16. Juli 2026, 17:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Mit einem neuen Bordservice-Konzept möchte Lufthansa die Reiseerfahrung ihrer Langstreckenpassagiere in allen Reiseklassen aufwerten. Der Fokus liegt dabei auf einem überarbeiteten kulinarischen Angebot, das mit veränderten Serviceabläufen an Bord einhergeht. Doch während der Genuss steigen soll, kann es in einer Reiseklasse zeitweise an einer Selbstverständlichkeit fehlen: Offenbar können während der Essenvorbereitung die Toiletten nicht vollumfänglich genutzt werden. Alle Infos dazu.
Bessere Verpflegung bei Lufthansa: Project FOX
Future Onboard Experience, kurz Project FOX, lautet der Name des neuen Bordservice-Konzepts von Lufthansa. Die Airline hat es im Oktober 2025 angekündigt und führt es seit dem Frühjahr dieses Jahres schrittweise auf Langstrecken ein.
Dabei steht Project FOX insbesondere für eine aufgewertete und modernisierte Verpflegung an Bord, und das in allen Klassen. In der Business Class etwa erhalten die bisher im Konvektomaten erhitzten Komplettgerichte ein frisches Upgrade: Einzelne Komponenten werden separat erhitzt, die Gerichte also individueller angerichtet. Auch in der Premium Economy Class soll es ein erweitertes Angebot und selbst in der Economy Class eine größere Auswahl an warmen Hauptgerichten geben.
Damit das Ganze umsetzbar ist, musste Lufthansa auch an den Abläufen im Bordservice schrauben. Denn die Crew benötigt nicht bloß mehr Zeit, sondern auch mehr Platz, um die Speisen zuzubereiten. Und genau dieser soll ausgerechnet in bestimmten Langstreckenflugzeugen fehlen, die zu den modernsten und effizientesten der gesamten Flotte zählen.
Gesperrte Toilette in Lufthansas Dreamliner?
Wie aktuell „Aerotelegraph“ berichtet, ist es ausgerechnet die Boeing 787-9 alias Dreamliner – eine Maschine also, die Lufthansa mit ihrer innovativen Kabinenausstattung bewirbt –, deren Bordküchen offenbar nicht genügend Platz für die aufwändigere Speisenzubereitung bieten. Besonders eng wird es demnach, wenn sich gleichzeitig Fluggäste durch die Gänge zu den Toiletten „vorbeidrängen“.
Die Lösung also, wie das Portal von mehreren Flugbegleitern und Reisenden erfahren haben will: Eine Toilette wird für die Zeit, in der die Zubereitung der Verpflegung läuft, gesperrt. „Betroffene Passagiere berichteten, in mindestens zwei Fällen während dieser Zeit keinen Zugang zu den Waschräumen gehabt zu haben“, schreibt „Aerotelegraph“.
Lufthansa bestätigt „Einschränkungen“ bei Toilettennutzung
Auf TRAVELBOOK-Nachfrage bestätigt eine Unternehmenssprecherin „Einschränkungen bei der Nutzung der Business-Class-Toiletten“. Diese beträfen wenige Flugzeugmuster, darunter die Boeing 787, und auch nur die Dauer der Vorbereitungen für den ersten Service.
Wer in der Business Class des Dreamliners unterwegs ist, findet dort in der Regel zwei Toiletten vor. Während der Servicevorbereitung werde eine davon vorübergehend geschlossen, um der Crew ausreichend Platz zum Arbeiten zu verschaffen. „Zu keinem Zeitpunkt werden beide Toiletten gleichzeitig gesperrt, sodass der Zugang für unsere Business-Class-Gäste jederzeit möglich ist“, betont die Sprecherin.
Doch auch wenn grundsätzlich mehrere Waschräume zur Verfügung stehen und es also theoretisch Ausweichmöglichkeiten gibt: Es kann natürlich auch mal sein, dass mehrere Fluggäste gleichzeitig die Waschräume aufsuchen möchten. Wenn nun eine weitere der verbliebenen Toiletten zum Beispiel aufgrund eines Defekts ausfällt, kann es bereits problematisch werden. Zumal insbesondere in Vorbereitung auf eine Mahlzeit viele Menschen sich gern noch die Hände waschen oder tatsächlich austreten möchten. Eine volle Blase geht schnell auf Kosten des Genusses – da können die Speisen noch so sehr aufgewertet sein.
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Flugbegleiterin: „Toilettengänge sehr erschwert“
Eine Flugbegleiterin, die auf der Boeing 787 fliegt, berichtet TRAVELBOOK, dass die vorübergehende Sperrung einer Business-Class-Toilette kein neues Phänomen sei. „Vor FOX waren die vorderen Toiletten im Dreamliner auch schon gesperrt“, sagt sie.
Nach ihren Angaben bleibt während der Servicevorbereitungen in der Regel die vordere Toilette neben der Bordküche geschlossen. Business-Class-Passagiere müssen dann auf die beiden Toiletten im hinteren Bereich der Kabine ausweichen. Eine davon nutzen allerdings auch Gäste der Premium Economy. Aus Sicht der Flugbegleiterin zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem des Dreamliners: Im Verhältnis zur Zahl der Passagiere gebe es im vorderen Kabinenbereich schlicht zu wenige Toiletten, sodass sich Einschränkungen während des Bordservices besonders schnell bemerkbar machten.
Die Platzproblematik scheint damit also nicht erst durch das neue Bordkonzept entstanden zu sein. Doch auch aus anderen Gründen stoßen die Änderungen, die Gästen ein hochwertigeres Serviceerlebnis bieten sollen, bei Teilen der Kabinenbesatzung auf deutliche Kritik.
Insiderin zu TRAVELBOOK: „Ich hasse das neue Bordkonzept!“
TRAVELBOOK sprach mit einer weiteren Flugbegleiterin, die den neuen „FOX-Service“ bereits auf der Boeing 747 einsetzt. Ihr Urteil fällt eindeutig aus: „Eine einzige Vollkatastrophe.“
Besonders kritisiert sie den deutlich gestiegenen Arbeitsaufwand in der Business Class. Anders als bisher werden einzelne Bestandteile der Mahlzeiten erst während des Services fertiggestellt. „Die Proteinkomponente wird auf den Hauptspeisenteller jetzt vom Galley-Beauftragten platziert (‚Galley‘ = Bordküche, Anm. d. Red.). Das ist ein zusätzlicher Handgriff. Danach kommen noch Kräuterdekoration und das Angießen der Soße dazu. Das bedeutet in der Business Class sehr viel mehr Arbeit“, erklärt sie.
Nach ihrer Schilderung holpert die Umsetzung des neuen Konzepts derzeit auch an anderen Stellen. Etwa seien auf vielen Flügen einzelne Gerichte oder Komponenten, die in der Speisekarte aufgeführt sind, gar nicht an Bord geliefert worden. Diese kann die Crew dann trotz des Angebots nicht servieren. Neben dem zusätzlichen Arbeitsaufwand sorge das auch regelmäßig für Unmut bei den Passagieren.