selbstverständlich ineinander übergehen. Wer Ruhe, Schönheit oder Inspiration sucht, ist hier genau richtig. Nach einer etwa zweistündigen Rundfahrt wünscht die Stimme am Display „Auf Wiedersehen“, denn „jede Jahreszeit schenkt neue Farben und Emotionen!“