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Studien im Überblick

Wie hoch ist das Corona-Ansteckungsrisiko im Flugzeug?

Frau im Flugzeug mit Maske
Das Risiko, sich im Flugzeug mit dem Coronavirus anzustecken, ist eher gering – allerdings nur, wenn alle Schutzmaßnahmen eingehalten werdenFoto: Getty Images

Viele träumen schon jetzt, nach dem Corona-Lockdown wieder in ferne Länder zu reisen. Dafür soll fast immer das Flugzeug als Transportmittel genutzt werden. Doch wie hoch ist eigentlich die Gefahr, sich im Flugzeug mit dem Virus SARS-CoV-2 anzustecken? Nach knapp einem Jahr gibt es zahlreiche Studien und Erkenntnisse zu dem Thema – die leider nicht eindeutig sind. TRAVELBOOK hat den aktuellen Stand zusammengefasst.

Fliegen oder lieber lassen – das ist für Reisende während der Corona-Pandemie die Frage. Denn niemand möchte sich im Flugzeug einem erhöhten Risiko aussetzen, sich mit der Krankheit zu infizieren. Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr mit Covid-19 im Flugzeug eigentlich? Welche Rolle spielen die oft beschworenen Luftfilter? Und wie wichtig sind FFP2-Masken? TRAVELBOOK klärt die wichtigsten Fragen.

Welche Rolle spielt der Luftfilter im Flugzeug bei der Corona-Ansteckungsgefahr?

Neben den notwendigen menschlichen Vorsichtsmaßnahmen ist es vor allem die Luft im Flugzeug, die zu einem geringeren Ansteckungsrisiko beiträgt. „Das integrierte Belüftungssystem, das die Luftzufuhr kontinuierlich zirkuliert und auffrischt, filtert mehr als 99 Prozent der Partikel, die Covid-19 verursachen, heraus“, heißt es in einer Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health. 

Allerdings: Die oft verbreitete These, die Luft sei so rein wie in einem OP-Saal stimmt nicht. Wie die „Zeit“ berichtet, hätten Wissenschaftler festgestellt, dass der Luftaustausch mehrere Minuten dauere und die Luft nicht direkt wieder den Weg zurück ins Filtersystem fände. Außerdem komme es durch Temperaturunterschiede in der Kabine und Luftbewegungen zu Verwirbelungen, wodurch sich auch Aerosole in der Kabine verteilen können.

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Gibt es Sitzplätze, die ein höheres Risiko darstellen?

Eine Studie der Emory University in Atlanta, Georgia, hat ergeben, dass es tatsächlich Sitzplätze gibt, die eine Infektion wahrscheinlicher machen, wie etwa WELT schreibt. Schon 2018 hatte das sogenannte Fly Healthy Research Team mitgeteilt, dass die Zahl der Kontaktpersonen, und damit auch das Ansteckungsrisiko, bei einem Gangplatz im Vergleich zu einem Fensterplatz deutlich erhöht sei. Passagiere am Fensterplatz hätten auf einem Flug durchschnittlich lediglich mit 12 Menschen Kontakt, Fluggäste am Gang hingegen mit 64.

Allerdings fand diese Untersuchung bereits vor Corona statt. Wichtiger als der Sitzplatz scheint es zu sein, dass man sich an Bord an die gängigen Schutzmaßnahmen hält.

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Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko, wenn die Schutzmaßnahmen im Flieger eingehalten werden?

Das Risiko, sich mit dem SARS-COV-2-Virus zu infizieren, verringere sich signifikant, wenn und weil im Flugzeug strikte Sicherheitsregeln gelten, so die Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Die Untersuchung habe gezeigt, dass „das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 in einem Flugzeug durch die Kombination mehrschichtiger Maßnahmen zur Infektionskontrolle auf ein sehr niedriges Level reduziert wird“, heißt es im Report zur Studie. Dafür sei die Zusammenarbeit von Fluggästen und Airline gefragt.

Wichtig ist vor allem das Tragen des Mund-und-Nasen-Schutzes durch Passagiere und Crewmitglieder. Das ist inzwischen streng geregelt – wer sich nicht daran halten will, darf nicht fliegen oder muss einen Negativ-Test vorlegen. Ebenso wichtig sind regelmäßiges Händewaschen und das Einhalten des Sicherheitsabstands beim Ein- und Aussteigen. Aber auch das wiederholte Desinfizieren der Oberflächen durch die Airline-Mitarbeiter ist entscheidend.

Voraussetzung für eine geringere Ansteckungsgefahr ist außerdem, dass keine Passagiere mit Corona-Symptomen in das Flugzeug einsteigen – Fluggäste sind dazu angehalten, entsprechende Symptome zu melden. Nichtsdestotrotz könnten Menschen an Bord sein, die nicht wissen, dass sie infiziert sind und entsprechend andere Menschen anstecken, etwa weil sie selbst keine Symptome zeigen. Diese Möglichkeit stellt laut den Forschern ein Risiko dar.

Wie hoch ist das Risiko bei Langstreckenflügen?

Mittlerweile haben zudem mehrere Studien gezeigt, dass das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, auf Langstreckenflügen erhöht ist. So hieß es etwa in einer Studie der Hanoi Medical University, die im Fachblatt „Emerging Infectious Diseases“ erschien, dass das Übertragungsrisiko während eines Fluges zwar als sehr gering eingeschätzt werde, aber „vor allem Langstreckenflüge begründete Sorgen bereiten würden“.

Auch eine Analyse des neuseeländischen Gesundheitsministeriums kam zu dem Ergebnis, dass bereits mehrere Corona-Ausbrüche auf Langstreckenflüge zurückgehen. Grundlage war ein 18-Stunden-Flug von Dubai nach Auckland, bei dem sich sieben Menschen mit Corona infizierten, nachweislich gingen vier Infektionen auf einen Corona-Erkrankten an Bord zurück. „Diese Übertragungen geschahen trotz des mitgeteilten Einsatzes von Masken und Handschuhen“, teilten die Wissenschaftler mit.

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Fazit: Wie sicher ist Fliegen trotz Corona?

Das Risiko, sich auf einem Flug mit dem Coronavirus zu infizieren, ist eher gering – aber es ist durchaus möglich. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC fasst es wie folgt zusammen: „Viren und Bakterien verbreiten sich generell durch die Filtrationssysteme nicht leicht an Bord von Fliegern. Dennoch ist es schwierig, in vollen Flugzeugen Abstand zu halten und nahes Beieinandersitzen, manchmal stundenlang, kann das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, erhöhen.“ Dementsprechend sollte jeder Flug gut überlegt sein.

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