23. Juli 2025, 6:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Es gibt viele Menschen, die eigentlich gern eine Kreuzfahrt unternehmen würden, aber aus Sorge vor möglichen gesundheitlichen Problemen auf hoher See darauf verzichten. Dabei ist für diesen Fall gesorgt: Die Schiffe verfügen über ein gut ausgestattetes Bordhospital, in dem mehrere Ärzte tätig sind. Einer von ihnen ist der ehemalige Herzchirurg Dr. Reinhard Friedl – mit großer Leidenschaft für seinen Beruf. So groß, dass er über seine Erfahrungen als Schiffsarzt ein ganzes Buch geschrieben hat. Im TRAVELBOOK-Interview hat er Spannendes aus seinem Alltag auf hoher See verraten – von den häufigsten bis zu den ungewöhnlichsten medizinischen Problemen und dem, was Kreuzfahrt-Passagiere mit den besten Absichten besonders oft falsch machen.
Kreuzfahrten dauern in der Regel zwischen sieben und 14 Tagen. Diese Zeit möchte man natürlich am liebsten quietschfidel verbringen. Doch Passagierschiffe sind, wie generell Gemeinschaftseinrichtungen, Orte, an denen sich Infektionskrankheiten besonders leicht und schnell verbreiten können. Das zeigen nicht zuletzt die auffälligen Häufungen von Norovirus-Ausbrüchen in den vergangenen Monaten (TRAVELBOOK berichtete). Tatsächlich seien andere medizinische Probleme an Bord noch deutlich häufiger, versichert Dr. med. Reinhard Friedl. Der ehemalige Herzchirurg hat nach rund 3000 Operationen den OP-Kittel gegen die Uniform des Schiffsarztes auf der Flotte einer deutschen Reederei getauscht – ein Schritt, mit dem er sich einen Kindheitstraum erfüllte: „Ich wollte als Seemann die Welt erkunden“, sagt er. In seinem Buch „Ein Arzt für jede Welle“ (Goldmann Verlag) erzählt er aus seinem spannenden Arbeitsalltag, und so auch TRAVELBOOK-Interview. Wobei von „Alltag“ eigentlich keine Rede sein kann.
Häufige medizinische Probleme auf Kreuzfahrten – und seltene
Vom erwähnten Norovirus – oder jedenfalls von schweren Ausbrüchen, die zur Stilllegung eines Schiffes geführt hätten – blieben Dr. Friedls Besatzungen dank strenger Hygienemaßnahmen bislang verschont. Die demnach häufigsten medizinischen Probleme auf Kreuzfahrten klingen dagegen zunächst harmlos: Atemwegserkrankungen, Kreislaufprobleme, kleine Verletzungen.
Doch auch außergewöhnlichere Dinge kommen vor. „Einmal wurde ein Passagier von einem Affen gezwickt, ein anderer trat in einen Seeigel. Das passiert einem in München eher selten“, scherzt der Schiffsarzt. Sein Rat: keine Tiere füttern und im Wasser besser Badeschuhe tragen. Gern erinnert er sich an ein kurioses Erlebnis zurück. „Einmal kam eine Dame mit Übelkeit und dachte, sie sei seekrank. Im Ultraschall sah man dann ein winzig kleines, schlagendes Herz in ihrem Bauch.“ Die Freude der Frau sei riesengroß gewesen.
Doch anders als etwa bei der Filmreihe „Das Traumschiff“, die für ihre positiven und oft gar kitschigen Happy Ends bekannt ist, nehmen echte Vorkommnisse auf Kreuzfahrtschiffen nicht immer ein erfreuliches Ende. Besonders nah ging Dr. Friedl der Verlust eines jungen Crew-Mitglieds, das auf See an einer Hirnblutung starb. „Wir haben alles versucht. Aber selbst mit der besten Intensivmedizin sind manche Dinge nicht aufzuhalten.“
Wie gut ist ein Bordhospital ausgestattet?
Stichwort Intensivmedizin. Wie gut ist das Bordhospital ausgestattet – könnte man theoretisch eine Blinddarm-OP durchführen? „Die Ausstattung an Bord ist vergleichbar mit einer Notaufnahme an Land: mehrere Sprechzimmer, Labor, Apotheke, Röntgen, Ultraschall, ein OP und eine Intensivstation.“ Und: „Ja, wir könnten einen Blinddarm operieren. Aber solche Eingriffe sind die absolute Ausnahme.“
Das Verfahren sieht eigentlich so aus, dass auf der Intensivstation und im OP des Kreuzfahrtschiffs das Überleben kritisch kranker Menschen gesichert wird. Diese werden dann so schnell wie möglich an eine Klinik an Land übergeben. „In den meisten Fällen erfolgt der Transport mit einem Helikopter“, erklärt der Schiffsarzt. Der Haken: Auf dem Schiff kann der Hubschrauber nicht landen, daher wird der Patient an einem Stahlseil vom Deck abgeholt, meist begleitet von einem Notarzt. Auch Rettungsboote der Küstenwache kommen zum Einsatz, wenn Wind und Wellen es erlauben.
»Viele Krankheitsfälle an Bord wären vermeidbar
Interessant: Nach Dr. Friedls Erfahrung könnten viele Krankheitsfälle an Bord durch gute Vorbereitung vermieden werden. Anders gesagt: Viele Kreuzfahrt-Passagiere neigen dazu, dieselben Gesundheitsfehler zu machen. Etwa gehen sie an Bord, wenn sie sich bereits angeschlagen fühlen, „und kaufen dagegen Mittel in Drogerien, die oft nicht so helfen wie erwartet“, berichtet der Arzt. „Manche von ihnen kommen erst dann ins Hospital, wenn aus der Erkältung schon eine Bronchitis geworden ist.“
Warum Sie auf einem Kreuzfahrtschiff besser nicht krank werden sollten
Immer mehr Norovirus-Fälle auf Kreuzfahrtschiffen – so schützen Sie sich!
Am häufigsten passieren Fehler rund um die Medikamente
Rund um die Mitnahme von Medikamenten gibt es verschiedene Fehlerquellen. So sollte laut Dr. Friedl der Hausarzt Präparate, die etwa die Blutgerinnung oder den Blutdruck von Patienten beeinflussen, nicht erst wenige Tage vor der Kreuzfahrt umstellen. „Dies sollte mindestens vier Wochen vor Antritt der Reise passieren.“ Ebenso wichtig: Medikamente gehören ins Handgepäck. „Wenn jemand versehentlich nicht genügend Medikamente mitgenommen hat, bitte nicht halbieren oder einfach weglassen, sondern im Bordhospital vorstellig werden.“
Auch interessant: An dieser Kreuzfahrt dürfen nur Frauen teilnehmen
Was Sie auf Kreuzfahrten dabei (und erledigt haben) sollten
„Für die kleinen Malaisen empfiehlt es sich, eine Salbe gegen Mückenstiche, Sonnenbrand und Prellungen mitzuführen und Paracetamol bei Erkältungen und Schmerzen. Außerdem sollten Reisende eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Das Wichtigste aber ist, jeden Tag das gesunde Klima auf See zu genießen – das stärkt das Immunsystem und macht Freude.“

