Studien zeigen

Coronavirus – im Flieger ist der Fensterplatz am sichersten

Flugzeugsitze
Auf den Fensterplätzen im Flugzeug ist die Ansteckungsgefahr am geringsten
Foto: Getty Images

Viele entscheiden sich beim Check-in bewusst für einen Platz am Gang, weil man zwischendurch auch mal aufstehen und nach der Landung den Flieger schneller verlassen kann. In Zeiten von Corona sollte man davon allerdings besser absehen.

Der beliebteste Platz im Flieger ist seit jeher der am Fenster – vor allem natürlich wegen der guten Aussicht, aber auch, weil man ein bisschen mehr Raum und Ruhe hat als in der Mitte oder direkt am Gang. Darüber hinaus gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Grund, sich ans Fenster zu setzen: An diesem Platz ist die Gefahr, sich bei einer im Flugzeug an beispielsweise Covid-19 erkrankten Person anzustecken, am geringsten.

Wie die WELT unter Berufung auf eine bereits im Jahr 2018 – also vor Ausbruch des Coronavirus – erschienene Studie des Fly Healthy Research Team der Emory University in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) berichtet, kommt man auf dem Fensterplatz während eines Flugs statistisch mit deutlich weniger anderen Menschen an Bord in Kontakt als auf den anderen Plätzen.

Enger Kontakt zu Passagieren

Die Studie deckt sich mit den Aussagen eines US-Professors aus dem Jahr 2017: Charles Gerba, Mikrobiologe an der University of Arizona in Tucson, erklärte damals im Interview mit dem US-Wissenschaftsportal „io9“, auf den Plätzen am Gang sei die Gefahr, sich einen Infekt von kranken Mitreisenden einzufangen, am größten. Der Grund: An den Gangplätzen laufen ständig andere Fluggäste vorbei, die sich etwa auf dem Weg zur Toilette befinden. Der am Gang sitzende Passagier kommt also mit viel mehr Menschen in verhältnismäßig engen Kontakt als die Sitznachbarn in der Mitte und am Fenster.

Keimexperte Gerba untermauerte seine These mit einem drastischen Fallbeispiel aus den USA: Im Jahr 2008 befanden sich mehrere Reisende mit Norovirus an Bord eines Fliegers von Boston nach Los Angeles. Während des Flugs litten sie unter unkontrollierbarem Erbrechen und Durchfall, und zwar so schlimm, dass der Pilot in Chicago notlanden musste, damit die infizierten Passagiere ins Krankenhaus gebracht werden konnten.

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Die US-Gesundheitsbehörde veranlasste eine Untersuchung der übrigen Fluggäste aus dem Flieger, um herauszufinden, ob irgendjemand sich mit dem Norovirus angesteckt hatte. Tatsächlich hatten sich vor allem die Passagiere auf den Gangplätzen angesteckt, weil sie näheren Kontakt zu den Infizierten hatten, als diese immer zur Toilette und zurück gelaufen waren. Mikrobiologe Gerba vermutete zudem, dass viele beim Durchlaufen der Kabine die Sitzlehnen der Gangplätze zum Festhalten benutzen, um ihr Gleichgewicht zu halten – was wiederum die Ansteckungsgefahr für die dort Sitzenden erhöht.

Besetzte Mittelsitze verdoppeln Ansteckungsrisiko

Idealerweise sollte der Platz zwischen Gang und Fenster ganz leer bleiben, wie eine weitere US-Studie nahelegt, die sich konkret mit dem Coronavirus befasst hat. Die Untersuchungen des Massachusetts Institute of Technology haben gezeigt, dass das Risiko, sich mit Covid-19 bei einem in der Nähe sitzenden erkrankten Passagier anzustecken, 1 zu 7.000 beträgt, wenn der Flieger komplett besetzt ist. Würde der Mittelsitz jedoch freigelassen, sinkt das Ansteckungsrisiko auf ungefähr 1 zu 14.000.

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Aufgrund der Hochleistunspartikelfiltern, mit denen die Kabinenluft fortwährend von Staub, Bakterien und Viren gereinigt wird, wird die Ansteckungsgefahr im Flieger grundsätzlich verringert. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft teilte mit: „Der Abscheidegrad dieser Filter entspricht dem Standard der Filter eines klinischen Operationssaals. Durch die Verwendung dieser speziellen Filter ist die Kabinenluft sauberer als jene, die der Mensch auf der Erde einatmet.“

Darüber hinaus findet die Luftströmung in Flugzeugen von oben nach unten statt. Es gibt keine horizontale Luftströmung seitwärts oder in Längsrichtung. „Diese Luftführung entspricht damit dem sogenannten ‚Laminar Airflow‘ eines Operationssaals“, erklärt ein Sprecher der Lufthansa TRAVELBOOK.

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