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Nach Vorfall bei American Airlines

Flugbegleiterin: »Klebeband zum Fixieren von Passagieren ist eigentlich tabu

Ein American-Airlines-Passagier wurde mit Klebeband im Flugzeug fixiert
Was tun, wenn Fluggäste randalieren? Bei American Airlines griff man zum Klebeband. Foto: Getty Images
Laura Pomer
Freie Autorin

17. September 2026, 17:19 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Warum hat die Kabinenbesatzung eigentlich Tape zur Hand? Diese Frage dürften sich viele stellen, nachdem ein Fall bei American Airlines durch die Medien ging: Ein randalierender Passagier wurde während des Fluges mit Klebeband an seinem Sitz fixiert. Dabei gehört Tape – zumindest bei deutschen Airlines – nicht zur Standardausrüstung der Kabinencrew, wie eine Flugbegleiterin im Gespräch mit TRAVELBOOK erklärt. Das Standardprozedere für ausrastende Fluggäste sehe ganz anders aus.

Flugzeug-Randalierer bei American Airlines mit Klebeband fixiert

Kurz noch mal dazu, was eigentlich passiert ist. Der Passagier Arthur Lundeen hat, wie unter anderem BILD berichtet, auf einem American-Airlines-Flug vergangene Woche betrunken gewirkt und angefangen, seinen Sitznachbarn anzuschreien. Er wurde zunehmend aggressiv und begann, Fluggäste rassistisch und homophob zu beleidigen. Damit nicht genug, wurde er gegenüber anderen Passagieren und der Kabinencrew handgreiflich. Andere Fluggäste, darunter ein Passagier namens Richard O’Lenick, haben es schließlich geschafft, den Mann zu überwältigen. Mithilfe von Kabelbindern und Klebeband, das ihnen vom Kabinenpersonal ausgehändigt wurde, wurde Lundeen an seinem Sitz fixiert. O’Lenick hielt das durchaus skurril anmutende Bild fest und postete es anschließend auf Instagram.

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Flugbegleiterin aus Deutschland kennt ähnliche Situationen

Solche Vorfälle sind keineswegs auf amerikanische Airlines beschränkt. Auch deutsche Fluggesellschaften sehen sich immer wieder mit aggressiven oder randalierenden Passagieren konfrontiert.

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TRAVELBOOK sprach mit einer Flugbegleiterin einer großen deutschen Airline über das Thema, sie möchte anonym bleiben. Sie erinnert uns an einen Fall aus dem vergangenen Jahr: Auf einem Lufthansa-Flug von Mexiko-Stadt nach Frankfurt begann ein Passagier kurz nach dem Start zu randalieren. Das Bordpersonal fesselte ihn, doch er konnte sich wieder befreien und verhielt sich weiterhin aggressiv. Die Cockpitbesatzung entschied daraufhin aus Sicherheitsgründen, über dem Golf von Mexiko zu wenden und nach Mexiko-Stadt zurückzufliegen. Dort wurde der Passagier von der Polizei festgenommen.

Mittel der Crew, um „unruly passengers“ zu bändigen

Sie selbst war nicht auf dem betreffenden Flug. Doch auch sie erlebt nach eigener Aussage immer wieder „unruly passengers“ an Bord – so werden randalierende Fluggäste in der Luftfahrt genannt. Der Begriff bedeutet wörtlich übersetzt „widerspenstige Passagiere“. Doch der Griff zum Klebeband sei „natürlich absolut kein gängiges Prozedere“.

In der Kabine gebe es normalerweise gar kein Klebeband – allenfalls im Cockpit, etwa um Dinge provisorisch zu fixieren, beispielsweise einen abgefallenen Spiegel in der Toilette. Für aggressive oder randalierende Passagiere verfahre man dagegen nach festgelegten Vorgaben. „Wenn man in 25.000 Fuß Höhe ist, kann man schließlich nicht einfach runtergehen.“ Die Crew müsse deshalb auch in solchen Situationen handlungsfähig bleiben und einen Passagier notfalls sichern können. „Wir haben deshalb Handschellen, um ausrastende Passagiere zu bändigen, die anfangen, eine Gefahr für Fluggäste und die Crew darzustellen.“ Dabei würden die Passagiere nicht am Sitz festgemacht, sondern lediglich ihre Hände mit den Fesseln gesichert.

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Zu Klebeband greifen Crews nur im seltensten Fall

Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Denn für Notfälle gilt in der Passagierluftfahrt die Vorgabe, dass ein Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden können muss. Dies erklärt auch, warum Fluggäste – ob sie nun randalieren oder nicht – grundsätzlich mobil bleiben sollten. Denn in der sehr kurzen Zeit muss die Kabinencrew dafür sorgen, dass sämtliche Passagiere das Flugzeug verlassen können.

Die Ausrüstung für Situationen, in denen Fluggäste sich daneben benehmen, umfasst daher neben den genannten Plastikhandschellen je nach Airline und Verfahren auch weitere Sicherungsmittel, etwa Kabelbinder oder spezielle Gurte. Der Einsatz von Klebeband ist dagegen keineswegs ein reguläres Verfahren der Kabinencrew. Zu den von der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA beschriebenen Maßnahmen gehören unter anderem Deeskalation und eine entsprechende Schulung der Flugbegleiter im Umgang mit „unruly passengers“. Aber auch der Einsatz geeigneter Sicherungsmittel und – wenn nötig – eine Umleitung des Fluges werden als mögliche Maßnahmen genannt.

Und doch gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle, in denen extrem aggressive Passagiere mit Tape am Sitz fixiert wurden. Einer ereignete sich 2021 bei United Airlines; unter anderem „Newsweek“ berichtete darüber. Die Airline wies ihre Crews damals offenbar sogar darauf hin, dass Klebeband nicht als reguläres Sicherungsmittel eingesetzt werden solle.

Randalierende Fluggäste sind ein zunehmendes Problem

Laut aktuellen Auswertungen stellen unruly passengers bzw. randalierende Fluggäste ein zunehmendes Problem für die Flugsicherheit dar. So kam es 2021 noch auf einen von 835 Flügen zu einem Vorfall mit einem renitenten Passagier, während es 2023 bereits auf einen von 480 Flügen geschah. Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) spricht von einem kontinuierlichen Anstieg der Zahl und Schwere solcher Vorfälle. In Deutschland wurden dem Luftfahrt-Bundesamt im Jahr 2024 zudem 160 Fälle gemeldet.

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