25. Oktober 2025, 7:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer Schloss Chambord zum ersten Mal sieht, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Der prachtvolle Bau an der Loire mit seinen Türmchen und Zinnen könnte auch eine Filmkulisse sein. Und wer durch die Säle geht, der würde sich nicht wundern, wenn plötzlich ein König vor ihm auftauchen würde.
Chambord ist das größte Schloss an der Loire. Ein Riesenbau mit 440 Räumen, 84 Treppen, sechs großen Türmen und unzähligen Dächern, an dem 1800 Arbeiter insgesamt 25 Jahre beschäftigt waren. Der Bau, der im Jahr 1519 im Auftrag von König Franz I. begann, war eine Herausforderung, denn der Boden in dem Gebiet war sumpfig. Franz hatte sich die Gegend ausgesucht, weil es viel Wild gab. Allerdings sollte es kein Dauerwohnsitz werden. Der König blieb immer nur ein paar Wochen und nahm sämtliche Möbel danach wieder mit. Wichtig aber war ihm eines: Der Bau sollte seine Macht als König deutlich machen.
Wo der Sonnenkönig Feste feierte
Viele gekrönte Häupter und andere Berühmtheiten wohnten zeitweise auf Schloss Chambord, das in der Nähe des Ortes Blois, etwa zwei Stunden von Paris entfernt, liegt und immer wieder umgebaut wurde. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. lud hier zu großen Festivitäten, der polnische König Stanislaus Leszcynski wohnte während seines Exils von 1730 bis 1733 im Schloss.
Im Laufe der Jahre bekamen die Steinwände Holzverkleidungen, die Böden wurden mit Parkett belegt und spektakuläre Öfen wurden aufgestellt. Leider verschwand ein Großteil des Inventars während der Französischen Revolution.
Französische Architektur und italienische Renaissance
Heute ist Chambord Staatsbesitz und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Einige Umbauten wurden ab 1930 rückgängig gemacht und das Schloss weitgehend in den Zustand zurückgebracht, den es zu Zeiten der Renaissance gehabt hatte – eine Mischung aus mittelalterlicher französischer Architektur und italienischer Renaissance. Der quadratische Wohnturm (Donjon) wird von einer niedrigen Ringmauer umgeben, die an eine Festung erinnert.
Herzstück des Donjons ist die doppelläufige Treppe, von der vermutet wird, dass Leonardo da Vinci die Idee dazu geliefert hat. Sie besteht aus zwei ineinandergreifenden Wendeltreppen, und wenn zwei Besucher die unterschiedlichen Treppenläufe betreten, können sie sich zwar durch die Öffnungen sehen, aber sie begegnen sich nicht. Ausprobieren lohnt sich, allerdings sehen das die meisten Besucher genauso, weshalb auf der Treppe oft viel Betrieb herrscht.
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Besuch in den Schloss-Sälen
Wer das Schloss besucht, sollte sich die Säle anschauen. In der ersten Etage findet sich der einstige Wohnsitz von Franz I. mit dem großen Ratssaal. Im Nordarm des Gebäudes kann man die Gemächer von Ludwig XIV. besuchen und sogar einen Blick auf sein prächtiges Bett werfen. Die Suite der Königin im Nordturm ist im Stil des 17. Jahrhunderts eingerichtet. Im Südarm des Kreuzsaales gab es früher ein Theater, in dem der berühmte Molière seine Stücke „Monsieur de Pourceaugnac“ und „Le Bourgois gentilhomme“ vorgeführt hat.
Auch einige Suiten aus dem 18. Jahrhundert sind zu sehen – die Wände sind mit Teppichen besetzt oder vertäfelt, es gibt Parkett und einige Zwischenwände aus Holz, die die einst großen Zimmer aufteilen.
Im Westflügel gibt es eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Spektakulär sind außerdem die Gewölbedecken im kreuzförmigen Saal in der zweiten Etage – das Kassettendach mit Bögen und Ornamenten zeigt Salamander und andere Motive.
Weitblick von den Terrassen
Unbedingt besuchen sollte man die Terrassen. Von ihnen aus hat man eine spektakuläre Sicht auf die Umgebung mit den Wassergräben und der Landschaft, aber auch auf die vielen Türmchen, Dachfenster und Schornsteine des Schlosses.
Wer sich sattgesehen hat, der kann den Park (genannt Staatsdomäne) besuchen, der zum Schloss Chambord gehört. Er ist 5540 Hektar groß und von einer 32 Kilometer langen Steinmauer umgeben. Sümpfe, Teiche, Acker und Wälder gehören dazu, und zu den Bewohnern gehören Hirsche, Wildschweine, Mufflons, Rehe, Fledermäuse und 150 Vogelarten. Rund ums Schloss gibt es viele Aktivitäten – vom Boots- und Fahrradverleih bis zum Wandern.
Textmitarbeit: Silke Böttcher