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Es konnte nur dreimal gefüllt werden

Im Schloss Heidelberg steht das größte Weinfass der Welt

Heidelberg Weinfass
Das Weinfass im Schloss Heidelberg ist das größte seiner Art auf der ganzen Welt. Im Vordergrund zu sehen die Statue des Hofnarren Perkeo, der es bewachte Foto: picture alliance / Schoening
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

30. Oktober 2025, 10:41 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Im Schloss Heidelberg gibt es eine skurrile Attraktion zu besichtigen, die jährlich eine halbe Million Menschen anzieht. Denn im dortigen Keller steht das größte Weinfass der Welt. Es muss seinerzeit so beeindruckend gewesen sein, dass es bei gleich mehreren berühmten Autoren Erwähnung findet, und konnte aufgrund seiner Größe nur dreimal befüllt werden. Es darf jedoch stark bezweifelt werden, ob der Wein aus dem Riesenfass auch geschmeckt hat.

In vergangenen Jahrhunderten einer der beeindruckendsten Prunkbauten in ganz Europa, ist das Schloss Heidelberg in Baden-Württemberg heute selbst als Ruine noch eine viel besuchte Sehenswürdigkeit. Das dürfte auch an einem besonderen Ausstellungsstück liegen, das einen skurrilen Superlativ hält. Denn im sogenannten Fassbau, im Keller des Schlosses, steht das größte Weinfass der Welt. Es ist so gigantisch, dass es in der Zeit seines Bestehens nur dreimal befüllt werden konnte, und wird pro Jahr von einer halben Million Menschen besucht. Und auch in der Literatur gleich mehrerer weltberühmter Autoren findet das Riesenfass bewundernde Erwähnung.

Laut der offiziellen Website des Schlosses Heidelberg ist das heute noch zu bewundernde Fass das vierte in einer Reihe dieser mächtigen hölzernen Behältnisse. Demnach entstand der Urtyp bereits im Jahre 1591 und trägt nach seinem Erbauer (bzw. Auftraggeber), dem damaligen Pfalzgrafen, den Namen Johann-Casimir-Fass. Das Fassungsvermögen überstieg mit 130.000 Litern alles bislang Dagewesene. Doch wie sollte man ein solch gigantisches Fass überhaupt befüllen? Dies geschah durch die Einnahme des sogenannten Zehntweines. Der Zehnt war eine Steuer, die Untertanen auch in Naturalien abgeben konnten. Und viele Menschen in der Region bauten eben Wein an.

Ein wirres Gemisch

Heidelberg Weinfass
Gewaltige Dimensionen: Erst mit Menschen im Vordergrund wird die Größe des Fasses richtig erkennbar Foto: picture alliance / Schoening

Die so gesammelten Tropfen wurden in der Folge im Schloss Heidelberg einfach samt und sonders in das große Fass geschüttet. Es dürfte eine ziemlich abenteuerliche Mischung gewesen sein, die auf diese Weise entstand. Ob sie auch im heutigen Sinne als genießbar gelten konnte, muss man wohl stark bezweifeln. Gefeiert wurde dennoch. So konnte man den Wein direkt aus dem Fassbau in den daneben gelegenen Königssaal pumpen. Diesen Namen erhielt der Raum nach der Wahl von Friedrich V. zum böhmischen König im Jahr 1619. Dem ersten Riesenfass war jedoch keine lange Lebensdauer beschert.

In den Wirren des 30-jährigen Krieges (1618-48) wurde es zerstört, seine Dauben zu Brennholz verfeuert. Es folgten zwei weitere Versionen des Riesenfasses, ebenfalls benannt nach den damaligen Machthabern in Schloss Heidelberg. Und, nicht ganz unwichtig, mit einem noch gewaltigeren Fassungsvermögen als die Ur-Version. Und so steigerte man sich schließlich zu dem heutigen Superlativ, dem Karl-Theodor-Fass aus dem Jahre 1751. Dieses hatte ein Fassungsvermögen von unglaublichen 221.726 Litern. Heute, nach Eintrocknung des Holzes, passten theoretisch immer noch 219.000 Liter Wein hinein. Das Fass musste von oben befüllt werden und ist über eine Treppe besteigbar. Oben befindet sich ein damals sicher viel genutzter Tanzboden. Da es allerdings nie ganz dicht hielt, konnte man das Fass nur dreimal füllen.

