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Pilotprojekt in Japan

Bei dieser Airline werden Flugzeuge bald von Menschenrobotern gereinigt

Roboter auf Flugzeugtreppe
Japan Airlines testet den Einsatz humanoider Roboter an seinen Flughäfen (Symbolbild) Foto: Mit KI erstellt
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Anna Wengel
Freie Autorin

13. Mai 2026, 15:24 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Werden an Japans Flughäfen demnächst Menschen gegen Roboter eingetauscht? Die japanische Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) testet gemeinsam mit einem Partnerunternehmen, wie humanoide Roboter künftig Aufgaben in der Bodenabfertigung übernehmen könnten.

Bislang reinigen Menschen Flugzeuge nach einem Flug. Menschen verladen die diversen Gepäckstücke, die Urlauber und andere Reisende mitnehmen möchten. Das könnte sich künftig ändern. Die Fluggesellschaft Japan Airlines startet gemeinsam mit ihrem Partner GMO AI & Robotics Corporation (kurz GMO AIR) „ab Mai 2026 ein Demonstrationsprojekt zum Einsatz humanoider Roboter an Flughäfen“, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung heißt. Testort ist der internationale Flughafen Tokio-Haneda.

Humanoide Roboter in der Bodenabfertigung

Die humanoiden Roboter, also Roboter in Menschengestalt, sollen bei diesem Test für verschiedene Arbeiten in der Bodenabfertigung im Flughafenbetrieb eingesetzt werden. Dazu gehören das Bewegen von Gepäck und Fracht sowie der Transport schwerer Gegenstände. Außerdem sollen die Menschenroboter die Flugzeugkabinen reinigen. Sie übernehmen entsprechend etliche Arbeiten des Bodenpersonals am Flughafen, die bislang von Menschenhand durchgeführt werden.

Die Roboter selbst kommen bereits nah ran an das Bild zukünftiger Menschenroboter, das viele nun vielleicht im Kopf haben. Sie haben zwei Arme, zwei Beine, einen Kopf und einen Körper. Laut Japan Airlines verfügen sie sogar „über eine mit Menschen vergleichbare Bewegungsfreiheit und Anpassungsfähigkeit“.

Bislang eingeschränkte Arbeitsbereiche für Roboter

Der Einsatz von Robotern und anderen automatisierten Maschinen an Flughäfen ist nicht ganz neu, gab es in der Vergangenheit bereits mehrfach und an verschiedenen Orten Roboterprojekte. Schon jetzt kommt man am Flughafen mitunter an einer automatisch putzenden Maschine vorbei. An anderer Stelle beantwortet ein Roboter drängende Fragen zum Flughafenbetrieb. Am Flughafen München etwa hat man vor gut zwei Jahren einen Roboterhund getestet, der laut Fraunhofer-Institut „autonom durch die Lagerhalle patrouillierte“. Es gibt sie längst, die Roboter am Flughafen, fest verankert im Betrieb oder als verschiedene neu auftauchende Testprojekte.

Doch Flughafenbereiche wie die Bodenabfertigung fanden laut Japan Airlines bislang grundsätzlich „in Umgebungen statt, die stark auf menschliche Arbeitskraft angewiesen sind“. So etwa „das Bedienen von Bodenabfertigungsgeräten (GSE) in beengten Bereichen um Flugzeuge herum“. Laut der Fluggesellschaft taten sich die „herkömmlichen, fest installierten Automatisierungsanlagen und Roboter mit nur einer Funktion“ schwer damit, sich an bestehende Infrastrukturen und komplexe Arbeitsabläufe anzupassen. Das ändert sich jetzt mit den neuen humanoiden Robotern. „Dank ihrer menschenähnlichen Form können sie ohne wesentliche Änderungen an bestehenden Flughafenanlagen oder Flugzeugstrukturen eingesetzt werden“, schreiben die Partnerunternehmen.

