Nachgefragt

Müssen stark übergewichtige Flugpassagiere zwei Plätze buchen?

Korpulenter Mann im Flugzeug
Für Menschen mit einer gewissen Körperfülle wird es im Flieger richtig eng
Foto: plainpicture/Oote Boe

Schon normalgewichtige Passagiere müssen in vielen Flugzeugen den Bauch einziehen, da der Platz knapp bemessen ist. Übergewichtige, korpulente Menschen haben erst recht ein Problem und kommen mit einem Sitzplatz allein häufig nicht aus. Sind sie dann verpflichtet, einen zweiten Platz zu reservieren? TRAVELBOOK hat bei den Airlines nachgehakt.

Für XXL-Passagiere ist Fliegen häufig ein Problem. Große Menschen wissen nicht, wohin mit ihren Beinen, Übergewichtige und Menschen mit einer gewissen Körperfülle passen nicht in die Sitze. Eine meist unangenehme Situation, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Sitznachbarn, die zwangsläufig mit weniger Platz auskommen und sich dünn machen müssen.

Wo ein zweiter Sitzplatz Pflicht ist

Manche XXL-Passagiere lösen das Problem von vornherein, indem sie zwei Sitzplätze buchen. Das empfehlen auch die meisten Airlines. Einige Fluggesellschaften wie KLM bestehen jedoch auf die Reservierung eines zweiten Sitzplatzes. Andernfalls behält sich die Airline vor, übergewichtige Fluggäste nicht mitzunehmen.

Auch bei Easyjet sind Personen ab einer gewissen Körperfülle verpflichtet, einen zweiten Sitzplatz zu reservieren. „Passagiere, die aufgrund medizinischer oder sonstiger körperlicher Beeinträchtigungen mehr Platz als die vorhandenen Sitzplatzmaße benötigen, müssen einen weiteren Sitzplatz zu den geltenden Tarifen hinzubuchen“, teilt Easyjet auf Nachfrage von TRAVELBOOK mit.

Geld zurück für zweiten Sitzplatz

„Sollte der Flug in der Economy-Class nicht voll ausgebucht sein, erhalten die Fluggäste das Geld für den zweiten Platz wieder zurück“, teilt eine Sprecherin der Fluggesellschaft mit. Sämtliche Konditionen gelten allerdings nur für Flüge, die mit einem Flugzeug und einer Crew von Air France durchgeführt werden.

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In Air-France-Flugzeugen sind die Sitze in der Economy-Class 40 bis 45 Zentimeter breit (gemessen am Abstand zwischen den beiden Armlehnen). Die Breite entspreche nach Aussage der Airline einem maximalen Taillenumfang von circa 135 Zentimetern. Bei Easyjet beträgt die Sitzbreite 44 Zentimeter.

Kostenlose Gurt-Erweiterung

Übergewichtiger Flugpassagier

Für Menschen mit einer gewissen Körperfülle wird es im Flieger richtig eng
Foto: Getty Images

Sollte die Notwendigkeit für eine Gurt-Erweiterung bestehen, stellen beide Fluggesellschaften den Passagieren diese kostenlos zur Verfügung.

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Und wie verhält es sich, wenn sich ein Passagier darüber beschweren sollte, dass sein Nachbar einen Teil seines Platzes belegt? „Lufthansa befördert Fluggäste aller Gewichtsklassen und Größen“, sagt die Sprecherin. Sollte es diesbezüglich zu Beschwerden oder Problemen kommen, „setzten die Mitarbeiter der Airline alles daran, den Bedürfnissen aller involvierten Fluggäste gerecht zu werden“. Zu konkreten Maßnahmen äußerte sich die Airline allerdings nichts.

Kommerzielle Entscheidung

„Bei dem verpflichtenden Kauf eines zweiten Platzes geht es maßgeblich darum sicherzustellen, dass sämtliche Sitzplätze verkauft werden können. Wenn ein Fluggast aufgrund seiner Körperfülle einen zweiten Platz belegt und dort deswegen kein weiterer Passagier sitzen kann, bliebe die Fluggesellschaft andernfalls auf den Kosten für diesen freien Platz sitzen“ sagt eine Sprecherin. Durch den Verkauf eines zweiten Sitzplatzes solle dies vermieden werden.

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Ähnlich verhalte es sich bei der Mitnahme großer Musikinstrumente im Flugzeug, wie „Flightright“ weiter ausführt. „Die Situation bei der Beförderung von stark übergewichtigen Passagieren mit großem Körpervolumen ähnelt der Mitnahme von großen Musikinstrumenten, die nicht wie normales Gepäck aufgegeben werden und auch nicht im Gepäckfach über den Sitzen verstaut werden können“, sagt die Sprecherin. Für diese müsse ebenfalls ein zusätzlicher Sitzplatz gebucht werden. Laut „Flightright“ verstoße es nicht gegen geltendes Recht, wenn Airlines von übergewichtigen Reisenden den Kauf eines zweiten Sitzplatzes verlangten. Einzig in Kanada sei es auf Inlandsflügen gesetzlich verboten, Gebühren für einen zweiten Sitzplatz zu erheben.