21. April 2026, 14:39 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Statistisch gesehen ist das Fliegen eine der sichersten Verkehrsarten der Welt. Dennoch kann es zu Situationen kommen, in denen Flugzeuge evakuiert werden müssen – und dann sind effiziente Abläufe entscheidend. Eine Studie hat untersucht, welche Auswirkungen die Teilnahme älterer Passagiere in diesem Zusammenhang hat. TRAVELBOOK stellt die Ergebnisse vor.
Auf gemeinsamen Reisen möchte man wohl gern neben seiner Begleitung sitzen. Das ist einerseits kurzweilig, und auf der anderen Seite hat man beispielsweise bei Flugangst eine vertraute Person bei sich, deren Hand man halten kann. Doch ältere Menschen sollten idealerweise nicht zusammensitzen, wie eine neue Studie zeigt.
Wie beeinflussen ältere Menschen die Abläufe im Flugzeug?
Ältere Menschen bewegen sich im Zweifelsfall nicht so schnell durch die Flugzeugkabine wie jüngere. Andere Mitreisende sollten dafür Verständnis haben und sie beispielsweise beim Verstauen des Handgepäcks unterstützen. Glücklicherweise zeigen die meisten auch gemeinhin Geduld.
Sachlich betrachtet können Menschen mit eingeschränkter Mobilität allerdings die Abläufe verlangsamen. In der vorliegenden Studie wurde daher untersucht, welchen Einfluss der Anteil älterer Passagiere an Bord auf kritische Situationen hat, in denen Verzögerungen schwerwiegende Folgen haben können. Im Mittelpunkt stand dabei die Evakuierung eines Flugzeugs. Für solche Notfälle gilt die Vorschrift, dass alle Passagiere innerhalb von 90 Sekunden das Flugzeug verlassen haben müssen, heißt es in der Studie. Als „ältere“ Passagiere definierten die Forscher Personen über 60 Jahre. Darüber hinaus analysierten die Forscher auch, welche Auswirkungen die Sitzverteilung dieser Passagiergruppe auf den Ablauf der Evakuierung hat.
Details zur Untersuchung
Die Forscher simulierten ein besonders kritisches Szenario am Beispiel eines Airbus A320: einen Brand an beiden Triebwerken, bei dem die Nutzung der Notausgänge über den Tragflächen nicht möglich ist. Um diesen Fall modellhaft abzubilden, entwickelten sie ein detailliertes Computermodell der Flugzeugkabine. Mithilfe einer speziellen Simulationssoftware spielten sie 27 verschiedene Szenarien durch. Diese unterschieden sich in drei zentralen Faktoren:
- der Sitzanordnung im Flugzeug,
- dem Verhältnis von älteren zu jüngeren Passagieren
- sowie der räumlichen Verteilung der älteren Personen innerhalb der Kabine.
Zusätzlich berücksichtigte das Modell altersbedingte Unterschiede im Bewegungsverhalten, beispielsweise bei der Gehgeschwindigkeit und der Mobilität.
Ergebnisse
Die Auswertung zeigte, dass in keiner der Simulationen die vorgeschriebene Evakuierungszeit von 90 Sekunden einzuhalten war. Selbst im „günstigsten“ Fall, bei dem nur wenige über 60-jährige Passagiere in der Nähe der Ausgänge platziert waren, dauerte die Evakuierung 141 Sekunden. Bei einem hohen Anteil älterer Menschen könnte sich die Evakuierungszeit teilweise sogar auf über 200 Sekunden verlängern.
Zusammenfassend erwies sich die Verteilung älterer Passagiere auf die Maschine als entscheidend für die Verzögerungsanfälligkeit. Konzentrierten sie sich in bestimmten Bereichen der Kabine, kam es zu Engpässen und Verzögerungen, wodurch sich der gesamte Ablauf erheblich verlangsamte.
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Gründe für die Ergebnisse – und Empfehlungen für sicheres Reisen
Neben den klassischen altersbedingten Faktoren – z. B. geringere Beweglichkeit, eingeschränkte Feinmotorik –, die beispielsweise das schnelle Aufstehen oder das Öffnen von Sicherheitsgurten erschweren können, führen die Forscher als Erklärung für die Untersuchungsergebnisse auch mögliche kognitive Einschränkungen älterer Passagiere an. Solche könnten insbesondere in Stresssituationen zu verzögerten Reaktionen oder Orientierungsproblemen führen.
Natürlich sollten ältere Menschen deshalb nicht von Flugreisen ausgeschlossen werden. Stattdessen leiten die Forscher aus den Untersuchungsergebnissen konkrete Empfehlungen ab, um Engpässe im Flugzeug zu vermeiden und die vorhandenen Ausgänge besser zu nutzen. Ältere Passagiere sollten demnach möglichst gleichmäßig verteilt sitzen. Von einer Gruppierung oder auch nur zufälligen Platzierung wird abgeraten.
Neue Sicherheitsvorschriften könnten sinnvoll sein
Die Forscher betonen darüber hinaus, dass bestehende Sicherheitsvorschriften möglicherweise angepasst werden müssen. Diese beruhten häufig auf idealisierten Bedingungen, da beispielsweise in Modellen davon ausgegangen wurde, dass (junge) Passagiere schnell reagieren, sich zügig bewegen und die Ausgänge ohne größere Hindernisse erreichen können. Faktoren wie eingeschränkte Mobilität, altersbedingte Verzögerungen, enge Sitzabstände oder Stresssituationen wurden bislang jedoch nur unzureichend berücksichtigt. Doch die alternde Gesellschaft macht es erforderlich, diese realitätsnahen Faktoren in die Planung einzubeziehen.