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Bizarres Ritual

Warum in diesem Dorf in Spanien Menschen über Babys springen

El Colacho Spanien
Beim El-Colacho-Fest springen als Teufel verkleidete Männer über Babys – eine jahrhundertealte Tradition Foto: picture alliance / AA
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Sarah Bachmann
Volontärin

13. Mai 2026, 10:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Im Norden Spaniens sorgt jedes Jahr zu Fronleichnam ein besonderes Ritual für Aufsehen: Männer springen über Babys, die auf Matratzen liegen. Ein ungewöhnliches Spektakel, das viele staunen lässt. TRAVELBOOK erklärt, was hinter dem Fest El Colacho steckt.

Jedes Jahr am Sonntag nach Fronleichnam zieht das nordspanische Dorf Castrillo de Murcia zahlreiche Besucher an. Der Grund ist ein Ritual, das auch als „Teufelssprung“ oder „Baby-Springen“ bekannt ist und bei vielen für Nervenkitzel sorgt. Der Höhepunkt: Verkleidete Männer springen über Babys.

Die Bedeutung von El Colacho

Die Wurzeln der Tradition reichen bis in die 1620er-Jahre zurück. Organisiert wird El Colacho von der Bruderschaft Santísimo Sacramento de Minerva. Beim Fest ziehen die sogenannten „Colachos“, als Teufel verkleidete Männer in roten und gelben Kostümen, durch die Straßen. Mit Peitschen aus Pferdehaar und lauten Rufen jagen sie spielerisch vor allem Kinder durch die Gassen, begleitet von Beschimpfungen und Flüchen.

Immer wieder ziehen sie sich zurück, nur um kurze Zeit später erneut durch die Straßen zu jagen und die Dorfbewohner zu erschrecken. Am frühen Abend treten schließlich die schwarz gekleideten „Atabalero“ auf, oft begleitet von Trommeln, die den Teufel vertreiben sollen.

El Colacho, Spanien
Mit Peitschen jagen die „Colachos“ Zuschauer durch die Gassen Foto: picture alliance / AA

Der spektakuläre Höhepunkt des Festes

Dann kommt der wohl aufregendste Moment: Die „Colachos“ nehmen Anlauf und springen über die Babys hinweg, die auf Matratzen am Boden liegen. Der Sprung hat eine klare symbolische Bedeutung. Nach altem Glauben gilt er laut „National Geographic“ als eine Art Taufe für die Kinder, die im Vorjahr geboren wurden.

Mit dem Sprung sollen verkleidete „Colachos“ die Erbsünden der Babys mitnehmen und sie vor Unglück und Krankheit schützen. Anschließend segnen Priester die Säuglinge und bestreuen sie mit Rosenblättern. Offiziell gehört das Ritual nicht zur katholischen Lehre und wird von der Kirche nicht unterstützt, wird aber seit Jahrhunderten im Rahmen der Fronleichnamsfeiern praktiziert.

Das Baby-Springen ist dabei nur ein Teil des größeren Festes. Rund um Fronleichnam feiert Castrillo de Murcia mehrere Tage lang. Schon am Morgen füllen sich die Straßen, Wein wird ausgeschenkt, Häuser werden geschmückt und überall ist Musik zu hören. Viele reisen extra für das Fest in die Gemeinde nahe Burgos.

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Tradition mit Sicherheitsvorkehrungen

Trotz des regen Treibens und der waghalsig wirkenden Sprünge verläuft das Fest, das seit mehr als 400 Jahren stattfindet, sicher. Laut Medienberichten und Aussagen von Einheimischen kam es bislang zu keinen Unfällen oder Verletzungen, auch weil die Sprünge im Vorfeld intensiv geübt werden. In diesem Jahr findet der Teufelssprung am 7. Juni 2026 statt.

Am Jakobsweg gelegen

Übrigens: Castrillo de Murcia befindet sich am Camino Frances, eine der bekanntesten Routen des Jakobswegs. Mit etwas Planung lässt sich die Pilgerroute sogar so legen, dass man das El Colacho-Fest vielleicht sogar miterleben kann.

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