Unterwegs seit 30 Jahren

Dieser Mann ist der meistgereiste Deutsche!

Sascha Grabow
Extremreisender seit 30 Jahren: Sascha Grabow ist der meistgereiste Deutsche der Welt
Foto: Sascha Grabow

Sascha Grabow ist noch keine 50 Jahre alt und schon der meistgereiste Mensch Deutschlands. Er hat jedes Land der Welt besucht – und es auch wirklich kennengelernt. Dafür ist Grabow im Schnitt elf Monate im Jahr unterwegs. TRAVELBOOK hat mit dem Abenteurer über seine Erlebnisse gesprochen.

Entdeckt hat er seine Leidenschaft für das Reisen schon sehr früh: Bereits mit 15 Jahren reiste Grabow als Skilehrer an verschiedene Orte. Zwei Jahre später trampte er auf eigene Faust nach Italien, um dort ganzjährig für die Tennis-Profikarriere trainieren zu können. Bald wurde daraus sein Lebensinhalt: Inzwischen gilt er laut der Webseite „The Best Travelled“ als der meistgereiste Deutsche!

Sascha Grabow Spitzbergen

Sascha vor Spitzbergen
Foto: Sascha Grabow

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Was ist eigentlich „The Best Travelled“?

Gegründet wurde der Vielreiseclub mit den meisten Mitgliedern im Jahr 2012. Die Plattform unterteilt die Welt in 1281 Gebiete – Inseln, autonome Regionen und andere TerritorienViele Globetrotter nutzen das Portal, um andere Abenteuer-Sympathisanten zu treffen, besuchte Ziele zu vermerken und sich inspirieren zu lassen. Die Seite ist ein digitaler Treffpunkt für die Szene.

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Da man natürlich nicht einfach festlegen kann, was es bedeutet, weitgereist zu sein, hat „The Best Travelled“ die Kriterien allein auf die geografische Abdeckung der Erde bezogen. Wie man reist, was man tut und wie viel Geld man ausgibt, spielt keine Rolle. Jeder, der eine Leidenschaft für neue Orte hat, kann sich registrieren. Wichtig ist nicht, ob man schon viele Länder besucht hat, sondern vielmehr, dass man noch viele Ziele besuchen möchte. Dabei reicht es aber nicht aus, einfach zu behaupten, man hätte einen der Orte bereist: Vielreisende werden aufgefordert, ihre Reisen zu belegen, sobald sie 500 der 1281 Gebiete besucht haben. Auch Grabow hat das getan. Er ist dort nicht nur der meistgereiste Deutsche, sondern auf Platz 2 der meistgereisten Menschen weltweit.

Sascha Grabow möchte Orte wirklich kennenlernen

Sascha Grabow versucht, möglichst länger als einen Monat in einem Land zu verbringen und etwas die Sprache zu erlernen, um einen Ort wirklich kennenzulernen. Natürlich gibt es auch andere Rankings und Listen für Vielreisende, und eben auch jene Menschen, die die Welt erkunden und womöglich genauso viel gesehen haben und dies nicht im Internet festhalten. Eines ist jedoch sicher: dass Sascha Grabow bereits viel von der Welt gesehen hat, sogar sehr, sehr viel.

Für Sascha Grabow geht es darum, unterschiedliche Regionen, Orte und Kulturen kennenzulernen. Gebiets-Listen helfen ihm dabei, neue Ziele zu entdecken, von deren Existenz man sonst womöglich gar nichts wüsste. „Für mich ist es immer mit am interessantesten, dort zu erkundschaften, wo ich noch nie vorher war“, erklärt er TRAVELBOOK. „Oft machen erst diese Listen einen aufmerksam auf neue Regionen, die kulturell und ethnisch verschieden sind.“ Es geht ihm um die Qualität und Intensität einer jeden Erfahrung – und trotzdem freut er sich auch immer, wenn er eine neue Linie in seiner persönlichen Weltkarte einzeichnen kann.

Grabow hat mittlerweile 90 Prozent der Erde bereist

1123 der insgesamt 1281 von „The Best Travelled“ ausgewählten Gebiete hat Grabow bereits besucht – und damit bereits circa 90 Prozent aller Regionen dieser Erde bereist. Der gebürtige Wolfsburger war in jedem Land der Erde bereits mindestens einmal und hat in knapp hundert Ländern länger als einen Monat verbracht. Aber er sagt auch: „Dass man alle Gebiete der Liste besucht haben sollte, halte ich nicht für prioritär, da sonst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Qualität der einzelnen Reisen erheblich davon beeinträchtigt würden.“

Aus Liebe zum Abenteuer

Was Sascha am Reisen so fasziniert, dass er sein gesamtes Leben danach richtet? Die Vielfältigkeit!

Grabow findet es spannend, morgens keine Ahnung zu haben, was am Tag passieren wird. „Ich habe es schon oft erlebt, dass wenn man in einer scheinbar schwierigen Situation ist – und man kann es logistisch eigentlich beim besten Willen nicht mehr so drehen, dass alles noch ‚gut wird‘ –, dass gerade dann die Vorsehung zu greifen scheint. Und plötzlich sind die Vorzeichen verschoben, und alles klappt besser, als man es sich erträumen könnte, allein weil man den Dingen vertraut und ihnen freien Lauf lässt.“

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Sascha Grabow Eiger

Der Abenteurer vor der Nordwand des Eigers in der Schweiz
Foto: Sascha Grabow

Besonders hat es Grabow Afrika angetan, und dort der Teil südlich der Sahara. Was ihn an Afrika besonders fasziniert? „Man wird nie ein Problem mit Touristenmassen haben. Schon deswegen fühlt man sich mehr als Individuum“, so der Abenteurer.