Der legendäre Hofnarr

Und auch eine andere, viel kleinere Sehenswürdigkeit gibt es im Fassbau-Keller des Schlosses zu sehen. Eine hölzerne Statue des legendären Hofnarren Perkeo, der mit Kurfürst Carl Philipp 1718 aus Italien an den Heidelberger Hof kam. Er war aber auch Hofmeister und Mundschenk des Kurfürsten und hatte so die Verantwortung für den Weinbestand. Bekannt für seine legendäre Trinkfestigkeit, konnte er laut Legende das große Heidelberger Fass in nur einem Zug austrinken. Einer weiteren Mär zufolge starb er schließlich, als er einmal statt Wein versehentlich ein Glas Wasser trank. Seinen Namen erhielt er übrigens, weil er auf die Frage, ob er Wein trinken wolle, stets geantwortet habe: „Perché no?“ – italienisch für „Warum nicht?“

Wie berühmt das große Fass im Schloss Heidelberg auch schon zur damaligen Zeit gewesen sein muss, zeigt sich übrigens auch in der Literatur. Theodor Fontane, Heinrich Heine und Wilhelm Busch, aber auch internationale Stars der Schreibkunst wie Mark Twain, Jules Verne und Herman Melville, erwähnen es in ihren Texten. Zu den großen Weinfässern selbst gibt es mehrere Sachbücher. Und so kommen pro Jahr heute 500.000 Besucher, um das größte Weinfass der Welt zu sehen. Der Seite „Wein Plus“ zufolge gibt es aber auf diesem Gebiet noch andere erstaunliche Superlative. So steht das größte Fass der Welt aktuell im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim.

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Den Königssaal kann man mieten

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Es hat einen Durchmesser von 13,5 Metern und ein theoretisches Fassungsvermögen von 1,7 Millionen Litern. Anders als das Modell im Schloss Heidelberg war eine Befüllung mit Wein aber nie angedacht, denn in dem Riesenfass ist gleich ein ganzes Restaurant untergebracht. Als das größte heute noch „aktive“ Weinfass gilt jenes auf dem italienischen Weingut Roberto Sarotto im Piemont. Im Vergleich zum deutschen Rekordhalter fasst es jedoch gerade einmal 45.000 Liter. Überhaupt werden die meisten Giganten auf diesem Gebiet heute nur noch als Schaustücke genutzt.

Was es im Schloss Heidelberg noch zu sehen gibt

Etwa eine Million Menschen besuchen pro Jahr Schloss Heidelberg. Eine Sprecherin sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Sehenswert ist auf jeden Fall unsere steinerne Ahnengalerie im Innenhof. Hier ist jeder ehemalige Herrscher des Schlosses dargestellt.“ An den Fassbau mit dem größten Weinfass der Welt angeschlossen befindet sich zudem ein Aussichtsbalkon. „Von dort hat man einen tollen Blick über Heidelberg und das Neckartal.“ Beliebt sei auch die Schlosskapelle als Hochzeits-Location. Wer im ganz großen Stil feiern möchte, kann übrigens auch den Königssaal mieten. Regelmäßig finden hier Tagungen und Konzerte statt.

In den Räumlichkeiten des Schlosses Heidelberg ist zudem das Deutsche Apothekenmuseum untergebracht. Der Eintrittspreis von 11 Euro pro Erwachsenem (ermäßigt 5,50 Euro) berechtigt zum Betreten aller Sehenswürdigkeiten. Wer nur die Gartenanlage sehen möchte, muss nichts bezahlen. Auf der Website sind außerdem gleich zwei Apps verfügbar, mit denen Besucher sich das Schloss in verschiedenen Sprachen erklären lassen können. Die Öffnungszeiten sind täglich von 9 bis 18 Uhr, an Feiertagen können sie abweichen. Für genauere Informationen und alle Preismodelle auch für Führungen sehen Sie bitte die offizielle Website ein.

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