„Team Wallraff – Reporter undercover“ bei RTL

Wie Flugbegleiter bei Ryanair unter Druck gesetzt werden

Team Wallraff - Reporter undercover
„Team Wallraff“-Undercover-Reporterin Alicia bei Ryanair in der Kabine
Foto: TVNOW

Eine Reporterin aus dem Team Wallraff der gleichnamigen RTL-Sendung hat sich undercover bei mehreren Billig-Airlines eingeschleust – unter anderem bei Ryanair. Was sie dort aufdeckte, ist erschreckend und zeigt, wie Ryanair mit seinen Mitarbeitern umgeht.

Bei Ryanair geht es nur um Zahlen. Das macht eine Ausbilderin der Reporterin namens Alicia aus der RTL-Sendung „Team Wallraff: Reporter Undercover“ , die am Montagabend ausgestrahlt wurde, bereits bei der Begrüßung deutlich. Das Wohl der Mitarbeiter und auch der Passagiere scheint zweitrangig zu sein. Die Ausbilderin ist auf den mit versteckter Kamera gefilmten Aufnahmen sehr harsch, immer wieder werden die Mitarbeiter beschimpft und angeschrien. Sie sagt: „Ihr werdet mich hassen. Wir sind keine Freunde und werden es auch nie werden. (…) Tatsächlich scheint das eine Masche zu sein: Die Mitarbeiter sollen möglichst klein gehalten werden, damit sie keinen Widerstand leisten und sich nicht trauen, Kritik zu äußern.

Schon während ihrer Ausbildung in einem Trainingscenter in Frankfurt-Hahn merkt Alicia, was bei Ryanair scheinbar wirklich zählt: Geld. Gespart wird vor allem bei Notfall- und Erste-Hilfe-Übungen, diese entsprächen, so ein Sicherheitsexperte zu RTL, lediglich den Mindestanforderungen. Besonders von den Notfallübungen ist der Experte schockiert, denn es werden nur wenige Szenarien geübt und es gibt keine Nachbesprechungen.

Wie viel verdienen eigentlich Ryanair-Piloten?

Wichtiger als die Sicherheit scheint das Verkaufstraining zu sein, denn damit verdiene Ryanair wirklich ihr Geld. „Wenn du auf einem Flug keine 50 Euro einnimmst, musst du dich erklären“, so die Ausbilderin. Insgesamt investiert man hier eine Woche in die Ausbildung – in die Evakuierungs-Schulungen hingegen nur einen Tag.

Später im Berufsalltag wird die Reporterin merken, dass auf den Verkaufsgeräten je nach Einnahmen ein glücklicher oder ein trauriger Smiley angezeigt wird. Nehme man zu wenig ein, so erklärt es ihr ein Kollege, müsse man sich später bei Ryanair rechtfertigen.

Ryanair hält sich scheinbar nicht an EU-Recht

Auch rechtlich verhält sich Ryanair den Recherchen der Sendung zufolge gegenüber den Mitarbeitern und Passagieren gesetzeswidrig. So würden Passagieren zum Beispiel ihre Rechte bei Verspätungen verwehrt. Konkret erlebt Inkognito-Flugbegleiterin Alicia aus dem Team Wallraff auf einem Flug im Juli von Manchester nach Frankfurt, der erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung abhebt, dass den Passagieren kostenlose Getränke verweigert werden. Das verstößt gegen geltendes EU-Recht. Als sie ihre Vorgesetzten damit konfrontiert, erhält sie die Antwort: „Das ist Ryanair scheißegal. Wenn du etwas gratis rausgibst, bekommst du Probleme.“ Auch hier scheint Ryanair nur am Gewinnoptimierung interessiert zu sein – genauso wie bei den Rubbellosen, die Ryanair auf jedem Flug bewirbt. Eine weitere Verkaufsmasche. Mehr dazu lesen Sie hier: Warum Sie bei Ryanair niemals Rubbellose kaufen sollten!

Hohe körperliche Belastung

Die Gesundheit der Mitarbeiter wird ebenfalls wissentlich aufs Spiel gesetzt. Die körperliche Belastung sei, so die Undercover-Reporterin, schlimm gewesen. Es habe nie Pausen gegeben, und neben den körperlichen Schmerzen habe sie auch noch unter massivem Stress gestanden. Doch wer sich krankmeldet muss damit rechnen, nach Dublin in die Zentrale beordert zu werden. Genau das passierte auch Reporterin Alicia, als sie sich wegen einer Migräne einige Tage krankmeldete. In einem persönlichen Gespräch wird sie nicht nur auf ihre Krankmeldungen angesprochen, sondern auch darauf, dass ihre Verkaufserlöse zu gering seien. Man wolle mit einem Personaler über ihre weitere Zukunft im Unternehmen sprechen. Nach diesem Gespräch kündigt Alicia. Ihr Lohn für vier Wochen Arbeit bei Ryanair? 102 Euro. Grund dafür seien Strafsteuern gewesen. Was genau diese Strafsteuern sind, wird nicht weiter erklärt.

In einem Interview mit RTL stritt Ryanair-Chef Micheal O‘ Leary ab, dass während der Ausbildung nur ein einziges  Evakuierungsszenario geübt werde. Des Weiteren sei es „absoluter Quatsch“, dass Mitarbeiter nach Krankmeldungen mit Kündigungen gedroht werde. So etwas habe es nie gegeben, die Anschuldigungen seien „erfunden“ und „komplett falsch“.

Auch TRAVELBOOK hat Ryanair mit den in der RTL-Sendung erhobenen Vorwürfen konfrontiert, bisher jedoch keine Antwort erhalten.

 

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