Damit bringen die Menschenroboter in Tokio das Leben mit Maschinen auf eine neue Stufe. Nicht nur sehen sie dem Menschen bereits weitaus ähnlicher, sie können auch Treppen steigen, Türen öffnen oder Werkzeuge bedienen. Entsprechend können humanoide Roboter etliche Aufgaben am Flughafen übernehmen, die bislang Menschen vorbehalten waren. Oder die mindestens Umbauten an der Infrastruktur bedurften, um sie von einer Maschine übernehmen zu lassen. Japan Airlines und GMO Air erklären: „Durch die Kombination modernster KI-Technologie mit der einzigartigen Flexibilität humanoider Formen zielt das Projekt darauf ab, durch Arbeitsersparnis und Reduzierung der Arbeitsbelastung eine nachhaltige Betriebsstruktur zu realisieren.“

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Roboter sollen Arbeitskräftemangel ausgleichen

Hintergrund dieses aktuellen Testlaufs mit den menschenähnlichen Flughafenrobotern ist eine Kombination verschiedener Faktoren: Der Tourismus in Japan boomt, während die Gesellschaft immer älter wird und die Zahl der Erwerbstätigen sinkt. Gerade für die Bodenabfertigung stellt diese Entwicklung ein Problem dar. „Für die Sicherheit am Boden, beispielsweise bei der Flugzeugabfertigung und Gepäck-/Frachtabfertigung, werden hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt, die zudem körperlich sehr belastbar sind“, erklären die Partner. Sie wollen die entstandene Lücke an Arbeitskräften mit dem Einsatz humanoider Roboter schließen. Um dem Problem zu begegnen, entschieden sie gemeinsam, „das Potenzial humanoider Roboter zur Arbeitsersparnis und Reduzierung der Arbeitsbelastung in der Bodenabfertigung zu untersuchen“, heißt es in der Mitteilung. Dem Umstand, dass Japan zu den am stärksten alternden Gesellschaften der Welt zählt, hilft das wenig. Es könnte jedoch die Arbeit an den Flughäfen des überaus beliebten asiatischen Landes deutlich erleichtern.

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Zukünftig nur noch Roboter im Flughafendienst?

Aktuell stehen die neuen Roboter und damit verknüpften Systeme laut Japan Airlines und GMO AIR jedoch noch am Anfang. Noch putzt hier kein Roboter ein Flugzeug. Vielmehr geht es vorerst darum, Abläufe an Flughafenstandorten zu visualisieren und zu analysieren, „um Bereiche zu identifizieren, in denen humanoide Roboter sicher eingesetzt werden können“, wie die verpartnerten Unternehmen schreiben. Im Anschluss seien wiederholte Betriebsüberprüfungen geplant, „die reale Flughafenumgebungen simulieren“. Das aktuelle Pilotprojekt ist auf die kommenden zwei Jahre ausgelegt, mit verschiedenen Phasen.

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Zukunftsweisend ist das Pilotprojekt von Japan Airlines und GMO AIR jedoch allemal. Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ist schon jetzt kaum wegzudenken, dürften derart automatisierte Abläufe und der Ersatz menschlicher durch maschinelle Arbeitskraft in Zukunft noch verstärkt werden. Ob das dann gut oder schlecht ist, bleibt der persönlichen Bewertung vorbehalten.

Fürchtet sich so manch einer vor einer Realität, in der Roboter die menschliche Arbeitskraft nahezu komplett ersetzen, darf an dieser Stelle jedoch einmal Einhalt geboten werden. Das, was in Japan getestet wird und möglicherweise große Veränderungen für die gesamte Luftfahrtbranche (und darüber hinaus) mit sich bringt, steht noch am Anfang. Von vollständig autonom arbeitenden Robotern ist die Branche weit entfernt. Etliche Systeme brauchen weiterhin die Steuerung und Überwachung durch Menschen. Darüber hinaus spielen an Flughäfen gerade Sicherheitsfragen eine große Rolle. Japan Airlines erklärt: „Ziel ist es, durch Arbeitsersparnis und Reduzierung der Arbeitsbelastung eine nachhaltige Betriebsstruktur zu etablieren, indem humanoide Roboter menschliche Aufgaben ergänzen.“ Mit ihrem Pilotprojekt wollen die Partner nach eigenen Angaben „ein Umfeld schaffen, in dem humanoide Roboter sicher und effektiv im Flughafenbetrieb eingesetzt werden können.“

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