So funktionieren Bordtoiletten

Können mir Fäkalien aus dem Flugzeug auf den Kopf fallen?

Flugzeug, Strand
Vorsicht, Kopf einziehen! Manchmal fallen unliebsame Dinge aus dem Flugzeug, denen man ungern zu nah kommt
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TRAVELBOOK nimmt sich eines Themas an, das viele beschäftigt – über das aber kaum öffentlich gesprochen wird: die Bordtoilette im Flugzeug. Wie funktionieren moderne WCs im Flieger, und wo landen die Hinterlassenschaften der Fluggäste nach dem Klogang eigentlich?

Eng, unvorteilhaft beleuchtet und im schlimmsten Fall verdreckt: Wenn man nicht gerade in der Business oder First Class reist, sind Flugzeugtoiletten vor allem eins: ein Ort, den man möglichst schnell wieder verlassen möchte. Gerade bei langen Flugreisen kommt allerdings kaum jemand umhin, dem Bord-WC mindestens einmal einen Besuch abzustatten. Bei Hunderten Passagieren kann man sich ausrechnen, dass da so einiges zusammenkommt, was in den Kloschüsseln landet.

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Flugzeug, Toilette, Bordtoilette

So sieht sie aus, die typische Bordtoilette im Flieger
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Nur: Was passiert eigentlich mit den Hinterlassenschaften, nachdem man die Klospülung betätigt hat? Werden Kot und Urin einfach aus dem Flugzeugrumpf ins Freie abgelassen?

„Das war vielleicht mal in den Kindertagen der Fliegerei so“, erklärt Luftfahrt-Experte Heinrich Grossbongardt im Gespräch mit TRAVELBOOK. „In der modernen Verkehrsluftfahrt gibt es das schon seit Jahrzehnten nicht mehr, anders als zum Beispiel bei der Bahn, die bis vor wenigen Jahren die Fäkalien direkt über ein Fallrohr in die Umwelt ableitete.“

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Stattdessen werden in Flugzeugen heutzutage sogenannte Vakuum-Toiletten eingesetzt, die anders funktionieren als normale Wasser-Toiletten. „Eine Wasserspülung wie am Boden kann es aus Gewichtsgründen nicht geben. Dazu müsste sie auf einem Langstreckenflug viele Tonnen Wasser mitführen – was teuer wäre und durch den zusätzlichen Kerosinverbrauch eine hohe Umweltbelastung verursachen würde“, erklärt Heinrich Grossbongardt.

Nach drei Sekunden ist alles vorbei

Bei Vakuum-Toiletten handelt es sich um ein geschlossenes System, die Fäkalien werden in einem Tank gesammelt. Sie funktionieren wie eine Art Staubsauger – ein Ventil öffnet sich und der Inhalt der Kloschüssel wird mittels Unterdruck „eingesaugt“ – zu erkennen am lauten Geräusch, das kurz nach dem Betätigen der Spülung zu hören ist. „Man nutzt dazu den Umstand, dass der Luftdruck außerhalb des Flugzeugs sehr viel niedriger ist als in der Kabine“, erklärt Luftfahrt-Experte Grossbongardt. Der große Vorteil: Nur wenig Wasser wird benötigt, um die Exkremente von der Toilettenschüssel abzuspülen. Nach zwei bis drei Sekunden ist es vorbei, ein Verstopfen oder Überlaufen der Toilette unmöglich.

Die Erfindung geht auf den Flugzeugingenieur James Kemper zurück, der sich die Vakuum-Toilette im Jahr 1975 patentieren ließ. Seit den 1980er-Jahren wird das Unterdruck-System in allen Passagierflugzeugen eingesetzt. Ist die Maschine gelandet, wird der Fäkalien-Tank mit einem Spezialfahrzeug entleert und der Inhalt der Abwasserentsorgung am Zielort zugeführt. Damit keine Exkremente im Tank anhaften, werden Chemie-Zusätze verwendet, deren Umweltverträglichkeit jedoch umstritten ist. Für die Hygiene an Bord seien diese Zusätze allerdings zwingend notwendig, um ein Übertragen gefährlicher Krankheiten zu verhindern, erklärt Heinrich Grossbongardt. „Zumindest in Europa, Nordamerika und vielen anderen Ländern gibt es aber strenge Vorschriften für die fachgerechte, umweltverträgliche Entsorgung“, ergänzt er.

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Die Lufthansa erprobte sogar eine neue Reinigungsmethode für Flugzeugtoiletten, die von Austrian Airlines mit der Firma Waliclean entwickelt wurde. „Das innovative System schont nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Zeit und Geld“, sagt Lufthansa-Sprecher Klaus Gorny zu TRAVELBOOK. Dabei zirkuliere eine Lösung aus handelsüblicher Zitronensäure und warmem Wasser mittels geregeltem Unterdruck durch das Abwassersystem des Flugzeugs. „Das Spülwasser kann problemlos über den Abwasserkanal entsorgt werden. Diese Methode spart Chemikalien und damit Geld.“

Undichte Flugzeugtoiletten

Gänzlich sicher vor Fäkalien-Abfällen aus der Luft sind wir dank des fortschrittlichen Toilettensystems allerdings nicht. Immer wieder kommt es vor, dass ganze Urin-Klumpen auf die Erde fallen. 2012 gab es eine merkwürdige Häufung solcher Fälle: Bei einer Familie in Nürnberg etwa landete damals ein zwei Kilo schwerer Eisklumpen aus Urin im Garten. Im selben Jahr zerschlug ein handtellergroßer Eisbrocken die Ziegel eines Hausdachs in Fellbach (Baden-Württemberg).

Einen besonders verheerenden Fall gab es in Indien: Eine Frau wurde Ende 2015 von einem Urin-Eisblock verletzt, wie das britische Nachrichtenportal BBC berichtet. Sie erlitt eine schwere Schulterverletzung. Laut einem Augenzeugen entging sie nur knapp dem Tod, da der Eisblock zuvor auf ein Dach fiel und dadurch abgebremst wurde.

Erika Keil, Eisklumpen

2012 in Nürnberg: Erika Keil zeigt den Urin-Eisklumpen, der in ihrem Garten landete. „Ich saß entspannt in unserem Wohnzimmer. Plötzlich gab es einen riesigen Knall“.
Foto: Karina Palzer

Woher kommen solche gefrorenen Urin-Klumpen? „Dies passiert, wenn das Ventil, das am Boden genutzt wird, um die Abwassertanks zu entleeren, ein wenig undicht ist“, erklärt Luftfahrt-Experte Grossbongardt. „Toilettenflüssigkeit, die heraussickert, gefriert wegen der eisigen Temperaturen in Reiseflughöhe sofort. Über die vielen Stunden eines Langstreckenfluges bildet sich dann unter dem Heck ein Eisklumpen, der manchmal abfällt, wenn das Flugzeug beim Landeanflug wieder in wärmere Luftschichten kommt.“ So etwas komme aber nur sehr selten vor, weil die Ablassventile aus Sicherheitsgründen regelmäßig auf Dichtigkeit überprüft würden.

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