4. April 2026, 14:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In der bayerischen Stadt Schrobenhausen gibt es seit 40 Jahren ein äußerst ungewöhnliches Museum. Denn hier geht es ausschließlich und auf zwei Etagen um der Deutschen vielleicht liebstes Gemüse: den Spargel. Im Europäischen Spargelmuseum kann man dabei nicht nur Wissenswertes rund um den Anbau und die Geschichte lernen, sondern auch einige sehr seltene und zum Teil äußerst wertvolle Exponate bestaunen.
Was für Liebhaber rund um die Millionenmetropole Berlin die Orte Beelitz und Kremmen sind, das ist für das Bundesland Bayern und seine vielen Besucher die Stadt Schrobenhausen. Nämlich die erste Adresse, wenn es um Spargel geht. Bereits seit mehr als 100 Jahren, nämlich seit 1913, werden die leckeren Stangen hier großflächig kultiviert und geerntet, wodurch der Ort einen besonderen Ruf als Bayerns Spargelhauptstadt genießt. Und tatsächlich schätzt man das „weiße Gold“ hier so sehr, dass man ihm bereits vor 40 Jahren eine eigene Bildungseinrichtung gewidmet hat: das Europäische Spargelmuseum Schrobenhausen.
Laut offizieller Website der Stadt befindet sich dieses in einem alten Turm der Stadtmauer, der zu früheren Zeiten sowohl als Gefängnis als auch als Amtsstube diente. Gefangen nehmen dürfte Besucher auch die großflächige Ausstellung hier, die auf zwei Etagen Exponate aus der ganzen Welt zeigt. Im Spargelmuseum kann man zudem viel zu dem Gemüse lernen, so verspricht der Auftritt im Netz „alles rund um das Thema Spargel: Geschichte, Botanik, Anbau, Kunst und Kuriositäten“. Schon vorher hatte man aber in Schrobenhausen ab 1985 die erste deutsche Spezialsammlung zu dem Thema im damals so benannten Deutschen Spargelmuseum eingerichtet.
Weltweit nur noch zwei Exemplare
Im Erdgeschoss des Spargelmuseums findet man interessante und ungewöhnliche Ausstellungsstücke zur Geschichte, Botanik und zum Anbau des Spargels. Zum Beispiel alte Kupferstiche und Kräuter-Fachbücher, die die Bedeutung des Gemüses für die Medizin und die Wissenschaft im Allgemeinen verdeutlichen. Darunter sind auch echte Preziosen, wie ein umfangreicher Band zu dem Thema von dem deutschen Arzt und Botaniker Jakob Theodor Tabernaemontanus aus dem Jahr 1664. Zu besichtigen gibt es auch spezielle Arbeitsgeräte und Werkzeuge, die im Laufe der Jahrhunderte bei Anbau und Kultivierung des Spargels zum Einsatz kamen bzw. kommen.
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In einem kurzen Lehrfilm klärt das Spargelmuseum über die Herkunft und Bedeutung des Luxusgemüses auf. Im ersten Obergeschoss findet man Kochbücher und Rezepte rund um die begehrten Stangen, zudem auch eine Sammlung von Spargelgeschirr. Darunter befindet sich eine Rarität, und zwar im sprichwörtlichen Sinne. Nämlich eine Spargeldeckeldose aus Meissner Porzellan, von der weltweit gerade einmal noch zwei Stück erhalten sind. Ferner gibt es mit Spargelmotiven bemalte Teller und ein weiteres unschätzbar wertvolles Objekt zu bestaunen: eine Spargelzange des russischen Hofjuweliers Carl Peter Fabergé aus dem Jahr 1890.
Vielfach ausgezeichnet
Auf der offiziellen Website der Stadt sind verschiedene Exponate im Spargelmuseum auch noch einmal genauer erklärt, so dass sich Interessierte umfassender informieren können. Wer keine Zeit für einen Besuch vor Ort hat, kann das Museum seit Neuestem auch per App kennenlernen, der Download ist auf der Schrobenhausener Seite verlinkt. Für Besucher ist das Museum von Mittwoch bis Sonntag in der Zeit von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Euro, ermäßigt bzw. bei Führungen ab Gruppen von 10 Personen 1,50 Euro. Die Beschilderung der Exponate ist auf Deutsch, Englisch und Französisch gehalten.
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Auf dem Portal Tripadvisor gibt es etliche Kommentare zum Spargelmuseum Schrobenhausen. So schreibt ein User: „Interessantes, kleines Museum rund um den Spargel.“ Ein zweiter meint: „Sehr freundliches Museumspersonal, das einem gerne Fragen beantwortet.“ Ein Dritter ergänzt: „Das Museum wurde vom Europarat als eines der zehn besten Spezialmuseen Europas ausgezeichnet.“ Tatsächlich passierte das bereits kurz nach der Eröffnung im Jahr 1993. Es folgten weitere Preise, zum Beispiel als „Ort im Land der Ideen“ im Jahr 2006, eine Auszeichnung durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.
„Zur Spargelzeit kommen die Leute zum Teil mit Bussen hierher“, sagt Museumsleiterin Claudia Freitag-Mair zu TRAVELBOOK. Gruppen und Vereine seien auch oft vor Ort. Die würden dann das Spargelmuseum besuchen, auf einem der Höfe einkaufen und natürlich auch vor Ort essen. „Schrobenhausen ist ja die bayerische Spargelhauptstadt. Es gibt Belege, dass von unserem Schloss Sandizell schon in den 1860er Jahren das Gemüse an den Münchner Hof geliefert wurde.“ Natürlich sei man auf so ein Aushängeschild in der Stadt auch stolz. Sehenswert sei hier außerdem die sehr gut erhaltene Stadtmauer. „Man kann bei uns schon einen ganzen Tag verbringen.“