Klischees und Wirklichkeit

Was die Italiener an den Deutschen komisch finden

Ein Italiener und ein Deutscher
Klischees: Wie Italiener und Deutsche sich vorstellen
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Was denken die Italiener eigentlich über deutsche Gewohnheiten? Travelbook-Autor Francesco Marino verrät es.

„Bist du Italienier? Aaah, bella Italia! Pizza, Pasta, Berlusconi und die Mafia! Ach, ich liebe Italien und die Italiener!“

Kommt Euch das bekannt vor? Als Italiener habe ich schon häufig diesen Satz gehört, denn Stereotype haben schon immer die Beziehung zwischen Italien und Deutschland begleitet. Kein Wunder, denn beide Völker haben sehr oft miteinander zu tun: Die Deutschen reisen gerne nach Italien in den Urlaub, viele Italiener dagegen leben in Deutschland. Aus diesem Grund lernen sie sich Jahr um Jahr besser kennen, genau wie auch ihre Bräuche und Gewohnheiten. Einige davon erscheinen vielleicht auf den ersten Blick fremd, merkwürdig oder sogar lustig. Aufbauend auf meiner Erfahrung werde ich versuchen, diese Seltsamkeiten aufzulisten, und jene Kleinigkeiten an den Deutschen zu beschreiben, die für uns Italiener witzig oder skurril sind.

Abendessen ab 18 Uhr

Das Erste, was mir in Deutschland aufgefallen ist – und auf das mich viele Italiener hingewiesen haben – ist, dass die Restaurants schon ab 18 Uhr voll sind. Das Abendessen findet in der Tat gegen 18 oder spätestens 19 Uhr statt – für viele Italiener unvorstellbar, weil viel zu früh. In der Regel essen wir im „Bel Paese“ gegen 20 Uhr. Das klassische italienische Abendessen ist leichter als das Mittagessen und besteht oft aus einer Suppe, einem Gemüsegericht oder einem Salat. Es gibt keinen wirklichen Grund für diesen Zeitunterschied zwischen dem deutschen und dem italienischen Abendessen. Oft sind es geschäftlichen Gründe oder einfach, weil das Mittagessen in Italien die wichtigste Mahlzeit ist. Das deutsche Abendbrot ist aus unserer Sicht oft „traditioneller“ und basiert nicht selten auf Brot oder Brötchen, mit Butter und Käse oder Wurstwaren. Eine Angewohnheit, welche die Italiener in Deutschland nicht begeistert.

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Pizza mit Cappuccino

Wie bereits erwähnt, die Deutschen lieben Italien und insbesondere die italienische Küche. Aus diesem Grund gehen sie oft in italienische Restaurants, um eine gute Pizza oder Pasta zu genießen. Häufig kommt es dann vor, dass nach einer „Carbonara“ ein Cappuccino zum Nachtisch bestellt wird – viele trinken ihn sogar während des Abendessens. Eine Kombination, die die Italiener definitiv schockiert. Die Italiener im Restaurant beenden das Abendessen mit einem Averna, einem Ramazzotti oder einem Grappa. Niemals mit einem Cappuccino. In Italien ist der Cappuccino ein typisches Morgengetränk, welches zum Frühstück, danach aber eher selten getrunken wird.

Bier, Bier und noch mehr Bier!

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Deutsche und Bier – irgendwie vermeintlich genauso typisch wie Italiener und Wein

Natürlich müssen wir auch über das berühmteste deutsche Getränk der Welt sprechen: Bier! Viele Italiener, die hier leben oder in Deutschland im Urlaub waren, stellen sich immer die gleiche Frage: Wie viel Bier trinken eigentlich die Deutschen?
Die Deutschen sind auf der ganzen Welt berühmt für ihren hohen Bierkonsum. Italiener hingegen sind eher Weintrinker, weshalb wir oft überrascht sind, dass viele Deutsche in wenigen Stunden zwei bis drei Liter Bier trinken können. Laut „Wine Institute“ werden in Italien jährlich 34,1 Liter Wein pro Kopf konsumiert, dagegen „nur“ 25 in Deutschland. Aber: Laut Statista.com tranken die Deutschen im Jahr 2016 im Schnitt 104,1 Liter Bier, die Italiener dagegen gerade einmal 31,1 Liter. Ein leichter Unterschied…

Baden gehen im April oder Oktober

Viele deutsche Touristen, die im Frühling oder im Herbst nach Italien fahren, nutzen die Gelegenheit zum Schwimmen und Baden gehen. Für uns Italiener wäre es zu dieser Jahreszeit viel zu kalt! Es ist für einen Italiener in der Tat undenkbar, bei Wassertemperaturen von unter 20 Grad Celsius baden zu gehen. Deshalb sind wir immer fasziniert vom Mut vieler deutscher Touristen, die, sobald sie einen Sonnenstrahl sehen, die Gelegenheit zum Schwimmen nutzen.

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Ruhig bleiben während eines Telefongespräches

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Entspannt telefonieren? Klappt bei den Italienern nicht immer…
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Wenn man sagt, dass die Italiener am Telefon schreien, ist das wahr! Wir ereifern uns, wir echauffieren uns, und vor allem gestikulieren wir sehr viel. Die Deutschen im Gegenteil sind viel ruhiger während ihrer Gespräche am Telefon. Eine Person spricht, die andere hört zu und antwortet dann. Einfach, praktisch und effektiv. Sie können sich verstehen, ohne konkurrieren zu müssen, wer mehr ins Telefon schreit! Wow, dachte ich, sowas ist doch eigentlich unmöglich. Sprechen ohne zu schreien, wie komisch. Unvorstellbar für uns Italiener, die wir auch in diesem Punkt sehr chaotisch sind.

Sich über öffentliche Verkehrsmittel beschweren

In Italien ist der öffentliche Verkehr nicht sehr zuverlässig – im Gegensatz dazu ist der deutsche öffentliche Verkehr meistens sehr gut organisiert. Die Züge sind ziemlich sauber, und vor allem fast immer pünktlich. So pünktlich, dass zum Beispiel die minimale Verspätung eines Busses oder einer U-Bahn die meisten Deutschen verrückt macht. Schon drei bis fünf Minuten Verspätung reichen aus, um die Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel zu kritisieren. Fast ein Witz für uns Italiener, die wir an Züge und Busse mit endlosen Verspätungen und Unannehmlichkeiten gewöhnt sind.

Dies sind nur kleine Beispiele dafür, dass jede Nation und jedes Volk Traditionen und Bräuche pflegt, die auf den ersten Blick für einen Ausländer sehr seltsam erscheinen können. Das Wichtigste ist, Respekt füreinander zu haben.