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Ex-Animateurin packt aus

»Manche Urlauber im Club-Hotel vergessen offenbar alle Grenzen

Ex-Anmateurin Hotel resort
In einem Resort-Hotel wie diesem war Paula eine Saison lang Fitnesstrainerin. Was sie sich dort teilweise von Gästen anhören musste, lesen Sie hier. Foto: Getty Images / Privat / Collage von TRAVELBOOK
Lena Braun
Redaktion TRAVELBOOK

4. September 2026, 15:10 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wer im All-inclusive-Hotel Urlaub macht, muss sich für einige Tage einfach mal um nichts kümmern. Anscheinend verleitet aber genau dieses Gefühl manche Gäste dazu, sich auch nicht um ein respektvolles Miteinander zu kümmern. Eine ehemalige Animateurin berichtet TRAVELBOOK von ihrer Arbeit in einem bekannten Resort – dort musste sie sich teilweise sexuelle Anspielungen und beleidigende Kommentare von Urlaubern gefallen lassen, die offenbar vergaßen, dass hinter der Hotelkulisse auch Menschen stehen.

Im All-inclusive-Urlaub gehört es für viele zum Luxus, sich auch mal bedienen und umsorgen zu lassen. Genau das kann jedoch dazu führen, dass manche Gäste die Menschen, die ihren Urlaub möglich machen, nicht mehr auf Augenhöhe behandeln.

Das hat Paula während ihrer Zeit als Animateurin in einem beliebten Resort im Mittelmeerraum erlebt. Gegenüber TRAVELBOOK berichtet die heute 23-Jährige von persönlichen Anfeindungen, sexuellen Anspielungen und Situationen, in denen Gäste offensichtlich Grenzen überschritten. Unterstützung von Vorgesetzten habe sie dabei nur selten gespürt, sagt sie. Die Regel lautete nämlich: lächeln, freundlich bleiben und bloß keinen Gast verärgern.

Bodyshaming und kränkende Kommentare

Wer als Animateurin arbeitet, kommt täglich mit Dutzenden Urlaubern ins Gespräch. Meist geht es um Kurse, Ausflugstipps oder das Abendprogramm. Manchmal werden die „Gespräche“ jedoch unerwartet persönlich.

So erinnert sich Paula an einen Gast, der ihren schwäbischen Dialekt für eine Trainerin als „unzumutbar“ empfand und wissen wollte, warum sie nie bei einer Logopädin gewesen sei. „Ich konnte ja nicht einfach aufstehen und gehen“, sagt Paula, die von dem Herrn ganz ungeniert am Tisch vor den anderen Gästen bloßgestellt wurde. Stattdessen habe sie lächeln, zuhören und sich am Ende sogar noch für den Hinweis bedanken müssen.

Dass Urlauber ungefragt das Aussehen von Mitarbeitern kommentierten, sei keine Seltenheit gewesen. Eine Kollegin aus dem Fitness-Team habe regelmäßig Bodyshaming erlebt: Gäste hätten sie offen gefragt, „wie man als Fitnesstrainerin so dick sein kann“. Auch Paula selbst wurde immer wieder auf ihr Äußeres reduziert. Gäste machten sich über ihr Schwitzen während der Sportkurse lustig, während sie versuchte, die Stimmung hochzuhalten.

Pool hotel animateurin
Auch beim Pool-Programm war Paula immer mit vollem Engagement dabei Foto: Privat

Offiziell hätten Mitarbeitende unangenehme Situationen jederzeit verlassen dürfen. Gleichzeitig sei aber stets vermittelt worden, Gästen kein schlechtes Gefühl zu geben. „Ein richtiges Protokoll gab es nicht“, erinnert sich Paula. „Man musste letztlich selbst damit klarkommen.“

Sexualisierung statt Wertschätzung

Besonders unangenehm wurde es für Paula, wenn manche Gäste ihre Rolle als Animateurin offenbar mit etwas anderem verwechselten. Tagsüber leitete sie Sportkurse, abends stand sie gemeinsam mit ihren Kollegen bei Tanzshows auf der Bühne. Dabei fiel immer wieder auf, dass einige Männer die jungen Animateurinnen auffällig intensiv beobachteten. Häufig standen sie in der ersten Reihe, filmten die Auftritte mit ihren Handys und suchten anschließend gezielt das Gespräch.

