19. August 2026, 11:31 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Im Schweizer Kanton Obwalden kann man ab Engelberg mit einer ganz besonderen Attraktion auf den Hausberg Titlis fahren. Nämlich mit der Rotair-Gondel, die hier bereits seit 1992 verkehrt und sich während der Fahrt um 360 Grad dreht. Und auch für die Zukunft plant man hier schon.
Wer in der Schweizer Gemeinde Engelberg im Kanton Obwalden ganz hoch hinaus will, den zieht es unweigerlich auf den Hausberg Titlis. 3238 Meter über dem Meeresspiegel thront er über der Landschaft und ist bereits seit mehr als einem Jahrhundert Sehnsuchtsziel von Fans des Alpinismus. Schon früh gab es daher rund um den Gipfel erstaunliche Pionierleistungen, so verkehrte hier bereits ab 1927 die erste Luftseilbahn der Schweiz. Doch seit 1992 gibt es hier eine Attraktion, die Gästen sprichwörtlich den Atem rauben dürfte. Denn seitdem kann man den Gipfel in der sogenannten Rotair-Gondel erreichen, die bei der (relativ kurzen) Fahrt um 360 Grad rotiert. Ganz günstig ist das exklusive Vergnügen allerdings nicht.
Die Geschichte der Erschließung des Titlis beginnt laut der offiziellen touristischen Website 1912. In diesem Jahr gründet sich die „Drahtseilbahn Engelberg-Gerschnialp DEG AG“. Der Tourismus mit dem Wintersport boomt und man möchte den Gästen aus aller Welt auch den Berg zugänglich machen. Schon damals gab es in Engelberg ein Vorzeigeprojekt, so hat man die mit dreieinhalb Kilometern längste Bobbahn auf der ganzen Welt. Im Januar 1913 fährt die erste Drahtseilbahn Gäste von Engelberg auf die Gerschnialp und damit auf eine Höhe von gut 1260 Metern. Doch der nächste Rekord der Rotair-Vordenker soll schon bald folgen.
Erste Luftseilbahn der Schweiz
1927 nämlich erreicht man in Engelberg Historisches, als im Dezember die allererste Luftseilbahn der Schweiz ihren Betrieb hier aufnimmt. Sie fährt von der Gerschnialp bis nach Trübsee, mit 1763 Metern noch einmal deutlich höher gelegen. Doch das langfristige Ziel ist wohl schon damals klar. Letztlich soll es auf den Titlis gehen, wo sich heute tatsächlich in 3020 Metern Höhe die Bergstation der Rotair-Gondel befindet. Bereits in den 1930er Jahren kommt man aber in Engelberg auf eine geniale Idee, wie man die Wintersportsaison verlängern kann. Man veranstaltet einfach an Ostern ein Ski-Abfahrtsrennen vom Gipfel des Titlis bis zum Trübsee. Damals mussten die Teilnehmer noch zu Fuß von Trübsee auf den Berg.
Auch interessant: Der skurrile Sarglift in den italienischen Dolomiten
1938 fanden ob dieser Idee sogar die FIS-Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Engelberg statt. In der Folge wird der Ort auch international immer bekannter und Stars geben sich bald hier die Klinke in die Hand. Audrey Hepburn kommt genauso gerne wie Sophia Loren. Auch der spätere Papst Johannes XXIII. macht hier Station, genauso wie die spätere indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi. Im März 1967 eröffnet dann nach fünfjährigen Bauarbeiten die erste Bahn auf den Titlis, was damals eine beachtliche Pionierleistung darstellt. Nicht einmal zwei Jahre später befördert sie bereits ihren millionsten Fahrgast. Bis zur Erfindung der rotierenden Rotair-Gondel soll es aber noch 25 Jahre dauern.
Die einzigartige CabriO-Bahn am Schweizer Stanserhorn
Die 5 Skigebiete in den Alpen mit der größten Höhendifferenz
Teures Vergnügen
1992 ist es dann so weit und wieder stellt man in Engelberg einen Superlativ auf. Die Rotair ist die weltweit erste Gondel, die während der Fahrt um 360 Grad rotiert. Inspiriert ist sie übrigens von einem Restaurant in Saas-Fee, welches sich ebenfalls um die eigene Achse drehen kann. Die Auffahrt zum Titlis beginnt im Tal, von wo aus es zunächst über den Trübsee zur Mittelstation Stand geht. Dort steigt man dann in die Rotair-Gondel um und genießt das Panorama während der mit fünf Minuten eher kurzen Fahrt.
Auch interessant: Die einzigartige CabriO-Bahn am Stanserhorn
Der Preis für die Fahrt ist mindestens so schwindelerregend wie die spektakulären Aussichten. Das Ticket für eine Berg- und Talfahrt kostet aktuell 121 Schweizer Franken, das sind knapp 129 Euro. Dabei inklusive sind dann aber immerhin ein Besuch der am Gipfel befindlichen Gletscher-Grotte sowie des Cliff Walk, der höchstgelegenen Hängebrücke Europas.
Auch in Italien gibt es eine Dreh-Gondel
Mit dem „Projekt Titlis“ soll bis 2029 auch ein umfassender Um- und Neubau an der Bergstation abgeschlossen sein. Das renommierte Architekturbüro Herzog & de Meuron baut hier für 150 Millionen Schweizer Franken (knapp 160 Millionen Euro) den bereits am 1. Juni 2026 eröffneten Aussichtsturm „Titlis Tower“ sowie eine neue, vollverglaste Seilbahnstation. Einmal oben, transportiert dann der Sessellift „Ice Flyer“ die Gäste zu den Skipisten, die vom Gipfel aus verlaufen. Respektive im Sommer auch zum Gletscherpark, wo man zum Beispiel in Gummireifen sitzend oder auf Schlitten die Hänge hinuntersausen kann.
Auch interessant: Dresden hat die älteste Bergschwebebahn der Welt
Es mag kaum überraschen, dass ein so spektakuläres Erlebnis wie mit der Rotair-Gondel längst weltweit nicht mehr einzigartig ist. So kann man heute auch in Italien, am Gardasee, auf den berühmten Monte Baldo mit einer sich drehenden Bahn auffahren. Zunächst einmal geht es hier von Malcesine im Tal bis zur Zwischenstation San Michele, wo man dann in die rotierende Kabine zum Gipfel steigt. Diese kann bis zu 75 Menschen gleichzeitig transportieren. Ganz günstig ist das Hin- und Rückfahrticket mit 30 Euro für Erwachsene aber auch nicht.