14. April 2026, 16:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Bergmassiv der Langkofelgruppe in Südtirol ist für Naturfreunde und besonders Wanderer ein absolutes Traumziel in den italienischen Alpen. Und wer einen Aufstieg scheut, hat bereits seit fast 70 Jahren die Gelegenheit, mit einem ganz besonders skurrilen Transportmittel in Gipfelnähe aufzufahren. Denn weil man in den Kabinen der örtlichen Seilbahn nur stehen kann, wird diese wegen ihrer Form auch als „Sarglift“ bezeichnet. Und dennoch ist er bei Verzicht auf jeglichen Komfort ein ziemlich teures Vergnügen.
Bei Wanderern und Naturfreunden im italienischen Südtirol gilt der Langkofel als einer der schönsten Gipfel der Alpen in unserem Nachbarland. 3181 Meter hoch thront er über dem Grödnertal als Krone der Langkofelgruppe, die auf Italienisch auch „Sassolungo“ heißt. In der Nähe befindet sich auch noch die nicht weniger spektakuläre Bergformation Drei Zinnen, sodass die Region ein wahres Paradies für Outdoor-Freunde ist. Eine Sehenswürdigkeit für sich ist aber auch die Seilbahn, die Gäste am Berg nun schon fast seit 70 Jahren auf den „Sassolungo“ bringt. Denn ihre Kabinen haben eine ziemlich eigenwillige Form, die scherzhaft auch als Sarglift bezeichnet wird.
Die oft breiten, geräumigen Gondeln, die man aus anderen Ressorts kennt, sucht man hier vergeblich. Maximal zwei Gäste haben in der „Kabine“ der Langkofel-Seilbahn, der „Forcella Sassolungo“, Platz. Und diese müssen in dem Sarglift sogar auch noch während der gesamten Fahrt aufrecht stehen, Sitzplätze gibt es in dem „Raumwunder“ nicht. „Unsere Anlage stammt bereits aus dem Jahr 1959“, sagt Igor Marzola, ein Sprecher des „Sassolungo“-Resorts, auf TRAVELBOOK-Anfrage. Damals war die Fahrt jedoch noch weit abenteuerlicher, fuhren die Gäste doch in einer Art Steh-Korb nach oben auf den Berg. Die Gondel war zudem auch offen, ihre Passagiere also nach den Launen der Natur Wind und Wetter ausgesetzt. 1971 ersetzte man sie daher zunächst durch gelbe, geschlossene Steh-Gondeln.
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Pläne für einen Ausbau
Die Kabinen im heutigen Look verkehren seit 1992. Die abenteuerliche Fahrt mit dem Sarglift beginnt an der Talstation Sellajoch, auf italienisch Passo Sella. Diese liegt immerhin auch schon auf 2150 Metern Höhe. Mehr als 400 Höhenmeter überwindet man dann in den beengten Verhältnissen der besonderen Kabinenbahn, bevor man schließlich auf 2685 Metern auf der Schutzhütte Toni Demetz ankommt. Laut Marzola wurde die besondere Seilbahn ganz bewusst so gebaut, weil sie auf ihrer Fahrt auch sehr enge Passagen überwindet. „Breitere Kabinen würden hier anstoßen, daher ist sie seit ihrer Jungfernfahrt so geblieben.“
Gewöhnungsbedürftig ist auch der Zustieg in den Sarglift, denn dieser hält für Passagiere nicht an. Diese müssen vielmehr während der Fahrt zusteigen, wobei das Personal der „Forcella Sassolungo“ bei Bedarf behilflich ist. Tatsächlich gibt es laut dem Alpenverein Südtirol bereits seit den 1980er Jahren immer wieder den Plan, den eher unkomfortablen Sarglift durch eine größere, modernere Anlage zu ersetzen. Die Bergfreunde kritisieren dieses Vorhaben aber vehement. Sie beklagen schon heute einen zunehmenden Ansturm von Touristen und eine damit verbundene „prekäre“ Wasserknappheit auf der Toni-Demetz-Hütte.
„Verheerende Auswirkungen“
Der Alpenverein befürchtet auch „verheerende Auswirkungen“ für die Landschaft, sollte eine solch modernere Anlage gebaut werden. Und konkrete Pläne dafür gab es tatsächlich erst 2023 zuletzt, wie die Südtiroler Fraktion damals in einer Pressemitteilung kritisierte. Demnach lag zu dieser Zeit ein konkreter Plan für den Ausbau der Sarglift-Bahn vor. Dieser beinhaltete unter anderem eine doppelt so hohe Personenkapazität, mehr als doppelt so hohe Betonträger und eine viermal größere Bergstation. Marzola bestätigt, dass es diese Ambitionen gab, sagt nur knapp: „Aber die Grünen waren dagegen, daher liegt das Projekt bis auf Weiteres auf Eis.“
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Ein Etappensieg für den Alpenverein und diverse Naturschutzverbände, die gegen den Ausbau der Sarglift-Bahn protestiert hatten und ihn „absolut nicht vertretbar“ nannten. Was vielen Gästen der besonderen Gondel aber auch sauer aufstoßen dürfte, sind deren mehr als stattliche Preise. So kostet eine einfache Fahrt auf den Berg im Stehen 25 Euro, ein Rundticket inklusive Rückfahrt 35 Euro. Menschen von 8 bis 18 Jahren müssen immerhin auch noch 17,50 Euro bzw. 24,50 Euro bezahlen. Wer einen Hund mitnehmen möchte, wird zusätzlich noch einmal mit fünf Euro zur Kasse gebeten. Die „Forcella Sassolungo“ verkehrt täglich zwischen 8.15 Uhr und 17 Uhr.