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Gastland der ITB 2026 im Interview

Angolas Tourismusminister Márcio Daniel: »Tourismus ist das grüne Öl unseres Landes

Im Interview auf der ITB 2026 erläuterte Angolas Tourismusminister Márcio de Jesus Lopes Daniel die touristische Vision für das südwestafrikanische Land
Im Interview auf der ITB 2026 erläuterte Angolas Tourismusminister Márcio de Jesus Lopes Daniel die touristische Vision für das südwestafrikanische Land Foto: Getty Images/ Rodrigo Subtil /Messe Berlin GmbH /Collage TRAVELBOOK
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Yannic Stock
Katharina Regenthal
, Katharina Regenthal

12. März 2026, 19:08 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Vom Ölstaat zur vielfältigen Reisedestination: Angola will neue Wege gehen. Als Partnerland der ITB 2026 stellte das Land auf der größten Tourismusmesse der Welt in Berlin seine touristische Vision vor. Doch Wachstum um jeden Preis soll es nicht geben.

Im Gespräch mit TRAVELBOOK erklärt Tourismusminister Márcio de Jesus Lopes Daniel, warum Angola bewusst nicht überall auf Massentourismus setzt, welche Rolle Luanda als „Meeting Room“ des Kontinents spielen soll – und weshalb Sicherheit für ihn ein Markenzeichen des Landes ist.

Tourismus als „grünes Öl“ 

TRAVELBOOK: Drei Tage stand Angola als Partnerland im Fokus der ITB 2026. Welche zentrale Botschaft sollten Besucher am Ende mit nach Hause nehmen?

Márcio de Jesus Lopes Daniel: „Angola befindet sich als Reiseziel im Aufbau. Derzeit vollzieht das Land einen Wandel von einer bislang kaum beachteten zu einer aufstrebenden Destination mit einem der vielfältigsten touristischen Angebote Afrikas: Sonne und Strand, Safari, tropische Wälder, Wüsten, Nationalparks und einem der größten Wasserfälle des Kontinents.“

Angolas Wirtschaft war jahrzehntelang stark vom Öl abhängig. Ist Tourismus eine Ergänzung – oder ein strategisches Zukunftsprojekt?

„Tourismus ist das grüne Öl, das die Diversifizierung unserer Wirtschaft beschleunigen wird. Es ist nicht gut für eine Volkswirtschaft, wenn sie sich nur auf ein Produkt stützt. Viele Jahrzehnte lang haben wir uns fast ausschließlich auf die Ölproduktion verlassen, und die gesamte Wirtschaft drehte sich um diesen Sektor.

Wenn wir zusätzliche Standbeine entwickeln – in der Landwirtschaft, in der Industrie, im Handel und natürlich im Tourismus –, können wir die Wirtschaft breiter aufstellen. Mit Blick auf Beschäftigung und Deviseneinnahmen hat der Tourismus großes Potenzial. Er kann die Diversifizierung erheblich vorantreiben und helfen, neue wirtschaftliche Wege zu eröffnen und Abhängigkeiten zu vermeiden.“

Authentizität als Schlüssel

Sie nennen Authentizität, Menschen und Gemeinschaften als Kern Ihres touristischen Angebots. Wie gelingt es, lebendige Kultur zu zeigen, ohne sie zur Kulisse zu machen?

„Authentizität ist derzeit der wichtigste Schlüssel für den Tourismus in Angola. Nach der Pandemie suchen Reisende verstärkt nach echten Erfahrungen mit einer anderen Kultur, ihren Menschen und ihren Gemeinschaften.

Vieles ist hier noch unberührt. Besucher können das unmittelbar erleben – indem sie mit den Menschen Zeit verbringen, sehen, wie sie kochen oder wie das Gemeinschaftsleben funktioniert. Das macht Angola zu einem einzigartigen Reiseziel. Und genau das wollen wir bewahren.“

Bedeutet das auch eine bewusste Begrenzung von Besucherzahlen?

„In bestimmten Regionen wollen wir keinen Massentourismus entwickeln, weil wir die Lebensweise der lokalen Gemeinschaften schützen möchten. Sie sollen sich durch steigende Besucherzahlen nicht beeinträchtigt fühlen.

Gleichzeitig gibt es andere Bereiche, in denen wir bewusst auf Wachstum setzen – etwa im Badetourismus in ausgewählten Küstenregionen. Bei unseren Wasserfällen hingegen streben wir keinen Massentourismus an, sondern eine gezielte, kontrollierte Entwicklung.“

Das KAZA-Visum für Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe wird grenzüberschreitende Reiseerlebnisse in einer ganz besonderen Umgebung ermöglichen. Könnte es auch eine Art „Mini-Schengen“ für das südliche Afrika werden?

