Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Aktuelle US-Studie

Corona-Ansteckungsrisiko im Flugzeug sinkt mit freiem Mittelsitz deutlich

Frau im Flugzeug mit Maske
Das Risiko, sich im Flugzeug mit dem Coronavirus anzustecken, ist eher gering – allerdings nur, wenn alle Schutzmaßnahmen eingehalten werdenFoto: Getty Images

Viele träumen davon, nach dem Corona-Lockdown wieder in ferne Länder zu reisen. Dafür soll fast immer das Flugzeug als Transportmittel genutzt werden. Doch wie hoch ist eigentlich die Gefahr für Nicht-Geimpfte, sich im Flugzeug mit dem Corona-Virus anzustecken? Inzwischen gibt es zahlreiche Studien und Erkenntnisse zu dem Thema – die leider nicht eindeutig sind. TRAVELBOOK hat den aktuellen Stand zusammengefasst.

Fliegen oder lieber lassen – das ist für Reisende während der Corona-Pandemie die Frage. Denn niemand möchte sich im Flugzeug einem erhöhten Risiko aussetzen, sich mit der Krankheit zu infizieren. Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr mit Covid-19 im Flugzeug eigentlich? Welche Rolle spielen die oft beschworenen Luftfilter? Und wie wichtig sind FFP2-Masken? TRAVELBOOK klärt die wichtigsten Fragen.

Feier Mittelsitz senkt Corona-Ansteckungsrisiko im Flugzeug deutlich

Das Risiko, mit dem Virus in Kontakt zu kommen, kann in Flugzeugen mit einem oder zwei Gängen um bis zu 57 Prozent gesenkt werden, wenn die mittleren Sitze frei bleiben. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der US-Seuchenschutzbehörde CDC und der Kansas State University, die am Mittwoch (14. April) veröffentlicht wurde. Die Forscher haben Labormodelle verwendet, um zu simulieren, wie stark die Exposition gegenüber Viruspartikeln reduziert werden kann, wenn das Flugzeug nicht vollbesetzt ist.

Die Modelle legen nahe, dass das Ansteckungsrisiko bei freien Mittelsitzen um 23 Prozent für einen einzelnen Passagier sank, wenn dieser in derselben Reihe, aber zwei Sitze entfernt von einem infizierten Passagier saß. Wenn die Mittelsitze in einem Abschnitt von drei Reihen frei waren, in denen eine Mischung aus Personen mit Covid-19 und gesunden Passagieren saßen, sank das Risiko sogar auf 57 Prozent.

Die Forscher betonen jedoch, dass mit der Studie nur untersucht wurde, inwiefern Passagiere im Flugzeug unter bestimmten Bedingungen dem Virus ausgesetzt sind bzw. mit diesem in Kontakt kommen. Es seien weitere Forschungen erforderlich, um auch das Risiko einer möglichen Übertragung von Covid-19 zu bestimmen.

Welche Rolle spielt der Luftfilter im Flugzeug bei der Corona-Ansteckungsgefahr?

Neben den notwendigen menschlichen Vorsichtsmaßnahmen ist es vor allem die Luft im Flugzeug, die zu einem geringeren Ansteckungsrisiko beiträgt. „Das integrierte Belüftungssystem, das die Luftzufuhr kontinuierlich zirkuliert und auffrischt, filtert mehr als 99 Prozent der Partikel, die Covid-19 verursachen, heraus“, heißt es in einer Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health. 

Allerdings: Die oft verbreitete These, die Luft sei so rein wie in einem OP-Saal stimmt nicht. Wie die „Zeit“ berichtet, hätten Wissenschaftler festgestellt, dass der Luftaustausch mehrere Minuten dauere und die Luft nicht direkt wieder den Weg zurück ins Filtersystem fände. Außerdem komme es durch Temperaturunterschiede in der Kabine und Luftbewegungen zu Verwirbelungen, wodurch sich auch Aerosole in der Kabine verteilen können.

Auch interessant: Passagiere dürfen Luftdüsen im Flugzeug wegen Corona nicht benutzen

Gibt es Sitzplätze, die ein höheres Risiko darstellen?

