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Rauchen im Flugzeug: Was passiert, wenn man es tut?

Aktueller Fall zeigt

Das kann passieren, wenn man im Flugzeug raucht

Rauchen im Flugzeug
Im gesamten Flugzeug herrscht Rauchverbot. Dennoch halten es einige Passagiere nicht aus und qualmen auf der Toilette.Foto: Getty Images

Seit mehr als 20 Jahren herrscht bei meisten Airlines absolutes Rauchverbot. Dennoch leuchtet immer noch in fast jedem Flieger das Rauchverbotszeichen über den Köpfen der Fluggäste, und auch Aschenbecher gibt es noch. TRAVELBOOK hat bei verschiedenen Fluggesellschaften nachgefragt, warum das so ist – und was eigentlich passiert, wenn ich in der Flugzeugtoilette trotzdem rauche.

Was passieren kann, wenn man im Flugzeug raucht, hat ein 33-Jähriger am vergangenen Freitag am eigenen Leib erfahren. Der Mann wollte einer Mitteilung der Bundespolizei zufolge mit seiner Familie von Hamburg nach Antalya in den Urlaub fliegen. Kurz nach dem Start habe der Passagier sich auf der Bordtoilette eine Zigarette angesteckt. Pech für den Familienvater: Sein Flugzeug landete außerplanmäßig in Hannover zwischen, um dort gestrandete Antalya-Urlauber aufzunehmen. „Da er auch nach Aufforderung der Crew das Rauchen einzustellen, erst seine Zigarette zu Ende rauchte, wurde er bei der Zwischenlandung in Hannover durch den Piloten vom Flug ausgeschlossen und durch die Bundespolizei von Bord begleitet“, heißt es in der polizeilichen Mitteilung. Gegen den Mann sei eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gefertigt worden. Im schlimmsten Fall muss er nun bis zu 25.000 Euro Strafe zahlen – für eine Tat, die noch vor 30 Jahren straffrei gewesen wäre.

Rauchen im Flugzeug war früher völlig normal

Denn bis in die 90er-Jahre hinein war es auf Flügen völlig normal, in der Kabine zu rauchen, selbst wenn Kinder an Bord waren. Heutzutage gilt hingegen auf nahezu allen nationalen und internationalen Strecken ein generelles Rauchverbot, und das bei fast allen Airlines. Nachdem die USA bereits 1990 ein Gesetz erlassen hatten, welches auf allen Inlandsflügen von weniger als sechs Stunden Dauer das Rauchen im Flugzeug verbot, sind immer mehr Fluggesellschaften nachgezogen.

Mann raucht im Flugzeug
Eine Familie auf einem Flug im Jahr 1955. Völlig selbstverständlich raucht der Vater neben seinem Kind.Foto: Getty Images

Bei der Lufthansa etwa sind seit 1998 weltweit alle Flüge rauchfrei. 1999 war bereits bei mehr als 50 internationalen Fluggesellschaften das Rauchen gänzlich verboten. Anfang 2000 trat das Rauchverbot in US-Maschinen dann auch auf Langstreckenflügen offiziell in Kraft.

Warum gibt es immer noch Rauchverbotszeichen?

Zwischen 17 und 32 Jahren ist der Zigarettenqualm nun schon also aus den meisten Passagierflugzeugen dieser Welt verbannt. Und inzwischen dürfte jeder verinnerlicht haben, Rauchen im Flugzeug ist tabu. Dennoch hat sich bis heute ein Relikt aus den Anfängen des Rauchverbots beharrlich gehalten: Das durchgehend leuchtende Symbol einer durchgestrichenen Zigarette, unübersehbar über jeder Sitzreihe direkt neben dem Anschnallzeichen platziert. TRAVELBOOK fragte bei verschiedenen Airlines nach, warum auch nach so langer Zeit noch explizit auf das Rauchverbot im Flieger hingewiesen wird.

Ein Pressesprecher von Ryanair erklärt dazu: „Diese Zeichen sind Teil von Ryanairs generellen Spezifikationen für Flugzeuge. Sie bleiben als fortwährender Verweis auf Ryanairs ‘No Smoking‘-Grundsatz bestehen.“ Bei Condor beruft man sich dagegen auf allgemeine gesetzliche Vorschriften für die Rauchverbotszeichen an Bord: „In den Waschräumen und neben den Anschnallzeichen sind die deutschen Airlines verpflichtet, auf das Rauchverbot hinzuweisen“, erklärt eine Sprecherin.

