4. Dezember 2025, 14:59 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Arbeit als Pilot fordert höchste Konzentration, damit der Flieger sicher am Ziel ankommt. Doch eine Umfrage zeigt: Viele Piloten sind erschöpft und schlafen im Cockpit einfach ein. Ein erstes Land greift deshalb jetzt durch.
Dass man als Fluggast gerne mal ein Schläfchen abhält, ist nichts Ungewöhnliches und vor allem auch kein Problem. Wenn allerdings der Pilot so müde ist, dass ihm im Cockpit die Augen zufallen, dann ist das durchaus besorgniserregend – aber leider nicht selten der Fall. Das zeigt eine Umfrage der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Das Ergebnis: Napping im Cockpit ist kein Randphänomen mehr.
93 Prozent der Piloten sind eingeschlafen
An der Kurzumfrage der VC nahmen rund 900 Piloten deutscher Airlines teil. 93 Prozent von ihnen gaben an, in den vergangenen Monaten während eines Fluges ein sogenanntes Napping genutzt zu haben. Unter Napping versteht man in dem Fall laut der Pilotengewerkschaft kontrollierte Ruhephasen während der Reiseflugphase, also nicht während Start oder Landung. „Napping ist in deutschen Cockpits längst die Regel. Was ursprünglich als kurzfristige Erholungsmaßnahme vorgesehen war, hat sich zu einem dauerhaften Mittel gegen strukturelle Überlastung entwickelt“, sagt Katharina Dieseldorff, Vizepräsidentin der Vereinigung Cockpit, zu den Ergebnissen.
Sie erklärt auch, dass sich die Lage in den Sommermonaten verschärfe. Piloten berichten demnach, dass sie ihre Einsätze trotz starker Ermüdung absolvierten. Ursache seien enge Dienstpläne, Personalmangel und zunehmender operativer Druck. In der Umfrage heißt es, dass für drei von vier Piloten Napping inzwischen Standard geworden ist.
Die VC sieht darin ein großes Problem. „Ein kurzes Napping ist an sich unkritisch. Eine dauerhaft erschöpfte Cockpitbesatzung stellt jedoch ein erhebliches Risiko dar“, so Dieseldorff.
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Erstes Land zieht Konsequenzen
Das Problem gibt es allerdings nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Deshalb greift jetzt Indien durch. Die indische Luftfahrtaufsicht DGCA geht gezielt gegen die Müdigkeit oder Erschöpfung der Cockpitcrew vor und führt verpflichtende Anti-Erschöpfungs-Schulungen ein. Wie das indische Nachrichtenunternehmen „NDTV“ berichtet, müssen alle Fluglinien des Landes ihre Piloten, Flugbegleiter sowie Dienstplan-Mitarbeiter jährlich im Fatigue-Management schulen. Dabei soll es nicht nur um gesetzliche Regelungen zu Flug- und Ruhezeiten gehen, sondern auch um wissenschaftliche Erkenntnisse zu Schlaf und Schlafmanagement.
Außerdem führt die indische Luftfahrtaufsicht das Fatigue-Reporting-System ein. Das ermöglicht es der Crew, Vorfälle zu melden, die dann wiederum von einem unabhängigen Gremium geprüft werden. Bei Bedarf werden dann gezielt Gegenmaßnahmen veranlasst. Damit sich die Airlines auch an die neuen Bestimmungen halten, müssen sie vierteljährlich Bericht darüber erstatten, wie viele Crew-Mitglieder geschult wurden, wie viele Napping-Fälle aufgetreten sind und welche Maßnahmen ergriffen wurden.
Deutsche Gewerkschaft fordert Veränderung
Was Indien jetzt vormacht, fordert im weitesten Sinne auch die Vereinigung Cockpit. Sie will, dass Fatigue als Sicherheitsfaktor anerkannt wird. Airlines, Politik und Aufsichtsbehörden seien gefordert, Erschöpfung ernst zu nehmen, heißt es in einer Stellungnahme. „Eine Unternehmenskultur, die Ermüdung verharmlost oder ignoriert, ist ein Sicherheitsrisiko. Die VC fordert entschiedenes Handeln von Airlines, Behörden und Politik – zum Schutz der Crews und der Fluggäste“, sagt VC-Vizepräsidentin Dieseldorff abschließend.