Eine Studie der Emory University in Atlanta, Georgia, hat ergeben, dass es tatsächlich Sitzplätze gibt, die eine Infektion wahrscheinlicher machen, wie etwa WELT schreibt. Schon 2018 hatte das sogenannte Fly Healthy Research Team mitgeteilt, dass die Zahl der Kontaktpersonen, und damit auch das Ansteckungsrisiko, bei einem Gangplatz im Vergleich zu einem Fensterplatz deutlich erhöht sei. Passagiere am Fensterplatz hätten auf einem Flug durchschnittlich lediglich mit 12 Menschen Kontakt, Fluggäste am Gang hingegen mit 64.

Allerdings fand diese Untersuchung bereits vor Corona statt. Wichtiger als der Sitzplatz scheint es zu sein, dass man sich an Bord an die gängigen Schutzmaßnahmen hält.

Auch interessant: Mit „Travel Pass“ soll Fliegen in Corona-Zeiten sicherer werden

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko, wenn die Schutzmaßnahmen im Flieger eingehalten werden?

Das Risiko, sich mit dem SARS-COV-2-Virus zu infizieren, verringere sich signifikant, wenn und weil im Flugzeug strikte Sicherheitsregeln gelten, so die Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Die Untersuchung habe gezeigt, dass „das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 in einem Flugzeug durch die Kombination mehrschichtiger Maßnahmen zur Infektionskontrolle auf ein sehr niedriges Level reduziert wird“, heißt es im Report zur Studie. Dafür sei die Zusammenarbeit von Fluggästen und Airline gefragt.

Wichtig ist vor allem das Tragen des Mund-und-Nasen-Schutzes durch Passagiere und Crewmitglieder. Das ist inzwischen streng geregelt – wer sich nicht daran halten will, darf nicht fliegen oder muss einen Negativ-Test vorlegen. Ebenso wichtig sind regelmäßiges Händewaschen und das Einhalten des Sicherheitsabstands beim Ein- und Aussteigen. Aber auch das wiederholte Desinfizieren der Oberflächen durch die Airline-Mitarbeiter ist entscheidend.

Voraussetzung für eine geringere Ansteckungsgefahr ist außerdem, dass keine Passagiere mit Corona-Symptomen in das Flugzeug einsteigen – Fluggäste sind dazu angehalten, entsprechende Symptome zu melden. Nichtsdestotrotz könnten Menschen an Bord sein, die nicht wissen, dass sie infiziert sind und entsprechend andere Menschen anstecken, etwa weil sie selbst keine Symptome zeigen. Diese Möglichkeit stellt laut den Forschern ein Risiko dar.

Wie hoch ist das Risiko bei Langstreckenflügen?

Mittlerweile haben zudem mehrere Studien gezeigt, dass das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, auf Langstreckenflügen erhöht ist. So hieß es etwa in einer Studie der Hanoi Medical University, die im Fachblatt „Emerging Infectious Diseases“ erschien, dass das Übertragungsrisiko während eines Fluges zwar als sehr gering eingeschätzt werde, aber „vor allem Langstreckenflüge begründete Sorgen bereiten würden“.

Auch eine Analyse des neuseeländischen Gesundheitsministeriums kam zu dem Ergebnis, dass bereits mehrere Corona-Ausbrüche auf Langstreckenflüge zurückgehen. Grundlage war ein 18-Stunden-Flug von Dubai nach Auckland, bei dem sich sieben Menschen mit Corona infizierten, nachweislich gingen vier Infektionen auf einen Corona-Erkrankten an Bord zurück. „Diese Übertragungen geschahen trotz des mitgeteilten Einsatzes von Masken und Handschuhen“, teilten die Wissenschaftler mit.

Auch interessant: Günstig, voll und wenig Kontrolle – mein Flug von Lissabon nach Berlin in Corona-Zeiten

Fazit: Wie sicher ist Fliegen trotz Corona?

Das Risiko, sich auf einem Flug mit dem Coronavirus zu infizieren, ist eher gering – aber es ist durchaus möglich. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC fasst es wie folgt zusammen: „Viren und Bakterien verbreiten sich generell durch die Filtrationssysteme nicht leicht an Bord von Fliegern. Dennoch ist es schwierig, in vollen Flugzeugen Abstand zu halten und nahes Beieinandersitzen, manchmal stundenlang, kann das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, erhöhen.“ Das Risiko einer Ansteckung sinkt einer anderen Studie zufolge deutlich, wenn die Mittelsitze freibleiben.

Themen