8. Dezember 2025, 17:10 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Einmal mit einem Privatjet fliegen – für die meisten von uns „Normalos“ bleibt das ein Leben lang allein aus finanziellen Gründen eine Wunschvorstellung. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, um an Bord eines Privatjets zu gelangen, nämlich als Flugbegleiterin. Genau das hat Katharina Chiao-Li Fuchs gemacht. Auf Instagram berichtet sie regelmäßig über ihre absurden Erfahrungen. Im Gespräch mit TRAVELBOOK hat sie verraten, wie sie überhaupt zu dem Job gekommen ist, was sie als Erstes gelernt hat und warum sie die Arbeit langfristig an den Nagel gehängt hat.
Entspannt in den Flieger einsteigen, genug Platz und vor allem Privatsphäre – das hat man eigentlich nur in einem Privatjet. Mit dem nötigen Kleingeld ist eine Reise damit möglich – oder eben als Teil der Bordcrew. Und das kann man auch als Quereinsteiger werden, erzählt Ex-Privatjet-Flugbegleiterin Katharina Chiao-Li Fuchs. „Sie haben Leute gesucht, die größtenteils aus der Hotellerie oder Gastronomie kommen, aber manchmal nehmen sie auch Quereinsteiger, weil es im Privatjet um Service geht.“ Und so ist auch sie dazugekommen. „Ich war Anfang 30, hatte mich von meinem Freund getrennt und wollte mich beruflich neu orientieren“, erzählt Fuchs. Ein Unternehmen in Hamburg suchte gerade Flugbegleiterinnen, und so kam eins zum anderen.
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Beim Sicherheitstraining ging es um Schutz vor Passagieren
Egal, ob Privatjet oder Linienflieger – bevor es in die Luft geht, müssen alle Flugbegleiter ein sogenanntes Ground-Training absolvieren. Nach einem zweitägigen Sicherheitstraining lag der Fokus bei der Privatjet-Crew allerdings ganz woanders. „90 Prozent waren nur ‚Was machst du, wenn dir fünf Geschäftsmänner an die Wäsche wollen, aber die Tür zum Kapitän ist geschlossen?‘ – oder, wie man eine Champagnerflasche öffnet“, erklärt die Ex-Privatjet-Flugbegleiterin. Es ging also mehr um den Schutz vor oder die Unterhaltung für Passagiere.
Sollte es doch mal zu einer übergriffigen Situation kommen, gab es sogar extra Hilfe-Codes. „Im besten Fall sollte man dann nach hinten zur Toilette laufen, mit einem Fuß die Tür zuhalten und dann den dahinterliegenden Gepäckraum öffnen. Beim Kapitän geht dann ein Licht an. Macht man die Tür zweimal auf und zu, weiß er, dass etwas los ist.“
Aber auch die Reinigung des Jets war ein Thema: „Wir hatten auch viele Gäste, die Feinde hatten. Deshalb durften dann keine externen Reinigungskräfte in den Flieger und wir mussten immer alles sauber machen.“ Oft sei sie zu Superwoman mutiert. „Ich habe mich manchmal wie in der Höhle des Löwen gefühlt. Wie so eine kleine Maus, die den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen wurde“, so Fuchs.
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»Der Sohn eines Präsidenten trat die Tür ein
Dramatische Situationen gab es viele – den Alarm musste sie zum Glück aber nie auslösen. Und trotzdem gab es immer wieder Momente, die sie nicht mehr vergessen wird. „Einmal hat mir der Sohn eines Präsidenten, der total betrunken war, Geld ins Gesicht geschmissen und mich immer wieder gefragt, warum ich ihn nicht daten will. Und nachdem er mich immer mehr bedrängt hat, habe ich mich in meiner kleinen Küche eingeschlossen, die Tür hat er allerdings eingetreten. In dem Moment hatte ich aber schon dem Kapitän Bescheid gegeben“, so Fuchs. Die Situation ging also glimpflich aus.
Irgendwann war der Job dann aber einfach doch zu viel. „Ich verstehe bis heute nicht, wie Menschen so sein können. 95 Prozent haben mich wie Dreck behandelt“, erzählt sie. Nach zweieinhalb Jahren war dann Schluss. „Ich habe festgestellt, dass ich das nicht mehr schaffte, weil es einfach ein anstrengender Job war. Ich bin 21 Tage im Monat geflogen und der Verdienst war einfach richtig schlecht.“ Viele würden denken, dass man bei so einem Job viel Trinkgeld bekomme – doch dem sei nicht so. „Ich habe in den zweieinhalb Jahren vielleicht dreimal Trinkgeld bekommen und das musste ich immer mit den Piloten teilen.“ Aber auch der Fakt, dass man im Grunde immer allein ist, außer es wird eine zweite Flugbegleiterin dazugebucht, führte dazu, den Job aufzugeben.
Zum Schluss war (wieder) eine Leiche an Bord
Als würde sich ein Kreis schließen, hatten der allererste sowie der wirklich letzte Flug mit dem Privatjet etwas gemeinsam: Jedes Mal war eine Leiche an Bord. „Auf meinem ersten Flug transportierten wir die Leiche eines ehemaligen Rennfahrers. Wenige Tage später saß ein weiterer Rennfahrer an Bord auf dem Weg zur Beerdigung. Und bei meinem letzten Flug hatten wir die Leiche einer Mutter aus Saudi-Arabien im Flieger. Das war richtig traurig, da die Tochter durchweg geweint hat“, erklärt die ehemalige Privatjet-Flugbegleiterin.