1. Januar 2026, 14:06 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Hoch über der Stadt Königswinter thront, mit einer spektakulären Aussicht auf das Rheintal, seit fast 900 Jahren die Burg Drachenfels. Heute eine Ruine, war sie einst Schauplatz einer wechselvollen Geschichte – und angeblich sogar eines bedeutenden Kapitels aus der Nibelungensage. Denn nirgendwo anders als hier soll der Held Siegfried den bösen Drachen Fafnir erschlagen haben. Und tatsächlich kann man das Untier noch heute vor Ort bewundern.
331 Meter hoch über dem Rheintal bei Königswinter thront die Ruine einer fast 900 Jahre alten, auch als Ruine noch beeindruckenden Festung. Die Rede ist von der Burg Drachenfels, wo sich einst ein Kapitel der Nibelungensage zugetragen haben soll, der wohl bedeutendsten deutschen Erzählung überhaupt. Die Geschichte handelt von einem mutigen Helden und einem blutrünstigen Ungeheuer, das dem Drachenfelsen, dem gleichnamigen Berg, wohl auch seine Bezeichnung eingebracht hat. Schon früh inspirierte dieser Ort daher Dichter, die wiederum das alte Gemäuer zu dem Touristenmagneten machten, der es auch heute noch ist.
Laut der offiziellen Seite der Burg Drachenfels beginnt die Geschichte des historischen Ortes im Jahr 1138. Arnold I., Erzbischof der nahen Stadt Köln, lässt in Königswinter mit dem Bau einer Privatresidenz mit Statussymbol-Charakter beginnen. Wegen ihrer strategisch guten Lage hoch über dem Rhein ist sie ein Symbol für Macht und Reichtum. Der Drachenfelsen ist aber auch noch auf eine andere Weise mit der Rhein-Metropole für immer verbunden. Denn von hier wurde schon früh Trachyt-Gestein geliefert, das beim Bau des Kölner Doms zur Anwendung kam. Arnold I. sollte die Fertigstellung jedoch nie erleben.
Von Dichtern besungen
Denn erst 1149 wird Burg Drachenfels schließlich unter der Ägide des Bonner Probstes Gerhard von Are vollendet. Er steht dem St. Cassius-Stift vor und ist wie sein Vorgänger ein bedeutender Mann. Im Laufe der Jahrhunderte erlebt die Festung eine wechselvolle Geschichte, wird belagert und schließlich 1634 im Zuge des 30-jährigen Krieges (1618 bis 48) zerstört. Die einst so stolze Anlage verkommt nun immer mehr zum Steinbruch, und nur der Kauf durch den preußischen Staat im Jahre 1829 verhindert ihre endgültige Zerstörung. Bereits in dieser Zeit gewinnt sie an Popularität, da einige bedeutende zeitgenössische Dichter sie in ihren Werken verewigen.
Unter ihnen war zum Beispiel der englische Lord Byron, der das Stück „The castled crag of Drachenfels“ schrieb. Zu Deutsch heißt es „Der turmgekrönte Drachenfels“. Bereits im Oktober 1819 hatte der deutsche Dichterfürst Heinrich Heine über seinen Besuch hier das Stück „Die Nacht auf dem Drachenfels“ verfasst. Vermutlich wurden sie aber alle inspiriert durch eine viel ältere Legende, die sich einst auf dem Drachenfels zugetragen haben soll. Denn in der wohl bedeutendsten deutschen Erzählung, der Nibelungensage, erschlägt der Held Siegfried den bösen, blutrünstigen Drachen Fafnir. Und dieser soll vorher eben genau hier auf dem Berg sein Zuhause gehabt haben.
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Legendärer Ort
Der Legende nach badet der Held nach seinem Sieg über den Drachen in dessen Blut, was ihn unverwundbar macht. Allein während des Bades fällt ein Lindenblatt auf seine Schulter, sodass dieser Fleck wie die legendäre Ferse des Achilles aus der antiken Dichtung von Homer eben doch angreifbar bleibt, was Sigfried denn letztlich auch zum Verhängnis wird. Diese Erzählung und auch die Werke der erwähnten Dichter haben sicher dazu beigetragen, Burg Drachenfels schon früh zu einer Touristenattraktion zu machen. Seit 1913 gibt es auf halber Höhe zur Burgruine auf dem Fels auch ein einmaliges Denkmal zu Ehren der bekanntesten deutschen Helden-Saga: die Nibelungenhalle.
Zum 100. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner, der das Epos spektakulär vertonte, eröffnete die Sehenswürdigkeit laut der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Seit 1933 gibt es auch eine Drachenhöhle, in der eine steinerne Nachbildung des Drachen Fafnir auf ewig ruht. In der Halle selbst erschuf der Berliner Maler Hermann Hendrich insgesamt 12 Wandgemälde, die die Legende auf beeindruckende Weise nacherzählen. Nachdem der steinerne Drache 2023 seinen Kopf verloren hatte, residiert er nun seit Juni 2025 wieder voll hergestellt in seinem angestammten Zuhause.
Sterneköche und Superstars
Burg Drachenfels ist auch heute noch eine bei Besuchern überaus beliebte Destination. Der Ruine angeschlossen ist eine Gastronomie, auch als Hochzeits-, Tagungs- und Eventlocation ist der Ort populär. Und wer keine Lust hat, den schweißtreibenden Anstieg auf sich zu nehmen, hat auch die Möglichkeit, mit Deutschlands dienstältester Zahnradbahn hochzutuckern. Diese verbindet laut offizieller Website seit 1883 die Altstadt von Königswinter mit dem Siebengebirge und endet am Drachenfelsplateau. In der Zeit ihres Bestehens hat sie bereits 40 Millionen Fahrgäste befördert. Die Fahrpreise und Zeiten entnehmen Sie bitte der Website.
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Hermann Joseph Nolden, Geschäftsführer der Drachenfels Gaststätten GmbH, sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Wir haben heute hier jährlich bis zu 750.000 Tagesgäste, die zur Burg Drachenfels kommen. Sie ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und bietet einen genialen Blick über das Rheintal.“ Bei klarer Sicht kann man von hier übrigens auch die Turmspitzen des Kölner Doms erkennen. „Wir waren auch schon Schauplatz für Dreharbeiten von Film und Fernsehen.“ So war zum Beispiel die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ bereits zweimal auf dem Drachenfels zu Gast.
Viele Gäste kämen aber auch wegen der Küche, so Nolden stolz. „Zwei meiner Köche haben sich im Laufe ihrer Karriere einen Michelin-Stern erkocht.“ Bei Tagungen habe er auch große Firmen zu Gast. Für kleine Gäste gäbe es einen Automaten mit einer Drachenfigur, die bei Münzeinwurf die legendäre Geschichte um Siegfried und den Drachen Fafnir auf kindgerechte Weise erzähle. Und wem das an Historie noch nicht reicht: Ganz in der Nähe der Burg Drachenfels befinden sich mit dem Schloss Drachenburg und der Wolkenburg noch zwei weitere imposante und geschichtsträchtige Orte im Rheintal.