Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Österreich Alle Themen
Als Frau allein unterwegs

Weltreisende berichtet: »Wie meine Nacht in einem Airbnb zum Alptraum wurde

Bei TRAVELBOOK berichtet eine Solo-Reisende, wie ihre Nacht in einem angelegenen Ferienhaus zum Alptraum wurde
Bei TRAVELBOOK berichtet eine Solo-Reisende, wie ihre Nacht in einem abgelegenen Ferienhaus zum Alptraum wurde (Symbolfoto) Foto: Getty Images
Artikel teilen
TRAVELBOOK Logo
TRAVELBOOK Redaktion

27. April 2026, 10:55 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Die Deutsche Ina, 59, ist bereits durch zahlreiche Länder der Welt gereist. In Europa ist sie meist in ihrem umgebauten Wohnmobil unterwegs – und hat als Solo-Reisende bereits viele furchtlose Touren unternommen. Doch manchmal kommt auch sie unterwegs in Situationen, die sie sich gerne erspart hätte. So auch bei einer ihrer letzten Reisen, bei der sie sich in Österreich eigentlich nur etwas Gutes tun und statt im Camper in einer warmen Unterkunft übernachten wollte. Doch das gebuchte Airbnb erwies sich als absoluter Alptraum. Bei TRAVELBOOK erzählt sie davon.

Protokoll: Alexandra Cavelius

Nachdem ich vom Allgäu gestartet und fast 3000 Kilometer bis nach Rumänien gereist war, dabei mal in einfachen Ferienhäusern oder auf menschenleeren Campingplätzen im Wald übernachtet hatte, wollte ich mich auf der Heimfahrt durch Österreich mir einer schönen Unterkunft in einem abgelegenen Herrenhaus verwöhnen. Bislang hatte ich mich immer sicher gefühlt. Über Airbnb buchte ich, für knapp 90 Euro, meine letzte Nacht. Leider hörte ich nicht auf meine innere Stimme, die mich ziemlich schnell gewarnt hat: „Hau lieber ab, solange es noch hell ist!“ Selbst schuld muss ich im Nachhinein zugeben. Auf diese Weise erlebte ich eine gruselige Nacht, die ich nicht vergessen werde. Damit andere Frauen schneller reagieren als ich, erzähle ich hier meine Geschichte. 

Die Zweifel kamen schnell

„Wie romantisch“, dachte ich, als ich auf den Bildern im Netz den im frischen Gelb gestrichenen Einödhof entdeckt hatte, eingewachsen zwischen wildem Wein. Im Garten Wildblumen und efeuumrankte Steinbänke. Zwischen Linz und Passau gelegen, nur Natur drumherum. Die Beschreibungen des Hauses und wenigen Rezensionen im Netz hatte ich nur überflogen. Eine war gut, die andere kritisch in Bezug auf die Sauberkeit. Aber ich bin nicht pingelig, und klar gibt es Leute, die immer etwas zum Meckern haben. Das von mir ausgewählte Zimmer wirkte auf dem Foto groß und sauber, nostalgisch und hell. 

Meine Kontaktperson im Netz hatte angeboten, mich mit der Schubkarre vom Parkplatz abzuholen, um so mein Gepäck auf einem etwa 200 Meter langen Trampelpfad durch den Wald zu transportieren, aber ich schulterte meinen Rucksack selbst und lief los. Voran rannte schwanzwedelnd mein kniehoher Mischlingshund, während ich den märchenhaften Wald bestaunte, wo bald zwischen knorrigen Bäumen das Herrenhaus auftauchte, an das ein altes Bauernhaus angebaut war. „Vielleicht 19. Jahrhundert“, schätzte ich das Alter ein und dachte: „Wow, es sieht genauso verwunschen wie auf den Fotos aus.“ Noch war ich ahnungslos, was mich dort erwarten würde.   

Kampf gegen den Widerwillen

Eine etwa 30-jährige Frau empfing mich freundlich. Ich stutzte, denn auf ihrer Jacke prangten große Flicken. Um die schmalen Hüften hatten sie mehrere Lumpen wie Röcke gebunden. Im Film wäre das wohl ein Hexenhaus und sie die böse Hexe, dachte ich mir. Überall lagen Kräuter zum Kauf aus oder hingen büschelweise von den Balken. Sie habe extra das Haus für mich eingeheizt, meinte sie. Das sei hoffentlich nicht zu warm für mich? „Nein, nein“, sagte ich, denn es war ziemlich kühl in dem alten Gemäuer.

