WLAN über den Wolken – und seine Tücken

Wie kommt eigentlich das Internet ins Flugzeug?

Mann am Laptop
Seit einer Weile kann man während des Flugs im Internet surfen. Allerdings: Es ist nicht gänzlich unkompliziert
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Viele Airlines bieten drahtloses Internet an. Ein Experte erklärt, wie das über den Wolken funktioniert – und was Passagiere sonst noch unbedingt darüber wissen sollten.

Lange Zeit galt das Flugzeug als Ort ohne Internetzugang. Wer flog, war offline – mit allen Vor- und Nachteilen. Mittlerweile aber bieten fast alle großen Fluggesellschaften Zugang zum World Wide Web an: über WLAN. Aber genau wie funktioniert das eigentlich?

So kommt das Internet ins Flugzeug

Wie Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt TRAVELBOOK erklärt, kommen die Daten aus zwei Seiten ins Flugzeug. „Zum einen gibt es einen Server an Bord, von dem Medien abgerufen werden können.“ Damit ist vor allem das Unterhaltungsprogramm gemeint, das Airlines zur Verfügung stellen. Der Fluggast brauche das Bord-WLAN in erster Linie, um es auf seinem Handy, Tablet oder Laptop ansehen zu können. Dazu ist erstmal noch kein Internet nötig, denn alle Daten sind auf dem Server mit an Bord.

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Zudem gebe es neuerdings „die Buckel auf dem Rumpf“ von Flugzeugen: Satellitenantennen. „Die funktionieren im Prinzip wie TV-Satelliten, indem sie eine Funkverbindung herstellen“, sagt Großbongardt, „zu einem geostationären Satelliten, der 36.000 Kilometer über dem Äquator schwebt.“ Nutzt ein Passagier dieses Terminal zum Surfen im Internet, wird das Signal vom Flieger über den Satelliten an einen Server auf der Erde gesendet und dann wieder zurück. Dies sei auch der Grund dafür, dass die Surfgeschwindigkeit oftmals zu wünschen übrig lasse. Vor allem aber könne dieser lange Umweg schnell teuer werden. „Es soll in Zukunft aber neue Satelliten geben, die tiefer fliegen und deswegen schnelleres Internet bereitstellen.“

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Flugreisende

Emails checken, etwas auf Facebook posten – kurz: sämtliche Daten, die aus dem Internet geladen werden müssen und nicht auf dem flugzeuginternen Server gespeichert sind, können Zusatzkosten verursachen
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Nicht alle Airlines machen mit

Günstig-Airlines wie Ryanair, Vueling, Blueair und Easyjet bieten ihren Fluggästen noch kein WLAN an. Und auch bei Germania, Condor, Tuifly, Brussels Airlines, Croatia Airlines, LOT Polish Airlines und weiteren Fluggesellschaften müssen die Passagiere noch ohne klarkommen. Bei den anderen ist das Prozedere meist gleich: Das Handy wird, wie gewohnt, in den Flugmodus versetzt und erst daraufhin das WLAN aktiviert. Wer sich nun mit dem Netzwerk verbindet, hat anschließend die Möglichkeit, einen der verschiedenen verfügbaren Tarife auszuwählen.

 

So wird das WLAN genutzt

Die Lufthansa ist eine der vielen Airlines, die ihre Maschinen bereits internetfähig aufgerüstet hat. Wie Presseansprechpartner Helmut Tolksdorf auf TRAVELBOOK-Nachfrage erklärt, gibt es den Service in verschiedenen Tarifen, die direkt an Bord gebucht werden können. „Auf Kurz- und Mittelstreckenflügen gibt es den Flynet-Message-Tarif, der zum Preis von 3 Euro oder 1.000 Meilen die Nutzung von E-Mailprogrammen und Messengern ermöglicht“, erklärt er. Der Flynet-Surf, mit dem der Passagier Webseiten seiner Wahl benutzen kann, kostet 7 Euro oder 2.300 Meilen. Der teuerste Tarif nennt sich Flynet Stream. Nutzer können damit Filme, Serien und Playlisten abspielen. Auf Langstrecken gibt es für eine Stunde, vier Stunden oder den gesamten Flug buchbare Internetpakete (à jeweils 9, 14 oder 17 Euro).

Viele andere Fluggesellschaften verkaufen eine bestimmte Anzahl an Datenmengen, also Megabyte (MB). Bei Emirates gibt es die ersten 20 MB gratis, 150 MB kosten umgerechnet rund 8 Euro und 500 MB etwa 13 Euro. Anders bei Air France. Die französische Fluggesellschaft bietet Internet nur auf ihren Langstrecken an – gegen Gutscheine. Passagiere können während des Flugs Voucher à 20 MB (5 Euro), 50 MB (10 Euro) oder 200 MB (30 Euro) kaufen. Es kommt nur Kreditkartenzahlung in Frage, wie ein Air-France-Sprecher uns erklärt. Aktuell stehe der Service nur in Maschinen des Typs Boeing 787 zur Verfügung. Die Ausweitung auf den Airbus 330 sei aber geplant.

Zur Einordnung: Ein dreiminütiges Lied mit „normaler“ Qualität verbraucht im Stream etwa 3 Megabyte – also reichen 30 Megabyte etwa für einen halbe Stunde Online-Musikgenuss über den Wolken.

Familie im Flugzeug

Es kann nicht schaden, sein eigenes Unterhaltungsprogramm mit an Bord zu bringen. Es trifft sehr wahrscheinlich Stimmung und geschmack – und ist gratis!
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Das Vergleichsportal „Check 24“ hat übersichtlich aufgelistet, welche Gebühren die anderen Fluggesellschaften erheben – hier!

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