20. Oktober 2025, 11:39 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Vor den Toren von Indiens Metropole Mumbai ist ein riesiger neuer Flughafen eröffnet worden, der künftig zu einem neuen Drehkreuz in Asien avancieren soll. Alle Infos zum neuen Navi Mumbai International Airport.
Eine riesige champagnerfarbene Lotusblume erstreckt sich im dichten indischen Smog: der glänzende Navi Mumbai International Airport, kurz NMIA, ist endlich eröffnet. Schon lange geplant und immer wieder verzögert, nimmt der Betrieb am neuen Mega-Airport Indiens langsam Fahrt auf, obwohl er noch nicht ganz fertig ist. Vorerst dürfen hier nur Passagiere fliegen, die innerhalb Indiens reisen, ab Mitte Dezember sollen auch internationale Ziele bedient werden.
Übersicht
20 Millionen Passagiere im ersten Jahr
Der NMIA startet phasenweise, mit fünf Phasen insgesamt. Jetzt, am Anfang, sollen erst einmal 20 Millionen Passagiere pro Jahr auf einer Start- und Landebahn sowie in einem einzelnen Terminal abgefertigt werden. Hinzu kommen 0,5 Millionen Tonnen Fracht. Unter anderem soll Mumbais Billigfluggesellschaft Akasa Air mit mehr als 100 wöchentlichen Inlandsflügen starten – „und diese Zahl im Winterflugplan auf mehr als 300 Inlandsflüge und mehr als 50 internationale Flüge pro Woche ausweiten“, heißt es seitens des Flughafens. „Keine Fluggesellschaft in Indien wird einen größeren Anteil ihrer Flotte und ihres Betriebs am NMIA haben als Akasa Air“, erklärt dessen Gründer und CEO Vinay Dube.
Die geplanten 20 Millionen Flugpassagiere am NMIA dürften in Indiens zweitgrößter Stadt bereits einen Unterschied machen. Bislang wurden sämtliche Flugpassagiere Mumbais am Chhatrapati Shivaji Maharaj International Airport (BOM) abgefertigt. Zu viele. Die Folge: Lange Warteschlangen, Verspätungen, kurzum: Chaos. Der Flughafen in Indiens Millionenmetropole platzt aus allen Nähten. Oder in den Worten Arun Bansals, dem CEO der Betreibergesellschaft Adani Airport Holdings Limited: „Der derzeitige Flughafen hat seine Kapazität von 55 Millionen Passagieren pro Jahr erreicht.“ Dem soll der neue Flughafen im benachbarten Navi Mumbai, östlich der Stadt, Abhilfe leisten. Eine Kapazität von weiteren 20 Millionen sei dringend notwendig, erklärte Bansal laut BBC. Entsprechend werde der Flughafen Navi Mumbai die Verkehrsüberlastung in Indiens Finanzhauptstadt „deutlich verringern“. Doch damit sind die Pläne für den Flughafen Navi Mumbai nicht erschöpft.
Vielmehr haben sich die Betreiber weit höhere Ziele gesteckt als nur die Entlastung des BOM: Indiens größtes Luftfahrtzentrum soll der NMIA werden. Ein Drehkreuz in Asien und eine Konkurrenz für andere, bereits aktive Drehkreuze in der Region, wie etwa Dubai oder Singapur.
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90 Millionen Passagiere in der Zukunft
Auf Dauer soll der 1.160 Hektar große Flughafen Navi Mumbai jährlich 90 Millionen Fluggäste bedienen können und „auf vier Start- und Landebahnen, mehrere Terminals und einen Frachtkomplex erweitert werden“, schreibt das zuständige Architekturbüro Zaha Hadid Architects in einer Mitteilung. Schafft er das, reicht er fast an Dubais DXB (ca. 92 Millionen Fluggäste pro Jahr) heran und übertrifft sogar Flughafen-Riesen wie Singapurs Changi (ca. 67 Millionen), Londons Heathrow (ca. 84 Millionen) oder New Yorks JFK (ca. 63 Millionen).
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Wie kommt man zum Flughafen Navi Mumbai?
Bis dahin hat der Flughafen Navi Mumbai jedoch noch ein weiteres, längeres Wegstück vor sich. Denn neben dem Flughafen selbst – der es mit seinen diversen eingeebneten Hügeln, umgeleiteten Flüssen und überbrückten Bächen sowie diversen Verzögerungen bei seiner geplanten Fertigstellung im Jahr 2032 auf mehr als 15 Jahre Bauzeit gebracht haben wird – gibt es auch außerhalb akut ein paar offene Baustellen. Eine der wichtigsten: die Anschlüsse ans Verkehrsnetz.
Der Flughafen Navi Mumbai liegt rund 40 Kilometer vom Stadt- und Geschäftszentrum in South Mumbai entfernt. Etwa 35 Kilometer trennen den neuen Airport von Mumbais bisherigem Hauptflughafen. Im dichten Verkehrsgewusel der Stadt bedeutet das eine Fahrtzeit von mindestens eineinhalb Stunden. Das klingt erst einmal nicht allzu schlimm, ist angesichts des Mumbaier Verkehrsgewusels aber ohnehin nur relativ zu sehen. Mehr Verkehr zum und vom Flughafen würde am Ende vermutlich noch eine Verlängerung der Fahrtzeit bedeuten – von den zunehmenden Autoabgasen im smogvernebelten Mumbai ganz zu schweigen.
Direktverbindung zwischen den Flughäfen
Der Ausbau des bisherigen öffentlichen Verkehrssystems soll Abhilfe schaffen: „Die geplante multimodale Anbindung des Flughafens – die den Mumbai Trans Harbor Link, Navi Mumbai und Mumbai Metro, die S-Bahn und Fähren miteinander verbindet – wird die regionale Erreichbarkeit deutlich verbessern (und) die Reisezeit verkürzen“, schwärmen die Architekten des Flughafens. Darüber hinaus werde durch das Verkehrsvorhaben „die wirtschaftliche Entwicklung in ganz Westindien“ gefördert. Ist die direkte U-Bahn-Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Flughafen erst einmal fertig, soll es im 20-Minuten-Takt hin- und hergehen. Das dürfte laut der BBC jedoch noch Jahre dauern. Bis dahin sollen Elektrobusse die Umsteigepassagiere hin- und herfahren. Offenbar eine typische Praxis in Indien, wenn man dem von der BBC befragten Luftfahrtberater glaubt. Dieser erklärte, unterstützende Infrastruktur werde oftmals erst nachträglich statt parallel gebaut.

