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Boarding-System

Kennen Sie schon das WILMA-Prinzip?

Frau boardet nach dem WILMA-Prinzip
TRAVELBOOK erklärt, was es mit dem Boarding nach dem WILMA-Prinzip auf sich hat Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

29. Oktober 2025, 6:35 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Das Boarding zählt zu den verzögerungsanfälligen Phasen einer Flugreise. Um den Prozess effizienter zu gestalten und Wartezeiten im Gang zu vermeiden, setzt die US-amerikanische Billigfluggesellschaft Southwest Airlines nun auf das sogenannte WILMA-Prinzip. Wie genau es funktioniert – und warum es Ihnen möglicherweise bekannt vorkommt – erfahren Sie bei TRAVELBOOK.

Southwest Airlines plant umfassende Änderungen beim Boarding-Prozess, die ab dem 27. Januar 2026 in Kraft treten sollen. Davon berichtet aktuell das „Wall Street Journal“. Bislang konnten Reisende bei der Airline ihre Plätze frei wählen („Open Seating“), künftig werden ihnen feste Sitzplätze („Assigned Seating“) zugewiesen. Wer dabei das Los eines Gangplatzes zieht, gehört zu den Passagieren, die erst in den späteren Boarding-Gruppen aufgerufen werden. Denn dann soll alles nach dem WILMA-Prinzip ablaufen.

Das steckt hinter dem WILMA‑Boarding-Prinzip

Das sogenannte WILMA-Prinzip beschreibt die Reihenfolge, in der Passagiere ein Flugzeug betreten. Dies sind zunächst die Reisenden mit Fensterplätzen (Window), dann die mit Mittelsitzen (Middle) und zuletzt mit Gangplätzen (Aisle). Die Vorteile liegen auf der Hand: Steigen zunächst diejenigen ein, die in der Sitzreihe durchrutschen müssen, und danach die anderen, kommt es weniger zu Stau im Gang. Denn beispielsweise müssen bereits eingestiegene Mittelsitzer nicht mehr aufstehen und Nachkömmlinge hineinlassen. Dies führt – wie viele Flugreisende sicher bereits erlebt haben dürften – im engen Kabinengang zu einer „Menschenverstopfung“ und somit zu Verzögerungen.

Schon lange vor Southwest Airlines – im Jahr 2017 – hat auch die US-amerikanische Fluggesellschaft United das Verfahren erprobt, dann aber zwischenzeitlich ausgesetzt und 2023 wieder verstärkt eingeführt. Davon berichtet etwa das Reiseportal „Chepair“. Es spricht aber auch so manches dafür – flüssigere Abläufe sind natürlich auch im Sinne der Passagiere. In Europa ist man schon längst dahintergekommen.

Lufthansa-Group hat WILMA längst eingeführt – die Gründe

Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa und ihre Töchter wieDas Verfahren des Einsteigens nach dem Prinzip Fenster-Mitte-Gang hat sich als effizienteste Methode bestätigt und unterstützt darüber hinaus einen pünktlicheren Abflug“, erklärte dazu eine Lufthansa-Sprecherin TRAVELBOOK.

Das WILMA-Prinzip solle vor allem den Einsteigevorgang geordneter und komfortabler machen, führt sie aus. Passagiere könnten wertvolle Zeit sparen, wenn sie sich an die Handgepäckregeln halten. Um überfüllte Gepäckfächer zu vermeiden, wird bereits am Check-in angeboten, Handgepäck aufzugeben, und bei stark ausgelasteten Flügen erhalten Passagiere vorab E-Mails mit diesem Hinweis.

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Wo WILMA laut Insiderin an seine Grenzen stößt

2019 liegt schon eine Weile zurück. Am damals neuen Boarding-System wird aber auch 2025 noch „rigoros“ festgehalten, wie eine Flugbegleiterin der Lufthansa TRAVELBOOK bestätigt. Sie möchte nicht namentlich genannt werden. In Deutschland wird es nicht WILMA genannt, sondern lediglich von bestimmten Boarding-Gruppen gesprochen. Diese werden als Nummern in der Reihenfolge aufgerufen, in der sie ins Flugzeug einsteigen dürfen. „Lufthansa kontrolliert da strikt“, so die Insiderin. Voreilige Passagiere, die noch vor dem Aufruf der eigenen Gruppe einsteigen wollen, werden am Gate scheitern. So wird Boarding-Gruppe 5 beim Versuch, die Bordkarte zu scannen, eine Fehlermeldung hören, sollte erst Gruppe 3 aufgerufen worden sein, und nicht durchkommen. Weiterhin dürfen allerdings – unabhängig von diesen Gruppen – Statuskunden (z. B. Senators oder HON Circle Member), Familien mit kleinen Kindern und Personen mit Mobilitätseinschränkungen als Erste ins Flugzeug einsteigen.

Doch es gibt laut der Flugbegleiterin auch Fälle, in denen das Fenster-Mitte-Ganz-System an seine Grenzen stößt. Und zwar dann, wenn das Flugzeug auf einer Außenposition steht. Die Passagiere dann in fester Reihenfolge einsteigen zu lassen, wäre demnach „totaler Quatsch“, weiß sie aus Erfahrung. „Wenn Busse die Passagiere zum Flieger bringen, dann steigen sie natürlich ungeordnet aus, und in der Maschine ist dann alles wieder gemischt.“ Das sogenannte WILMA-Prinzip funktioniere nur am Gate.

Theoretisch ginge es noch schneller

Übrigens: Während WILMA aktuell von mehreren Airlines genutzt wird, soll es theoretisch eine noch effizientere Variante geben. Die offenbar schnellste davon geht auf Computersimulationen des US-Physikers Jason Steffen zurück. Sie ähnelt dem WILMA-Prinzip, ist aber noch kleinteiliger. Auch hier steigen zunächst Fluggäste mit Fensterplätzen ein, zunächst jedoch auf nur einer Seite des Flugzeugs. So soll vermieden werden, dass jemand warten muss, bis die Person vor ihm ihren Koffer verstaut oder sich setzt. Danach folgen die übrigen Fensterplätze auf der gegenüberliegenden Seite. Erst im Anschluss boarden die Fluggäste mit Mittelplätzen, ebenfalls versetzt, und zum Schluss die Gangplätze.

Die Methode verhindert Blockaden im Gang – Passagiere können ihre Plätze deutlich schneller erreichen. Der entscheidende Nachteil: Sie erfordert eine sehr genaue Boarding-Reihenfolge, und diese einzuhalten, ist in der Praxis schwer umsetzbar. Wohl deshalb wird die sogenannte Steffen-Methode bis heute von keiner Airline umgesetzt.

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