Am Check-in-Schalter wird die Banderole an den Koffer gebracht – bei einer aktuellen Betrugsmasche landet sie anschließend allerdings an einem mit Drogen gefüllten Koffer Foto: Getty Images/Dario Sintoni
Gibt man am Flughafen seinen Koffer auf, ist wohl das Schlimmste, womit man rechnet, dass er nicht am Urlaubsziel ankommt oder verloren geht. Doch es geht noch deutlich schlimmer. Denn bei einer neuen Betrugsmasche nutzen Kriminelle Passagiere als Drogenschmuggler. Alle Details erfahren Sie hier.
Koffer prall gefüllt mit Drogen
Stellen Sie sich vor, Sie geben Ihren Koffer ganz normal am Check-in-Schalter ab. Dort wird er gewogen und bekommt eine Banderole mit dem Namen des Passagiers sowie dem Zielflughafen. Soweit alles ganz normal. Doch bei einer aktuellen Betrugsmasche tauschen Kriminelle die Banderole mit dem Namen aus. Das Schild kommt an einen anderen Koffer. Und dieser ist prall gefüllt mit Drogen.
Was unglaublich klingt, ist tatsächlich Realität. Bei einer investigativen Recherche hat das kanadische Magazin „CTV News“ Korruption an Flughäfen in Kanada aufgedeckt. Demnach gibt es 17 bekannte Fälle, bei denen Passagiere Opfer dieser Masche geworden sind.
Betroffen waren ganz unterschiedliche Flüge und Passagiere. Abflugland war stets Kanada. Mal ging der Flieger nach Deutschland, mal nach Marokko oder Frankreich. Es waren auch Länder dabei, wo auf Drogenschmuggel sogar noch die Todesstrafe steht.
Die Fluggäste wurden teils verhaftet und abgeführt. In allen bekannten Fällen konnten die unschuldigen Opfer aber am Ende entlastet werden. Wie oft Drogen unentdeckt durchgerutscht sind, ist nicht bekannt.
Wie genau die Kriminellen vorgehen, ist nicht ganz klar. Es wurden allerdings im Zuge der Ermittlungen mehrere Flughafenmitarbeiter verhaftet. Sie sollen die Banderolen von den Koffern entfernt und an ein Gepäckstück, das mit Drogen gefüllt war, angebracht haben. Anschließend, so heißt es in der Recherche, wurden andere Gepäckanhänger an den Koffer der ahnungslosen Passagiere angebracht. Etwa mit dem Vermerk, den sonst nur Koffer bekommen, die etwa nicht abgeholt oder verspätet sind.
Wenn der Drogenkoffer dann unbemerkt in das nächste Land geschmuggelt wurde, fangen die „Empfänger“ ihn dort ab. Denn die Gepäckstücke waren nicht nur mit Drogen, sondern auch mit einem Peilsender versehen. Wurden die Taschen vorher bei der Kontrolle herausgezogen, hatte der ahnungslose Fluggast das Problem.
Wie kann man sich am besten vor so etwas schützen? „CTV News“ hat verschiedene Tipps – unter anderem auch von einer betroffenen Passagierin, die mit Drogen im Gepäck festgenommen wurde und seit dem Vorfall nun immer Vorsichtsmaßnahmen trifft.
Reisende sollen vorab Fotos und Videos von ihrem Gepäck am Flughafen machen. So kann man dokumentieren, wie der eigene Koffer tatsächlich aussieht, und es später auch „beweisen“.
Auch Fotos oder Videos, während der Koffer gewogen wird, können hilfreich sein. So kann man nachweisen, wie schwer der Koffer tatsächlich bei der Aufgabe war – und ob sich etwas nach dem Check-in an dem Gewicht geändert hat.
Hilfreich kann ein Tracker sein. Laut „CTV News“ berichteten mehrere Opfer, dass sie dank ihrer Peilsender aufklären konnten, wo ihre echten Koffer abgeblieben sind.
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