„Die Initiative basiert darauf, dass die Länder der Kavango-Zambezi Trans Frontier Conservation Area dieselbe Natur und Tierwelt teilen. Wir nutzen eine gemeinsame Marke und fördern länderübergreifende Touren.

Wenn Reisende nach Angola kommen, sollen sie problemlos auch die anderen Länder der Region besuchen können. Dafür ist das KAZA-Visum entscheidend. Man benötigt nicht mehrere Visa, sondern nur eines. Es stärkt den Geist der Kooperation statt der Konkurrenz.“

Angolas Stand auf der ITB 2026
Angolas Stand auf der ITB 2026 Foto: dpa

Luanda soll zur Drehscheibe werden

Sie möchten Luanda als „Meeting Room“ des Kontinents etablieren. Welche Rolle soll die Hauptstadt im Geschäftsreisesegment spielen – und was bietet sie darüber hinaus?

„Wir verfolgen diese Ambition, weil wir überzeugt sind, dass die Investitionen in unsere Infrastruktur nicht nur Angola, sondern der gesamten Region zugutekommen. Mit dem Dr. António Agostinho Neto International Airport verfügen wir über einen der größten internationalen Flughäfen Afrikas mit einer Kapazität von fünf Millionen Passagieren pro Jahr.

Luanda ist eine der am besten angebundenen Städte des Kontinents: Direktverbindungen zu zahlreichen afrikanischen Metropolen, in die USA, nach Brasilien, bald auch nach Kuba und China sowie nach Dubai und Katar.

Für die meisten europäischen Länder sowie für Amerika und Asien besteht Visafreiheit, und wir arbeiten daran, diese auch auf alle afrikanischen Staaten auszuweiten. Zudem eröffnen wir eines der größten Konferenzzentren Afrikas. All das macht Luanda zu einem attraktiven Ziel für Meetings und Kongresse – mit guter Erreichbarkeit und internationaler Hotelkapazität.“

Ist Luanda auch ein potenzielles Ziel für Freizeitreisende?

„Geschäftsreisen eröffnen häufig auch Raum für Freizeit. Deshalb sprechen wir nicht nur von Business-Tourismus, sondern von Bleisure – der Verbindung von Business und Leisure.“

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Junge Bevölkerung, neue Chancen

66 Prozent der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt. Wie kann Tourismus dieser Generation echte Perspektiven eröffnen?

„Afrika weist das stärkste Bevölkerungswachstum weltweit auf. Wenn zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 25 Jahre sind, ist das eine enorme Herausforderung. Die Wirtschaft muss sich stärker von extraktiven Sektoren wie Öl, Gold oder Diamanten lösen, die kapital- und technologieintensiv sind, und sich Bereichen zuwenden, die stärker auf Humankapital setzen – insbesondere Dienstleistungen.

Dazu zählen auch die kreativen Industrien. Wir Afrikaner sind sehr kreativ. Tourismus kann helfen, Menschen von Arbeitslosigkeit in Beschäftigung zu bringen. Und gemäß den UN-Entwicklungszielen geht es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern um gute, nachhaltige Arbeitsplätze. Deshalb investieren wir auch in Bildungs- und Trainingsprogramme – in einer Welt des Jahres 2026, die durch KI und technologische Veränderungen geprägt ist.“

Sicherheit und neues Selbstverständnis

Viele Europäer verbinden Angola noch mit seiner konfliktreichen Vergangenheit. Wie wollen Sie Vertrauen schaffen?

„Lange Zeit hatten wir keinen Anlass, aktiv für unser Land zu werben, weil die Ölindustrie ohnehin präsent war. Der internationale Ruf hatte daher keine Priorität. Heute ist das anders. Wir möchten, dass die Welt Angola als ein Land mit Geschichte wahrnimmt – 50 Jahre unabhängig, 22 Jahre in Frieden.

Ein Großteil unserer Vergangenheit war vom Krieg geprägt, und das hat unser Image beeinflusst. Nun soll die Welt Angola und seinen ‚Rhythmus des Lebens‘ kennenlernen. Sicherheit ist dabei ein wichtiges Merkmal. Natürlich ist kein Land perfekt, auch wir haben Herausforderungen. Aber wir haben kein gravierendes Problem mit schwerer Kriminalität wie Entführungen. Angola ist ein sehr sicheres Reiseziel.“

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