Nach einer Show sei ein Gast schließlich mit einem Spruch auf sie zugekommen, den sie bis heute nicht vergessen hat. „Er sagte zu mir: ‚Hier ist doch alles inklusive, also bist du es auch.‘“ Für Paula war das mehr als ein geschmackloser Witz. Solche Bemerkungen hätten ihr das Gefühl gegeben, nicht als Mitarbeiterin wahrgenommen zu werden, sondern als Teil des Hotelangebots.

tanzshow animateurin
Auch die allabendlichen Tanzeinlagen gehören fest zum Programm – an diesen nehmen Animateure aus allen Bereichen teil Foto: Privat

Wie weit dieses Denken bei einigen Gästen ging, zeigte sich wenig später in einer noch unangenehmeren Situation: Über einen Manager ließ ein deutlich älterer Urlauber ausrichten, er würde Paula Geld dafür zahlen, wenn sie mit ihm schlafe. Für die damals Anfang 20-Jährige kam das natürlich nicht infrage. Trotzdem habe sie den Mann anschließend an der Hotelbar getroffen. „Weil er ein angesehener Gast war, wurde ich angewiesen, trotzdem freundlich mit ihm über das Angebot zu sprechen“, erinnert sie sich. Erst rückblickend sei ihr bewusst geworden, wie absurd die Situation eigentlich gewesen sei.

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Erpressung mit schlechter Bewertung

Nicht alle unangenehmen Begegnungen hatten mit Aussehen oder sexuellen Anspielungen zu tun. Manche Gäste waren schlicht davon überzeugt, besser zu wissen, wie Paula ihren Job zu machen hatte.

Einmal gab es eine Auseinandersetzung mit einem Stammgast einer anderen Anlage derselben Hotelkette. Immer wieder erklärte er ihr, dass bestimmte Sportkurse dort ganz anders abliefen und sie deshalb auch ihren Kurs entsprechend gestalten müsse. Dass die Trainer durchaus Freiheiten bei der Gestaltung hatten, wollte er nicht akzeptieren. Stattdessen machte er deutlich, dass er beim nächsten Kurs genau den Ablauf erwarte, den er gewohnt war. „Er hat mir gesagt, dass er eine schlechte Bewertung schreiben und meinen Namen ausdrücklich erwähnen werde, wenn ich den Kurs nicht ändere“, erzählt uns Paula. Zusätzlich habe er angekündigt, sich bei der Personalchefin über sie zu beschweren. Für die erfahrene Sporttrainerin war vor allem die Selbstverständlichkeit irritierend, mit der der Gast seine persönlichen Vorlieben durchsetzen wollte. Mit dieser Haltung setzte er die Animateurin unter Druck und machte seine Drohung wenig später tatsächlich wahr.

Solche Beschwerden seien unter den Mitarbeitern gefürchtet gewesen. „Für den Clubdirektor waren die Bewertungen extrem wichtig“, sagt Paula. Wurde darin der eigene Name in negativem Kontext erwähnt, mussten sich die Animateure irgendwie aus der Schlinge ziehen. Lob bei guter Bewertung gab es eher selten. Viele hätten deshalb ständig im Hinterkopf gehabt, dass jede Kleinigkeit zu einem negativen Urteil führen konnte – sie bangten dann sogar um ihren Job.

Je schwieriger die Gäste, desto enger das Team

Trotz der vielen unangenehmen Erlebnisse blickt Paula nicht negativ auf ihre Zeit im Resort zurück. Im Gegenteil: Gerade der Umgang mit schwierigen Gästen habe die Mitarbeiter oft enger zusammengeschweißt. „Wir haben uns gegenseitig aufgefangen“, erzählt sie. Wenn Gäste einem Kollegen gegenüber unfreundlich wurden oder sich unangemessen verhielten, seien oft andere Teammitglieder eingesprungen und hätten die Situation übernommen. Nach Feierabend habe man gemeinsam über schwierige Begegnungen gesprochen, Frust abgebaut und sich gegenseitig bestärkt.

Gerade dieser Zusammenhalt ist Paula bis heute in Erinnerung geblieben. Aus der gemeinsamen Zeit seien enge Freundschaften entstanden, die teilweise noch immer bestehen. „Wir saßen letztlich alle im selben Boot“, sagt sie. Vielleicht sei es genau dieses Gefühl gewesen, das die schwierigen Momente erträglicher gemacht habe.

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