19. September 2025, 6:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Erneut wird der Tourismus am Machu Picchu von gewaltsamen Protesten gestört. Möglicherweise mit weitergehenden Folgen für die weltberühmte Inkastadt in Peru. Die besitzt nicht nur den Status eines UNESCO-Welterbes, Machu Picchu ist auch eins der neuen sieben Weltwunder. Diesen Status könnte die Ruinenstadt demnächst verlieren.
Rund 1.600 Touristen mussten zuletzt in der Nähe der peruanischen Inkastadt Machu Picchu evakuiert werden, hunderte weitere saßen fest. Der Grund: Demonstrierende Anwohner, die den Zugverkehr zu der weltberühmten Ruinenstadt blockiert hatten. Das berichtete die „Tagesschau“, die erklärt, Machu Picchu sei seit Montag (15. September 2025) kaum noch zu erreichen gewesen. Bei den gewaltsamen Protesten sei es außerdem zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen, bei denen mindestens 14 Polizisten verletzt wurden. Ob und wie viele Demonstranten dabei zu Schaden kamen, wird nicht berichtet.
Die Demonstranten forderten die Einsetzung eines neuen Busunternehmens, das die Interessen der Anwohner in der Nähe Machu Picchus stärker berücksichtige. Laut „Tagesschau“ besuchen rund 4.500 Touristen täglich die historische Inkastadt. Um dorthin zu gelangen fahren sie zunächst mit dem Zug von Cusco nach Agua Calientes, von wo aus es mit Bussen weitergeht.
Glaubwürdigkeit als Wunder angezweifelt
Der Zugverkehr wurde bereits am Mittwoch wieder aufgenommen und die Touristen sind zu dem neuen Weltwunder zurückgekehrt. Das sieht sich jetzt jedoch mit einer anderen Art von Problem konfrontiert. Das Projekt New7Wonders warnt in einem Statement vom Wochenende, Machu Picchu eben jenen Titel des neuen Weltwunders zu entziehen. Zumindest indirekt.
Der Grund sind längst nicht allein die Demonstrationen vom Wochenbeginn. Es ist eine ganze Reihe von sozialen Unruhen und anderen Probleme, die sich auf die historische Stätte auswirken. TRAVELBOOK berichtete etwa Ende 2022 von gewaltsamen Protesten in Peru, die sich ebenfalls massiv auf die Touristen am Machu Picchu auswirkten. Doch damit nicht genug. New7Wonders schreibt in seinem Statement, dass etliche akute Herausforderungen sofort angegangen werden müssten. Dazu gehören „der hohe Druck des Tourismus ohne Nachhaltigkeitsmanagement, (…) die Gefahr der Beeinträchtigung des historischen Erbes, Beschwerden über unregelmäßige Praktiken im Zusammenhang mit dem Ticketverkauf (…)“. Weitere Problemfelder seien Preissteigerungen, „Schwierigkeiten im Landverkehr sowie Einschränkungen in der Bewirtschaftungs- und Erhaltungspolitik“. Außerdem gebe es Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Akteuren und regelmäßige Klagen von Besuchern.
Angesichts dieser Konfliktfelder könne sich das Image Perus weiter verschlechtern, warnt die Organisation. Machu Picchu laufe zudem Gefahr, seine Glaubwürdigkeit als eins der neuen sieben Weltwunder einzubüßen.
Machu Picchu wurde im Jahr 2007 im Rahmen eines weltweiten Wettbewerbs zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt. Mehr als 100 Millionen Stimmen fielen dabei allein auf die peruanische Ruinenstadt.
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Perus Regierung sieht Schutz Machu Picchus nicht gefährdet
Definitiv entzogen hat New7Wonders Macchu Picchu den Titel als Weltwunder noch nicht, scheint es diese Entscheidung vom weiteren Vorgehen der Regierung Perus sowie anderer Entscheidungsträger abhängig zu machen. Demnach möchte das Projekt „daran erinnern, dass die Ernennung ein gemeinsames Engagement für die Erhaltung und verantwortungsvolle Bewirtschaftung des Gebiets sowie für die Umsetzung internationaler Standards für die Erhaltung und Bewirtschaftung impliziert“, heißt es in dem Schreiben. Abschließend fordert es „die zuständigen Behörden des peruanischen Staates und die Akteure mit einer positiven Mentalität in der gesamten peruanischen Bevölkerung auf, dringend die notwendigen Anstrengungen zu verdoppeln, um eine umfassende Bewirtschaftung von Machu Picchu zu gewährleisten.“ Vorschläge zur Umsetzung eines „strategischen Transformationsplans für Machu Picchu“ lägen allen wichtigen Entscheidungsträgern vor.
Das peruanische Kulturministerium äußert sich nicht direkt zu dem Schreiben des Projekts. Es erklärte jedoch kurze Zeit später in einem eigenen Statement, die UNESCO sei „die einzige zuständige Einrichtung, die weltweit die Identifizierung, den Schutz und die Erhaltung des Kultur- und Naturerbes fördert“. Weiterhin habe die UNESCO erst vor wenigen Monaten „die Verbesserungen im Besuchermanagement und die Umsetzung von Überwachungs- und Erhaltungsinstrumenten“ Machu Picchus gewürdigt.
Das Ministerium ergänzt: „Wir betonen mit Nachdruck, dass die Erhaltung und der Schutz des historischen Heiligtums von Machu Picchu nicht verletzt werden, so sehr, dass das oben genannte Eigentum nicht in die ,Liste des gefährdeten Welterbes‘ der UNESCO eingetragen ist.“
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Machu Picchu trägt neben dem neueren Titel des neuen Weltwunders zudem seit 1983 den Titel des Welterbes. Folglich schützt die UNESCO die historische Ruinenstadt. Der Status als Welterbe bleibt von der Entscheidung New7Wonders‘ unangetastet, stehen die Organisationen und folglich die Titel nicht in Verbindung.

