26. September 2025, 9:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Seit 1901 verkehrt in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ein ganz besonderes und ganz besonders liebenswertes Verkehrsmittel. Nämlich die älteste Bergschwebebahn der Welt, die auf elegante Weise zwei Bezirksteile miteinander verbindet. So revolutionär war sie bei der Eröffnung, dass sie nicht nur Passagiere beförderte, sondern sogar Grundstückspreise in die Höhe schnellen ließ.
Die sächsische Landeshauptstadt Dresden ist allein schon wegen ihrer malerischen Lage an der Elbe und so bedeutender Bauten wie der Frauenkirche und dem Zwinger eine Reise wert. Aber wussten Sie, dass man im Dresdner Stadtteil Loschwitz auch einen echten Weltrekordhalter finden kann? Die Rede ist von einem ganz besonderen Verkehrsmittel, nämlich der ältesten Bergschwebebahn der Welt. Bereits seit mehr als 120 Jahren verbindet sie das noble Villenviertel Loschwitz mit dem dazugehörigen Ortsteil Oberloschwitz.
Zugegeben, eine Fahrt mit der Bergschwebebahn ist eher ein kurzes Vergnügen: Nur viereinhalb Minuten ist man laut der offiziellen Seite der Dresdner Verkehrsbetriebe, die die Bahn heute betreibt, unterwegs. Dennoch hat die Strecke von knapp 274 Metern es in sich, überwindet man an ihrem steilsten Punkt doch eine Steigung von beinahe 40 Prozent. Aufgrund dieser kommt die Bahn auch gerade einmal mit gut einem Meter Geschwindigkeit pro Sekunde voran. ihre beiden Wagen hängen noch heute an zwei Fahrschienen, die von insgesamt 33 Stahlstützen gehalten werden.
„Ich habe das Ding Schwebebahn genannt.“
Über ein 380 Meter langes und 38 Millimeter dickes Stahlseil bewegt sich die Bergschwebebahn. Bei der Einweihung des Gefährts am 6. Mai 1901 wurde das System noch mit einer Dampfmaschine betrieben, doch seit 1909 funktioniert es mehr oder weniger unverändert mit einem Elektromotor. Auf diese Weise ließ sich nun der zuvor beschwerliche, 84 Meter hohe Aufstieg von Loschwitz nach Oberloschwitz problemlos bewältigen. Und das sorgte sogar dafür, dass in der Gegend die Grundstückspreise erheblich anzogen. An selber Stelle verkehrte nämlich bereits seit 1895 eine heute ebenfalls noch existierende Standseilbahn, und so wurde die Gegend zu einer noch attraktiveren Lage.
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All das hätte sich wohl der Kölner Ingenieur und Zuckerfabrikant Eugen Langen nicht träumen lassen, als er sich Ende des 19. Jahrhunderts erstmals mit der Idee für eine Bergschwebebahn beschäftigte. Bereits 1892 schrieb er in einem Brief an den Industriellen Wilhelm von Siemens: „Ich habe das Ding Schwebebahn genannt.“ Diese Fahrzeuge hatten damals Konjunktur, so ging die heute weltberühmte Schwebebahn in Wuppertal bereits zwei Monate vor dem Dresdner Modell ans Netz. Dass die heute älteste Bergschwebebahn der Welt gebaut werden konnte, ist aber vor allem einem Mann zu verdanken, der daran ein nicht unerhebliches Eigeninteresse hatte.
Ein Spekulant als Geldgeber
Denn der königliche Hofbuchhändler Edmund Warnatz hatte beobachtet, wie der Bau der Standseilbahn zwischen Loschwitz und Oberloschwitz die Grundstückspreise in die Höhe trieb. In der Folge wollte er mit der Bergschwebebahn selbst als Spekulant noch reicher werden, und investierte daher maßgeblich in das Verkehrsmittel. Einzigartig ist bis heute die Streckenführung der Bahn, die nicht gerade verläuft, sondern talwärts einen Knick nach links macht. Das liegt daran, dass man damals beim Bau eines der dortigen Grundstücke nicht erwerben konnte. Angeblich bewahrte aber genau diese Unvollkommenheit nach dem Zweiten Weltkrieg das Vehikel vor einem Abtransport als Reparationsleistung in die damalige Sowjetunion.
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Seit 1975 steht die Bergschwebebahn in Dresden nun bereits unter Denkmalschutz. In der mehr als 120 Jahre währenden Zeit ihres Betriebs waren dennoch nur kleinere technische Anpassungen nötig, um den Weiterbetrieb zu garantieren. Nach einer umfänglicheren Rekonstruktion von 2001 bis 2002 können Besucher heute mit einem gläsernen Fahrstuhl den Turm des Maschinenraums und eine Aussichtsplattform besuchen. Der Blick, den man hier genießt, wird im Volksmund auch „Schöne Aussicht“ genannt. In der Bergstation gibt es ein gastronomisches Angebot.
Dass die Dresdner Verkehrsbetriebe auch bei der ältesten Bergschwebebahn mit der Zeit gehen, beweist eine in der Umgebung der Bahn durchführbare Geocaching-Schatzsuche, die auf der offiziellen Seite zum Download bereitsteht. Auch verfügbar ist ein Flyer für einen „Kulturrundgang“. Zwischen 9:30 Uhr und 20 Uhr kann man täglich mit dem liebenswerten Verkehrsmittel nach Oberloschwitz hinauffahren. Die Einzelfahrt kostet aktuell fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Eine Berg- und Talfahrt schlägt mit sieben Euro zu Buche, ermäßigt sind in diesem Tarif vier Euro zu zahlen. Alle Preise entnehmen Sie bitte der offiziellen Webseite.

