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Schon 42 Länder besucht

Der Deutsche, der mit seinem Klavier um die Welt reist

Gemeinsam mit seinem Piano reist Joe Löhrmann um die WeltFoto: Manu Padilla

Ein Klavier steht am Strand einer thailändischen Insel. Tausende Menschen betrachten den Sonnenuntergang und hören andächtig zu. Der Mann, der in dieser malerischen Kulisse spielt, ist ein Deutscher. Sein Name: Joe Löhrmann. Seine Mission: Mit einem Klavier auf Rädern um die Welt reisen. TRAVELBOOK hat mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Während andere mit ihren Rucksäcken zu kämpfen haben, hat Joe Löhrmann einen viel schwereren Reisebegleiter: ein Klavier. Damit fährt er um die ganze Welt und spielt an Orten, an denen man kein Klavier erwarten würde: an Seen, Bergen, Felsen oder am Strand. „Ich müsste mein Klavier beim Reisen einfach dabei haben“, denkt der junge Joe Löhrmann. Damals noch ohne graue Strähnen im Haar und gerade frisch aus Ausbildung bei einem deutschen Automobilhersteller. Glücklich ist er damals nicht. Täglich Anzug und Krawatte tragen ist nicht sein Ding. Er fühlt sich in seinem Job gefangen.

Nach der Ausbildung bricht Löhrmann deshalb zu einer Weltreise auf. „Das hat ab der ersten Woche alles verändert“, erzählt er TRAVELBOOK. Die Reise kann er sich durch seine Leidenschaft finanzieren: das Klavierspielen. Er spielt in Hotels und Restaurants, auf Hochzeiten oder Kreuzfahrtschiffen. Nur sein eigenes Klavier, das hat er damals noch nicht dabei. Doch Löhrmann will seine beiden Leidenschaften verbinden und so stellt er sein Klavier einfach auf Räder. „My Travelling Piano“ entsteht und Joe fährt nun mit seinem ungewöhnlichen Reisebegleiter durch ganz Europa und gibt Konzerte.

Auch interessant: „Wir haben für unsere Weltreise alles aufgegeben – und dann kam Corona“

Ein Klavierkonzert bei dem die Wölfe heulen

„Ich bin dahin gegangen, wo die Menschen sind“, erzählt Löhrmann im Interview. Doch inmitten hektischer Einkaufstraßen zu spielen, ist ihm schnell zu anstrengend. Also ändert er seine Vorgehensweise. Nun geht Löhrmann in die Natur, an Orte, die ihm gefallen und versammelt die Menschen dort. Ein Konzept, das aufgeht.

Bei den Naturkonzerten kommt er in Einklang mit seiner Umwelt. Bei einem seiner Konzerte in einem Nationalpark heulten die Wölfe, auch Rehe ließen sich durch die Klaviermusik schon anlocken, erzählt er. Ein Höhepunkt war ein Auftritt beim „Dachzelt Festival“ in Bayern. Dort spielte Löhrmann auf einer schwimmenden Plattform mitten auf dem See. Der aufgehende Mond spiegelte sich im Wasser, das Publikum am Ufer lauschte andächtig – ein einzigartiger Moment für Löhrmann.

Vielleicht Löhrmanns höchstes Konzert? Auf über 2000 Metern in ÖsterreichFoto: G.Lobenwein Photography

Löhrmann wird Star in Japan

Doch nicht in allen Ländern wird der Pianist von Anfang an angenommen. „In Japan habe ich gemerkt, dass die Menschen noch viel mehr in ihrem Rhythmus waren und es verdammt schwer war, sie zum Stehenbleiben zu bewegen.“ Trotzdem ist Japan eines der Länder, das ihm am meisten in Erinnerung geblieben ist. Denn dort ging vor einigen Jahren ein Video von ihm auf Twitter viral. Als Löhrmann in einem Einkaufzentrum einen älteren Japaner sieht, der auf einem Flügel in der Musikabteilung klimpert, setzt er sich an einen Flügel in der Nähe und improvisiert zu der Melodie des Japaners. Zwei Jungs bleiben stehen, filmen und posten das Video auf Twitter. Wenig später geht der Clip viral und der deutsche Pianist wird in Japan sogar auf der Straße erkannt.

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„My Travelling Piano“ live sehen

Eigentlich tourt Löhrmann im Sommer durch Europa – doch wegen der Corona-Pandemie blieb er in Thailand, wo er jetzt schon ein Jahr ausharrt. Genießen kann er das Inselleben trotzdem. „Hier auf Koh Phangan war das Leben relativ schnell wieder normal“, erzählt der Pianist. Wer eine Dosis Thailand braucht, sollte sich eines seiner Onlinekonzerte von der Insel anschauen. Auch am Muttertag steht eines am Programm. Infos gibt es unter anderem auf seiner Facebook-Seite. Mehr über ihn und sein weitgereistes Klavier gibt es auch in Joe Löhrmanns Buch „My Travelling Piano“, das am 07.05. im Eden Books Verlag erscheint.

Eine letzte Frage an den Pianisten: Wie sehr können wir Deutschen uns nach seiner Erfahrung für spontane Konzerte begeistern? Die überraschende Antwort: „Die Deutschen sind im europäischen Vergleich eigentlich recht empfänglich für Musik“, lautet das Expertenurteil.

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