22. September 2025, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Erst kürzlich wurde Air France als immerhin zweitbeste europäische Fluggesellschaft geehrt. Keine Frage, es handelt sich um einen der Top-Carrier. Trotzdem sollte man bei der Buchung bestimmter Routen unbedingt der Konkurrenz den Vortritt lassen. TRAVELBOOK erklärt, warum die französische Fluggesellschaft zu einigen Zielen in Zentralafrika mehrere Stunden länger unterwegs ist als viele andere Airlines.
Air France gilt als Premium-Airline. Das Consulting-Unternehmen Skytrax hat sie für einen hohen Komfort und ausgezeichneten Service an Bord bereits mehrfach mit vier Sternen bewertet. Im Ranking über die besten europäischen Airlines belegte sie kürzlich einen respektablen zweiten Platz. Doch so angenehm das Reiseerlebnis demnach sein mag – man würde wohl ungern einige Stunden länger in einer Air-France-Maschine sitzen müssen als nötig. Doch auf einer Route von der französischen Hauptstadt aus nach Bangui in Zentralafrika müsste man genau das, wie ein Screenshot der Flugverfolgungs-App Flightradar24, gepostet auf der Nutzerplattform „Reddit“, nahelegt. Das Bild zeigt, dass der Flug AF757 einen L-förmigen Kurs von Frankreich aus über Spanien, Marokko und Mauretanien nimmt, bevor er über Guinea wieder nach Osten fliegt. Man muss weder Geografie- noch Luftfahrtexperte sein, um zu merken: Das ist ein großer Umweg, der zusätzliche Flugstunden mit sich bringt. Doch warum wird er genommen?
Experte erklärt Umweg von Air France nach Zentralafrika
TRAVELBOOK fragte beim Luftfahrtexperten Cord Schellenberg nach. Er erklärt die verlängerte Flugzeit mit Air France an verschiedene Ziele in Zentralafrika zunächst mit geopolitischen Rahmenbedingungen – und in dem Zusammenhang mit dem internationalen Zivilluftfahrtabkommen von Chicago. Dieses regelt, dass jeder Staat volle und ausschließliche Hoheit über den Luftraum über seinem Staatsgebiet hat. „Befinden sich nun Regierungen verschiedener Länder miteinander im Streit“, so Schellenberg, „dann können sie Flugzeugen des anderen Landes untersagen, den Luftraum zu nutzen.“
Sie haben es geahnt: Der Kern des „Problems“ ist die französische Herkunft der Airline. Ein wenig Hintergrundinfo dazu gibt es beim Online-Portal „Fokus Afrika“. In Mali, Burkina Faso und Niger sind seit einigen Jahren nach Putschen militärische Regimes an der Macht. Viele dieser Regierungen haben ihre Beziehungen zu Frankreich deutlich abgekühlt. Niger hat seinen Luftraum für französische Fluggesellschaften geschlossen. Das heißt, dass Air France ihn noch nicht einmal überfliegen darf – egal, ob sie dort landen oder nur passieren möchte. Mali und Burkina Faso sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben Air France zeitweise die Betriebserlaubnis entzogen. Die Airline darf daher gar keine Flüge mehr zu Flughäfen in diesen Ländern anbieten.
Im April 2025 sind weitere Einschränkungen im algerischen Luftraum hinzugekommen. Aufgrund von Spannungen zwischen Algerien und Mali werden französische Flugzeuge dort nicht mehr durchgelassen. Dadurch verliert Air France eine wichtige Abkürzung auf dem Weg nach Subsahara-Afrika. Kurzum, sie ist gezwungen, einen weiten Umweg über den Atlantik und Westafrika zu fliegen.
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Die Folge für Air France ist also, dass sie das Hoheitsgebiet – also den fremden Luftraum –umfliegen muss, bringt Cord Schellenberg noch einmal auf den Punkt. „Dadurch kann es zu größeren Umwegen und entsprechend längeren Flugzeiten kommen, für die die betroffene Airline keine zusätzlichen Einnahmen erhält. Die Kosten trägt also sie selbst.“ Logisch: Längere Strecken bedeuten neben längeren Flugzeiten auch höhere Treibstoffkosten, in diesem Fall, ohne dass die Airline zusätzliche Einnahmen erzielen.
Anders also als häufig der Fall, wenn längere und kompliziertere Reiseverbindungen die günstigeren sind, können Air-France-Flüge nach Zentralafrika, die einige Stunden länger dauern, auch noch mehr kosten. Laut Fachmann Schellenberg könnte die Fluggesellschaft versuchen, mehr hochwertige (sprich: teure) Tickets zu verkaufen oder die Frachtraten anzuheben. „Möglicherweise entgeht ihr dann aber Geschäft, weil andere Fluggesellschaften den direkten Flugweg nutzen können, billiger produzieren und ihre Sitzplätze günstiger anbieten.“
Sicherheitspolitische Gründe für Umwege
Neben politischen Konflikten gibt es noch einen weiteren Faktor: Sicherheitsrisiken.
Einige Regionen in Afrika gelten als zu gefährlich, um sie zu überfliegen. „Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) stuft den libyschen Luftraum als unsicher ein“, erklärt Schellenberg. „Daher meiden viele Airlines Libyen und auch angrenzende Gebiete wie den Tschad.“
Das führt zu weiteren Einschränkungen bei der Routenplanung und macht es noch schwieriger, eine kurze und direkte Verbindung zu fliegen.