Gleich darauf zeigte sie mir im Erdgeschoss zwei nebeneinander geflieste Plumpsklos. Ich zuckte zusammen, denn alles war sehr schmuddelig. Kein Wasserhahn zum Händewaschen. Statt einer Tür fand sich dort ein vergilbter Vorhang. „Das Plumpsklo weckt lustige Erinnerungen an unsere Kindheit“, fiel mir ein Satz der Gastgeber aus der Beschreibung der Unterkunft ein. Das hatte ich mir anders ausgemalt.

Meine Gastgeberin führte mich hinüber ins Bauernhaus. Wie abgebildet fand sich da meine Holzstube, mit Bad und Dusche im Flur. Allerdings ohne Toilette. Und statt eines Bettes fand sich zu meiner großen Enttäuschung eine uralte Ausziehcouch. Noch hätte ich wieder gehen können, aber mir war zu kalt, um im Camper zu schlafen.

Mehr zum Thema

Plötzlich kroch die Angst in mir hoch

Gleich darauf stellte sich mir der sympathisch wirkende Gastgeber vor. Während ich im Anorak schlotterte, plauderte der Bärtige im T-Shirt über den alten Familienbesitz. Kaum war er fort, wollte ich den Holzofen einheizen. „Igitt“, rief ich, als ich nach einem Stück Holz griff, da die Scheite in der Wanne mit Mäusekot übersät waren. Das Feuer brannte bald, aber der Ofen schaffte es nicht, das große Zimmer zu heizen. Gefühlt verharrten die Temperaturen um die sechs Grad. Schnell noch aufs Klo, beschloss ich. Doch ich fand keinen Lichtschalter. Und plötzlich kroch die Angst in mir hoch.

Der Flur finster und verwinkelt, nur der Kegel meiner Taschenlampe sichtbar. Wer weiß, wer mir da hinter der nächsten Biegung begegnete? Ich hörte mein Herz in den Ohren pochen, als mir die Worte des Gastgebers einfielen, dass er Junggeselle sei und sich über den Besuch netter Frauen freue. Er hatte sein Zimmer irgendwo da unten. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Im Programm ein Horrorfilm à la Steven King. „Du bist hier ganz allein als Frau!“, wurde mir immer klarer.

Tatsächlich schaffte ich es bis ans Ziel, nur hatte das Klo keine Türen, die ich hinter mir abschließen konnte. Rasch wuchtete ich den schweren Holzdeckel über dem Loch hoch, doch in dem Moment fuhr ein eisiger Luftzug aus den Tiefen des Schachts nach oben, der wie ein aufgescheuchtes Gespenst aufheulte. Entsetzt erstarrte ich und dachte: „Wer da hineinfällt, kommt nie wieder raus!“ Sofort warf ich den Deckel wieder zu und eilte im tanzenden Lichtkegel der Lampe hoch, um mich in meiner Eiskammer auf der dünnen Matratze der Couch zusammenzurollen.

„Schlaf!“, befahl ich mir. Aber kaum hatte ich die Augen geschlossen, tippelten Mäuse in der Decke, im Fußboden und unweit von mir über die Küchenzeile. Ihnen folgten schwerere Schritte oben auf dem Bretterboden. „Dong, dong, dong“. Ratten? Marder? Keine Ahnung! Ich wollte es auch gar nicht wissen. Plötzlich knarzte eine Stufe! Was, wenn auf einmal dieser Bärtige vor mir stand? Meine kleine Hündin würde sich vermutlich als Erstes selbst in Sicherheit bringen. Mit klammen Fingern tippte ich an meinen Mann meine (vielleicht letzte) Botschaft ins Handy: „Falls du meine Leiche suchst, wahrscheinlich liege ich im Wald oder im Plumpsklo!“

Nichts wie weg!

Kaum, dass die Dämmerung über dem Wald eingebrochen war, saß ich am Steuer meines Campers. Nichts wie weg! Später habe ich eine Rezension auf der Airbnb-Seite geschrieben, dass die Gastgeber für allein reisende Frauen für abschließbare Türen sorgen und das Mäuseproblem regeln sollten.

Rückblickend würde ich allen Frauen raten: Wer als allein reisende Frau auf Nummer sicher gehen will, dass die Unterkunft den gewünschten Ansprüchen genügt, liest am besten Beschreibungen der Gastgeber und Rezensionen anderer Besucher genauestens durch. Zudem sollte man am besten gleich, in der Nähe, nach einer Alternative suchen, falls Unsicherheiten aufkommen oder die Erwartungen vor Ort bitter enttäuscht werden. Und selbst wenn das Geld bereits bezahlt ist, empfiehlt es sich manchmal in den sauren Apfel zu beißen und weiterzuziehen. Lieber sofort abhauen als bleiben und einen Alptraum mit offenen Augen erleben.  

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.