Rauchen im Flugzeug
Das Rauchverbotszeichen gehört zum festen Bestandteil fast jedes kommerziellen PassagierflugzeugsFoto: Getty Images

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Rauchverbot-Kennzeichnung entstammt Bauvorschriften

Bei der Lufthansa verweist man ebenfalls auf gesetzliche Regelungen. Diese wurden erlassen von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der Federal Aviation Administration (FAA), der Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten. Eine Sprecherin vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bestätigt TRAVELBOOK: „Die Vorschrift für die Rauchverbot-Kennzeichnung stammt aus den Bauvorschriften für große Flugzeuge, die die EASA erlässt.“ Konkret heißt es dazu in der EASA-Vorschrift aus dem Jahr 2003:

„Wenn das Rauchen an Bord verboten ist, muss es mindestens ein Hinweisschild dafür geben, das für jeden Passagier in der Kabine lesbar ist. (…) Signale, die auf das Rauchverbot hinweisen, müssen so installiert sein, dass sie vom Pilotensitz aus bedient werden können und in beleuchtetem Zustand unter allen möglichen Lichtverhältnissen in der Kabine von jeder Person an Bord gelesen werden können.“

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Eine gleich lautende Vorschrift findet man auch auf den Seiten der FAA. Ergänzend dazu heißt es: „Die Zeichen müssen auf Nichtraucherflügen während des gesamten Fluges leuchten.“ Konkret bedeutet das: Die Airlines entscheiden zwar selbst, ob das Rauchen an Bord ihrer Maschinen erlaubt ist oder nicht; unabhängig davon müssen aber laut Vorschrift in allen größeren Passagierflugzeugen die beleuchtbaren Rauchverbotszeichen vorhanden sein.

Allerdings soll es dennoch schon einige neuere Maschinen geben, in denen man das Rauchverbotszeichen über dem Sitz durch ein Symbol für den Gebrauch elektronischer Geräte an Bord ersetzt hat. „Ich habe das auf einem Flug mit einer A320-Maschine schon gesehen“, schreibt etwa ein User des digitalen Auskunftsdienst Quora zu dem Thema, das offenbar viele beschäftigt.

Warum gibt es überhaupt noch Aschenbecher?

Den Regularien von EASA und FAA zufolge muss in den Waschräumen ein Rauchmelder vorhanden sein sowie ein Schild, welches auf das Rauchverbot hinweist. Zudem muss jeder Waschraum über einen Aschenbecher verfügen. Wie passt das zusammen? „Der Einbau von Aschenbechern in den vom Kabinenpersonal nicht einsehbaren Teilen der Kabine hat auch einen Sicherheitsaspekt, da es trotz bestehendem Rauchverbot nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, dass sich Passagiere eine Zigarette anzünden“, erklärt eine Sprecherin vom Bundesverkehrsministerium in Berlin. Derart uneinsichtige Fluggäste sollen so zumindest die Möglichkeit haben, den Glimmstängel ordentlich zu entsorgen. Werden die Kippen stattdessen mit Papiertüchern gelöscht oder einfach in die Spüle oder die Toilette geworfen, kann das gefährliche Konsequenzen für alle Passagiere haben.

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Das passiert, wenn man auf der Flugzeug-Toilette trotzdem raucht

Für Raucher kann ein Flug schon mal zur Qual werden, vor allem, wenn dieser sich über Stunden zieht. Trotz des absoluten Rauchverbots an Bord gibt es immer wieder Fluggäste, die eine Reise ohne Zigarette nicht aushalten und auf der Bordtoilette rauchen. Was passiert dann? Nach Angaben der Lufthansa schaltet sich dann der Rauchmelder an, der umgehend Piloten und Kabinenpersonal warnt. Die Zigarette muss unverzüglich im Aschenbecher gelöscht werden. Darüber hinaus sind laut dem Lufthansa-Sprecher Schadenersatzforderungen möglich: Denn in der Regel wird die Crew an Bord den Passagier zum Öffnen der Toilettentür auffordern, sobald der Rauchmelder Alarm schlägt. Erfolgt dies nicht, besteht die Möglichkeit, die Waschraumtür von außen zu öffnen. Für entsprechende Schäden muss laut Lufthansa der Passagier aufkommen.

Doch auch wenn man öffnet, kann es Ärger geben. Das Gesetz zum Nichtraucherschutz verbietet das Rauchen laut Luftfahrtbundesamt (LBA) auch in Flugzeugen. Und Airlines dürfen es aufgrund ihres Hausrechts untersagen. Verstoßen Passagieren gegen das Verbot, drohen eine Anzeige und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren – so, wie es auch dem eingangs erwähnten Antalaya-Urlauber, der auf der Bordtoilette geraucht hat, droht.

Und im allerschlimmsten Fall kann Rauchen im Flugzeug sogar zu einer Notlandung führen, so geschehen im Frühjahr 2017. Ein Brite rauchte auf der Toilette, warf den Rest der Zigarette in den Mülleimer, ein Feuer brach aus.  Der Brand konnte zunächst nicht gelöscht werden, die Maschine musste notlanden. Der Mann wurde von einem Gericht in Birmingham zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Pilot hatte erklärt, in seiner 20-jährigen Karriere noch keine dermaßen gefährliche Situation erlebt zu haben. Im Ausland drohen dabei teils deutlich härtere Strafen als in Deutschland.

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