10. März 2026, 12:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Vor der Küste Mallorca wird ein antikes Schiffswrack aus dem 4. Jahrhundert geborgen. Alle Infos zu dem Sensationsfund hier bei TRAVELBOOK.
Sieben Jahre ist es her, dass ein einheimischer Taucher das Schiffswrack von Ses Fontanelles entdeckte, heute (10. März 2026) beginnen die Bergungsarbeiten vor Mallorca. Das Wrack soll hier, rund 65 Meter vor der mallorquinischen Küste bei Can Pastilla in etwa zweieinhalb Metern Tiefe, bereits seit gut 1700 Jahren liegen. In einer aufwendigen Aktion soll das römische Handelsschiff in den kommenden Monaten Stück für Stück an Land geholt und schließlich restauriert werden.
Schiffswrack gut erhalten
Das rund zwölf Meter lange und sechs Meter breite Schiffswrack ist nach Angaben der Onlineplattform Viator Imperi nicht nur „einer der außergewöhnlichsten Funde der europäischen Unterwasserarchäologie“, es ist auch erstaunlich gut erhalten für seine rund 1700-jährige Geschichte unter Wasser. Seine Struktur soll fast vollständig vorhanden sein. Viator Imperi führt das auf den „sauerstoffarmen, sandigen Meeresboden, der es über Jahrhunderte geschützt hatte“ zurück.
Nach seiner zufälligen Entdeckung im Jahr 2019 gab es verschiedene archäologische Untersuchungen an dem Schiffswrack vor Mallorca, koordiniert vom Projekt „Arqueomallornauta“. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt des Consell de Mallorca sowie der Universitäten der Balearen, Barcelona und Cádiz.
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Wrack von Ses Fontanelles war römisches Handelsschiff
Nach aktuellem Forschungsstand war das Schiffswrack von Ses Fontanelles Teil des Handelsnetzes des Römischen Reichs, „das die spanischen Provinzmärkte mit den wichtigsten urbanen Zentren des westlichen Roms verband“, wie die Kulturplattform schreibt. Ursprünglich stammt es demnach aus der Region Carthago Spartaria, dem heutigen Cartagena. Laut der Plattform ist das Schiffswrack von Ses Fontanelles das „erste bekannte römische Schiff mit Ladung aus dieser Region (…), das im Mittelmeer gesunken ist.“
Bei den bisherigen Untersuchungen am Schiffswrack vor Mallorca fanden die Forscher unter anderem eine römische Münze aus Siscia (heute Sisak in Kroatien), die sie den Kaisern Konstantin (circa 280 bis 337) oder Licinius I. (circa 265 bis 325) zuschreiben. Die Münze legt demnach eine Datierung des Schiffswracks auf etwa 320 n. Chr. nahe. Die Münze war jedoch nicht der einzige spektakuläre Fund. Geborgen wurden laut Viator Imperi auch „eine volle Ladung Amphoren mit Wein, Öl und Fischsaucen aus dem südöstlichen Hispanien“. Mehr als 300 dieser speziellen Tongefäße lagen im Schiffsrumpf. Etliche von ihnen versiegelt und mit Inschriften versehen, die Informationen zur Herkunft sowie zu den Handelspraktiken des 4. Jahrhunderts n. Christus enthalten. Neben den Amphoren gehören auch zwei Schuhe, ein Bogenbohrer sowie Seile und Reste von Pflanzen zu den Fundstücken.
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Bergung in Einzelteilen
Nach umfangreichen Vorbereitungen und Untersuchungen unter Wasser startet jetzt die eigentliche Bergung des Wracks. An dieser sind etliche Taucher, Historiker und Archäologen beteiligt. Nach Angaben des „Mallorca Magazins“ sollen die Bergungsarbeiten je nach Wetterlage bis zu vier Monate dauern. Wer in den Sommerferien nach Mallorca kommt, dürfte vor Ort ein Feldlager für die Fachleute entdecken. Daneben sollen Schilder Interessierte mittels QR-Code auf eine Informationsseite leiten. Diese informiert über das Geschehen und beinhaltet auch einen Dokumentarfilm.
Das Schiff wird laut „Mallorca Magazin“ in mehrere Teile zerlegt geborgen. Ursprünglich wollte man es in einem Stück bergen, dank des fehlenden Kiehls erwies sich das jedoch als zu unsicher. Sobald die einzelnen Schiffsteile an Land sind, sollen sie ins Castillo de San Carlos bei Portopí transportiert und dort in einem Entsalzungsbecken stabilisiert werden. Nach einigen Monaten folgt die Restaurierung des Schiffswracks. Laut Viator Imperi ist eine spätere Ausstellung des restaurierten Schiffswracks im Museum von Mallorca geplant. Andere Quellen, wie etwa „T-online“, geben an, dass der Ort, an dem Besucher das römische Schiffswrack schließlich zu sehen kriegen, bislang nicht feststeht.