Die Frage zu beantworten, wo es ihm am wenigsten gefallen hat, fiel dem Deutschen schwer:

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Wie sich Sascha Grabow finanziert

Bei der Organisation seiner Reisen lässt Sascha Grabow genug Raum, um flexibel bleiben zu können. Eine grobe Vorstellung, welche Ziele ihn interessieren würden, habe er zwar, aber er plant seine Abenteuer nicht im Detail. So ergibt sich manch eine Gelegenheit erst unterwegs. Manchmal ist er bis zu 20 Monate am Stück unterwegs, doch im Schnitt reist er elf Monate im Jahr durch die Welt, bis er wieder zurück zu seiner Familie kehrt: „Wenn ich von einem Trip nach Hause komme, dann nehme ich das nächste Projekt, möglichst in einem anderen Teil der Erde, in Angriff und ins Visier.“

Wie der Extremreisende seine Abenteuer finanziert? Schließlich ist ein klassischer Job für jemand, der fast immer unterwegs ist, undenkbar. Deshalb ist Grabow darauf angewiesen, auf seinen Reisen zu arbeiten: als Buchautor, Tennistrainer und Fotograf, unter anderem auch für die Fotoagentur „Getty Images“. Zudem verdient er sich immer wieder mal mit Gelegenheitsjobs etwas dazu.

Sascha Grabow Tennis

Unter anderem als Tennistrainer verdient Sascha Grabow unterwegs sein Geld
Foto: Sascha Grabow

Von Kalaschnikows, einer Flucht und verwirrten Autofahrer

Wer so intensiv reist und dabei nicht nur vermeintlich sichere Reiseziele besucht, gerät auch mal in gefährlichere Situationen. Grabow hatte einige Momente, bei denen er nicht wusste, ob er da heil rauskommen würde, zum Beispiel, „wenn man in Afrika festgenommen wird, weil man durch ein Gebiet tourt, welches offiziell noch nie Touristen gesehen hat oder im Jemen 600 Kilometer durch die Wüste trampt und der Fahrer, der einen Dolch im Gürtel, eine Pistole im Halfter stecken und eine Kalaschnikow über die Schulter geschwungen trägt, dir alle 20 Kilometer erklärt, dass er jetzt die Kollegen aus den Bergen anruft, um dich von den Berufskidnappern abholen zu lassen oder dich an sie zu verkaufen, und du nur noch vage die letzte Hoffnung hast, dass das jetzt nur ein Späßchen auf Jemenitisch sein soll“.

Heikel war es auch, als er als erster Mensch in 20 Jahren Malaria nach Reúnion importierte – und, nachdem es bemerkt wurde, direkt Richtung Hafen und Mauritius abgehauen ist, um der dreiwöchigen Zwangsquarantäne zu entgehen. „Ja, solche Situationen kommen schon mal vor“, erzählt Grabow.

Doch auch in Europa hatte er schon Begegnungen, die nicht ganz ungefährlich und ziemlich absurd waren: Im März 1993 war Sascha als Tramper nur zu seinem Vater unterwegs, als ein Mann in einem BMW anhielt. Der Fahrer wirkte etwas aufgebracht und raste – seine Frau habe ihn verlassen, erfuhr Sascha schnell. Auf einer Raststätte angehalten, habe der frisch Verlassene dem Reisenden ein dick gefülltes Portemonnaie in die Hand gedrückt und gemeint: „Hol ein paar Sandwiches für uns!“ Danach machten sie sich wieder auf die Autobahn und der verwirrte Mann beschleunigte ohne Bedenken erneut auf 240 km/h. Auf dem Weg versicherte der Fremde Sascha, ihm seinen Wagen zu vermachen, sobald er seine ‚Mission‘ erfüllt habe: Es gehe nach Österreich, und dort solle er ihm das Skifahren beibringen. Erst später erfuhr der junge Tramper, dass sein Fahrer erst kurz zuvor aus einer psychiatrischen Klinik ausgebrochen war und man ihm die Schlüssel sofort hätte wegnehmen und ihn festhalten sollen. „Ich habe mich schon gefragt, ob das nun speziell gefährlich war, obwohl er sich eigentlich beim Fahren sehr konzentriert hatte“, erzählt der Globetrotter.

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Sascha Grabow Senegal

Sascha in Casamance, einer Region im Süden Senegals
Foto: Sascha Grabow

Neben den gefährlichen und verrückten Momenten sind es vor allem die besonders schönen, die Reisenden wohl immer im Gedächtnis bleiben. Bei Sascha Grabow waren dies besonders Naturerlebnisse, zum Beispiel, als er im Sudan in der Wüste übernachtete und erlebte, „wie sich der Sternenhimmel im Laufe der Nacht über einem verschiebt. Oder auf einer Jacht im Ozean: nichts als das Boot, die Wasseroberfläche und der Sonnenuntergang im Westen.“

Wer Saschas Abenteuer weiter verfolgen möchte, kann ihn auf „The Best Travelled“ weiter beobachten, ihm auf Facebook oder seinem Blog folgen, seine Fotos auf Flickr bestaunen, in seinem eigenen Reiseclub „Greatest Globetrotters“ mitmachen oder einfach sein Buch „Traveling: 30 Years Around The Planet“ lesen.

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